Blickpunkt

Der Familienpool als Gestaltungselement
Privatvermögen steuerlich optimieren

Dr. Franz-Peter Stümper

Das Gestaltungsinstrument des sogenannten Familienpools, teilweise auch als Familiengesellschaft geführt, erfreut sich in der Beratungspraxis zunehmender Beliebtheit. Das verwundert nicht, lassen sich doch mit diesem Modell sehr häufig die typischen Ziele einer Nachfolgekonzeption von Familienunternehmern miteinander verbinden und verwirklichen.

Mit einem Familienpool lässt sich das Familienvermögen über Generationen erhalten.

Regelmäßig verfolgt der Unternehmer, der „sein“ Unternehmen über viele Jahre oder Jahrzehnte erfolgreich geführt und im Idealfall aus den Erträgen ein statthaftes Familienvermögen aufgebaut hat, die folgenden Gestaltungsziele:

  • einen langfristigen Erhalt des Vermögens,
  • den Schutz des Vermögens gegen außenstehende Gläubiger (Asset Protection), 
  • die Vermeidung von gegebenenfalls als ungerecht empfundenen Einzelaufteilungen des Vermögens,
  • die Vermeidung von Pflichtteilsansprüchen,
  • die Vermeidung des Zugriffs angeheirateter Ehegatten auf das Familienvermögen,
  • das Ermöglichen individueller Ausbildungs- und/oder Lebensziele sowie
  • eine möglichst steuerschonende Vermögensübertragung auf die Nachfolgegeneration.

Vermögensarten nicht vermischen

Zwar eignet sich bei entsprechender Ausgestaltung grundsätzlich jede Art von Familienvermögen für einen Familienpool. In Betracht kommt somit auch Unternehmensvermögen. Allerdings bietet sich das Konstrukt besonders für steuerliches Privatvermögen an, insbesondere für Immobilien, Wertpapiere, Depots und Bargeld. Zu beachten ist, dass Privatvermögen möglichst nicht mit betrieblichem Vermögen vermischt werden sollte. Denn bereits geringfügige betriebliche beziehungsweise gewerbliche Einkünfte würden das übrige Privatvermögen steuerlich „infizieren“. In diesem Fall käme es in steuerlicher Hinsicht zu einer Einordnung des Familienpools als gewerbliches Unternehmen, sodass die Einkünfte dem Grunde nach der Gewerbesteuer unterliegen und künftige Wertsteigerungen des Gesellschaftsvermögens in der Zukunft einmal versteuert werden müssen. Wegen des mit der Errichtung eines solchen Familienpools verbundenen Strukturierungsaufwands und den hieraus resultierenden laufenden Kosten, sollte das hierfür zur Verfügung stehende Familienvermögen eine gewisse Mindestgröße aufweisen.

Steuerfolgen der Übertragung

Neben den Konsequenzen für die laufende Besteuerung ist vor allem Folgendes zu beachten: Wenn das Familienvermögen oder wesentliche Teile davon in einem Familienpool gebündelt werden sollen, sind zunächst einmal die steuerlichen Konsequenzen der Übertragung des Vermögens auf den Pool zu beleuchten. Je nach den Verhältnissen im Einzelfall können sich dabei erbschaft- und schenkungsteuerliche, ertragsteuerliche, grunderwerbsteuerliche sowie gegebenenfalls auch umsatzsteuerliche Auswirkungen ergeben. Mittels eines Familienpools und Beteiligung der Kinder an diesem, lässt sich bereits sehr frühzeitig Vermögenssubstanz unter Ausnutzung der erbschaft- und schenkungsteuerlichen Freibeträge auf die Nachfolgegeneration transferieren. Die persönlichen Freibeträge liegen im Verhältnis zu den Kindern je Kind bei 400.000 Euro und im Verhältnis zum Ehepartner bei 500.000 Euro. Die Freibeträge können alle zehn Jahre wiederholt in Anspruch genommen werden. Somit lassen sich durch eine gezielte Steuerung von Anteilsübertragungen über einen längerfristigen Zeitraum die jeweils zur Verfügung stehenden Freibeträge sukzessive und zielgenau ausnutzen, unter Umständen sogar mehrfach. Denkbar ist darüber hinaus auch eine Zuwendung von Anteilen am Familienpool unmittelbar an Enkelkinder – ein sogenannter Generationensprung –, um auch die persönlichen Freibeträge im Verhältnis zu den Enkelkindern auszunutzen. Diese betragen je Enkelkind 200.000 Euro.

Bei einer deutlich ungleichen Verteilung des vorhandenen Vermögens zwischen den Ehegatten empfehlen sich im Vorfeld einer Familienpool-Lösung Gestaltungen, die zu einer gleichmäßigen Vermögensverteilung führen. In Betracht kommen insoweit beispielsweise eine steuerfreie Übertragung des selbstgenutzten Familienheims oder die Durchführung eines Wechsels des Güterstands mit – ebenfalls steuerfreiem – Ausgleich des bislang erzielten Mehrzugewinns des einen Ehegatten (sogenannte „Güterstandsschaukel“). Der Vorteil einer gleichmäßigen Verteilung des Familienvermögens unter den Ehegatten besteht vor allem darin, dass dann in der Folge beim weiteren Vermögenstransfer auf die Kinder auch die persönlichen Freibeträge des anderen Ehegatten ausgenutzt werden können.

Sehr beliebt sind im Zusammenhang mit Familiengesellschaften auch Nießbrauchsgestaltungen. So können sich die Eltern entweder sogleich bei der Übertragung von Vermögen auf die Familiengesellschaft oder auch bei einer nachfolgenden unentgeltlichen Übertragung von Anteilen auf die Kinder den lebenslangen Nießbrauch vorbehalten, um mit den Erträgen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und die Altersvorsorge sicherzustellen. Bei einer Schenkung von Vermögen unter Nießbrauchsvorbehalt wird der kapitalisierte Wert des Nießbrauchs bei der Bemessung des Werts der Zuwendung abgezogen. Dies wirkt sich in vielen Fällen erheblich steuermindernd aus.

Eine Grunderwerbsteuer wird bei der Übertragung von Immobilien auf Familienpools beziehungsweise bei der Beteiligung der Kinder an dem Familienpool regelmäßig nicht ausgelöst. Denn das Grunderwerbsteuerrecht sieht persönliche Steuerbefreiungen vor, wonach Grundstücksübertragungen zwischen Ehegatten und auf Abkömmlinge in gerader Linie grunderwerbsteuerfrei sind.

Laufende Besteuerung

Wenn es sich beim Vermögen des Familienpools – wie es typischerweise der Fall ist – um steuerliches Privatvermögen, also beispielsweise Immobilien, handelt, so ergeben sich im Hinblick auf die laufenden Besteuerungsfolgen keine Veränderungen. Denn der Familienpool, der in der Regel in der Rechtsform einer Personengesellschaft geführt wird, ist einkommensteuerrechtlich transparent. Das bedeutet, dass die Einkünfte der Gesellschaft, zum Beispiel aus der Vermietung von Immobilien, den Gesellschaftern quotal entsprechend ihren jeweiligen Beteiligungsquoten an der Gesellschaft zugerechnet und von diesen im Rahmen ihrer jeweils persönlichen Einkommensteuerveranlagungen der Einkommensbesteuerung unterworfen werden.

Ein Vorteil von rein vermögensverwaltenden Familiengesellschaften besteht darin, dass diese mit ihren Einkünften nicht der Gewerbesteuer unterliegen und es zu keiner Steuerverstrickung des Vermögens dergestalt kommt, dass künftige Wertsteigerungen bei späterem Verkauf oder im Falle der Auflösung der Gesellschaft einer Besteuerung unterliegen. Schließlich können über eine Beteiligung von Kindern und/oder Enkelkindern am Familienpool Einkünfte ganz gezielt bei solchen Personen verortet werden, bei denen sie aufgrund des Grundfreibetrags und dem Fehlen sonstiger nennenswerter Einkünfte entweder überhaupt nicht oder zu einem deutlich niedrigeren Steuersatz besteuert werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Familienpoolgestaltungen für Unternehmerfamilien ein erhebliches Potenzial bieten und hervorragende Gestaltungsoptionen im Hinblick auf einen steuerschonenden Transfer des Familienvermögens auf die nächste Generation ermöglichen.

www.bansberg-gmbh.de