Das letzte

Der arme Bär wurde vergewaltigt!

Nils-Peter Hey

Oh, mein, Gott. Berlin hat es gewagt und eine Überarbeitung des Corporate Designs in Auftrag gegeben. Die müssen übermütig sein, jetzt, wo der Flughafen fertig wird. Im Zuge des Re-Design wird auch die seit vielen Jahren bekannte Kampagne „Be Berlin!“ ersetzt. Hier können Sie das vertiefen: https://dn.rpv.media/brlin

Wie bei Gestaltungsänderungen üblich hagelt es Kritik. Im Netz wird die neue Lösung mit Häme der übelsten Sorte überschüttet. Der eine findet, dass ein schwarzer Rahmen um Schriftzug und Bär absolut sinnbildlich für die Deutsche Teilung steht. Ein anderer meint, dass der Bär Rückwärtsgewandheit symbolisiert, weil er nach links guckt. So geht das munter weiter. Schuld ist natürlich die Agentur und deren Team, das sich gefälligst einzugraben hat bei so viel Unfähigkeit. Fehlt nur noch, dass Corona schuld ist. 82 Millionen Bundestypographen irren nicht. Ich frage mich eher: Was rauchen die alle für Zeug?

Aus nüchterner und fachlicher Sicht sieht es natürgemäß anders aus. Alles gradlining, ein bisschen Retro und vor allem absichtlich kein großer Wurf. So wie Designänderungen üblicherweise sein sollen. Sie besinnen sich zurück auf des Pudels (‚tschuldigung … des Bärens) Kern, räumen auf, lassen über Jahre hinzugewachsene Schnörkel wieder weg. Leider ist Geschmack in Designfragen ein sehr schlechter Ratgeber, aber darüber kann man nicht streiten. Designer und die sich dafür halten haben das eh so an sich, dass sie sich untereinander nichts gönnen. Am Ende des Tages muss man die getroffenen Entscheidungen durchfechten, auch gegen alle Anfeindungen. Sollten Sie also Ihrem Unternehmen also beizeiten einen neuen Look kredenzen wollen, ziehen Sie sich warm an. Schon der Ehepartner könnte dagegen sein und wenn Schatzi sagt „Gefällt mir nicht“ wird’s auch für den größten Boss verdammt eng.