Blickpunkt

Der „Zukunfts-Beirat“
Scout und Coach für das Familienunternehmen

Wolf Hirschmann

Ein anstehender Generationenwechsel sowie die wichtige Weiterentwicklung des Geschäftsmodells waren die Hauptgründe für die Implementierung eines „Zukunfts-Beirats“. Ein Erfahrungsbericht aus einem mittelständischen Unternehmen.

Die Inhaberfamilie muss noch immer schmunzeln, wenn die Erinnerungen an ein Treffen der fünf Gesellschafter wach werden, bei dem der allein-geschäftsführende Gesellschafter seine Idee eines „Beirats“ vorstellte. Warum sollte das erfolgreich gewachsene, seit über 25 Jahren profitabel am Markt agierende Unternehmen, nun externe Ratgeber mit an den Tisch nehmen? Es gab doch klare Rollenverteilungen und auch das Miteinander verlief im Großen und Ganzen geordnet. Die Skepsis war also groß – man hatte Angst der Beirat könne „reinreden“ oder sei möglicherweise auf „immer und ewig“ zementiert.

Expertise ins Boot geholt

Dabei wurde ausgeblendet, dass in den zurückliegenden Monaten doch immer wieder die notwendige Agilität bei wichtigen Entscheidungen fehlte. Die Gesellschafter bremsten durch einen Mix an Unwissen um operative Geschehnisse und Marktveränderungen wichtige Weichenstellungen aus. Man erfreute sich an guten Ausschüttungen und sah wenig Anlass für größere Zukunftsinvestitionen. Kein Wunder also, dass der geschäftsführende Gesellschafter sich bei wichtigen Entscheidungen nicht immer wohlfühlte. Letztlich hatte er keinen Sparringspartner, mit dem er sich bezüglich strategischer Themen besprechen konnte, ohne dabei Schwäche zu zeigen oder Unruhe im Familienverbund zu verbreiten.

Zwischenzeitlich hat sich der „Zukunfts-Beirat“ etabliert und ist in die zweite Periode der dreijährigen Amtszeit gestartet. Die generelle Grundlage der Zusammenarbeit ist mittels einer klaren Vereinbarung festgelegt worden. Diese berücksichtigt sowohl die Erwartungen der Geschäftsführung wie auch der Gesellschafter an den Beirat. Von Vorteil war und ist es, dass der Beirat – im Gegensatz zu einem Aufsichtsrat – nicht primär zur Überwachung des operativen Geschäfts installiert wurde. Vielmehr liegt der Fokus hier auf der Beratung aus unternehmerischer Perspektive. Zu den internen und externen Herausforderungen gehören unter anderem ein hoher Finanzbedarf für notwendige Kapazitätserweiterungen, die neue Ausrichtung des Geschäftsmodells sowie die rechtzeitige Einbindung des potentiellen Geschäftsführer-Nachfolgers, aus dem Kreis der erwachsenen Kinder eines Gesellschafters.

Partner auf Augenhöhe

Der „Zukunfts-Beirat“, bestehend aus vertrauenswürdigen Unternehmern, sieht sich dabei quasi als ein Partner auf Augenhöhe. In drei ausführlichen Beiratssitzungen sowie bis zu vier weiteren, „virtuellen Meetings“ wird durch den Beirat darauf hingewirkt, Strategien zukunftsfähig zu machen und die dafür notwendigen Strukturen und Prozesse fortzuentwickeln. Es hat sich auch gezeigt, dass der „Zukunfts-Beirat“, die Entscheidungsqualität durch Empfehlungen und das Aufzeigen von Handlungsoptionen, aber auch durch kritisch konstruktives Nachfragen und Herausfordern verbessern kann. Hinzu kommt, dass der Beirat quasi die „Neutralität“ im Familienunternehmen herstellt. In Konfliktsituationen wird die Moderatorenrolle übernommen und damit können die Interessen von Gesellschaftern und Geschäftsführung harmonisieren. In der Funktion als Scout hilft der „Zukunfts-Beirat“ bei der Entwicklung vom Bild einer neuen, erstrebenswerten Zukunft und auf dem Weg zu den dann neudefinierten Zielen. Als Coach begleitet er das Familienunternehmen bei der Orientierung.