Blickpunkt
Die News Mai 2022

Die vier Musketiere von Kamen

Bei Kemna Druck entscheiden nicht nur die Nachfolger

Mit Friederike Heckmann und ihrem Bruder Martin leitet seit 2020 bereits die dritte Generation die Kemna Druck Kamen GmbH. Und nicht nur das: Auch ihre jeweiligen Ehepartner arbeiten im Familienunternehmen aktiv mit und unterstützen sie an der Spitze. Im Interview berichtet Friederike Heckmann unter anderem, wie der familieninterne Nachfolgeprozess ablief und wie die Ehepartner in wichtige Entscheidungen mit involviert werden.

Hendrik Fuchs
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Kemna Druck

Tanja, Friederike, Patrick und Martin Heckmann (v.l.)

Bitte stellen Sie unseren Lesern kurz Ihr Unternehmen vor.

Unser Familienunternehmen wurde 1971 von meinem Großvater in einer Garage im nordrhein-westfälischen Kamen gegründet. Während er nachts in der Druckerei einer Zeitung arbeitete, kümmerte er sich tagsüber um die Verwirklichung seines Lebenstraums: eine eigene Druckerei. 1974 baute er mit Unterstützung meiner Urgroßväter den Firmensitz in der Gutenbergstraße in Kamen auf – seitdem der feste Standort unseres Familienunternehmens. In den 2000-Jahren sind meine Eltern sowie mein Onkel und meine Tante an die Spitze gerückt. Mein Bruder und ich haben den Betrieb dann im Jahr 2020 übernommen. Was uns ausmacht, ist unser breit aufgestelltes Portfolio. Das spiegelt sich auch in unserem Motto „Außer Geld drucken wir alles“ wider. Dazu gehören Briefblätter, Verpackungs- und Etikettendruck, ein eigener Lettershop, eine Buchbinderei sowie eine eigene Werbetechnik, in der wir Fahrzeugbeschriftungen oder Außenbeschilderungen herstellen können. Auf Wunsch übernehmen wir auch komplette Grafikleistungen, etwa bei der Erstellung einer neuen Homepage. Wir bieten sozusagen das Wunschlos-glücklich-Paket aus einer Hand.

War Ihrem Bruder und Ihnen denn irgendwie immer schon klar, dass Sie einmal in die Leitung des Familienbetriebs einsteigen werden?

Bei mir war es tatsächlich so, dass ich bereits als Jugendliche den Wunsch verspürte, irgendwann einmal in den Betrieb einsteigen zu wollen. Wir haben direkt hinter der Firma gewohnt und ich hatte zum Unternehmen immer einen sehr starken Bezug. Alles das, was ich in diesem Kontext in jungen Jahren mitbekomme habe, hat mich fasziniert und in den Bann gezogen. Dementsprechend habe ich mich beruflich ausgerichtet und nach meinem Fachabitur eine Ausbildung zur Mediengestalterin absolviert.

Ganz anders war es bei meinem elf Jahre älteren Bruder, der Maschinendreher gelernt und sein Glück erst einmal außerhalb des Familienunternehmens gesucht hat. Es dauerte schon ein paar Jahre, bis in ihm der Entschluss reifte, im elterlichen Betrieb zu arbeiten. Schließlich arbeiteten wir beide parallel im Betrieb für einige Jahre, da kam dann nach gewisser Zeit der Punkt, an dem klar war, dass wir beide zusammen einmal die Leitung des Familienunternehmens übernehmen werden.

Hier werden Verpackungen hochwertig veredelt. Kemna Druck

Es gab ja noch weitere potenzielle Kandidaten. Hatten diese keine Ambitionen, in die Geschäftsleitung einzusteigen?

Nein, mein anderer Bruder wollte immer schon studieren und sah seine Zukunft als Maschinenbauer nicht in der Druckerei. Inzwischen arbeitet er als Patentanwalt. Auch unsere Cousins, Cousinen, Tanten und Onkel hatte keine Ambitionen in dieser Richtung. Es gab bei uns in der Familie also kein Hauen und Stechen um die Nachfolge (lacht).

Wie lief der Nachfolgeprozess an der Spitze konkret ab?

Im Jahr 2016 haben wir beide die ersten Firmenanteile von unseren Eltern erhalten – jeweils zehn Prozent. Sukzessive wurde die anderen Anteile an uns in den Folgejahren weitergegeben. 2020 haben wir dann den Betrieb jeweils zur Hälfte übernommen. Die Einarbeitungszeit hat bei mir mit einem einjährigen Praktikum begonnen: Ich lernte alle Maschinen und alle Unternehmensbereiche im Detail kennen. Anschließend arbeitete ich mehrere Jahre in der Medienabteilung. Sukzessive kamen mehr Aufgaben hinzu, für die mir die Verantwortung übertragen wurde. Das war etwa im Büro, wo ich meine Mutter anfangs unterstützte und viel über verwaltungstechnische Abläufe von ihr lernen durfte. Ähnlich war es bei meinem Bruder, der sich aber in erster Linie auf den technischen Bereich, die Produktion, konzentrierte. Heute ist es so, dass ich mich zusammen mit meinem Mann um die Bereiche Büro, Verwaltung und Vertrieb kümmere, während mein Bruder und meine Schwägerin die Produktion leiten. Da ergänzen wir uns perfekt, denn jeder hat diejenige Aufgabe, die ihm am meisten liegt.

Einen konkreten oder gar schriftlichen Fahrplan gab es bei uns nicht. Es hat sich alles mehr oder weniger von alleine ergeben. Auch einen klassischen Unternehmensberater, der den Nachfolgeprozess moderiert und begleitet, hatten wir nicht. Glücklicherweise konnten wir Unstimmigkeiten während der Nachfolge innerhalb der Familie immer gut alleine klären. Lediglich ein Steuerberater half uns an der ein oder anderen Stelle, steuerliche und rechtliche Fallstricke zu umschiffen.

Was hat Ihnen beiden den Nachfolgeprozess erleichtert? Was hatten Sie am Anfang vielleicht auch unterschätzt?

Von Vorteil war sicherlich, dass wir das Projekt Nachfolge als Viererteam durchlaufen haben. Unsere beiden Familien haben ähnliche Lebensentwürfe und wir stehen uns innerhalb und außerhalb des Unternehmens sehr nah. Natürlich hat uns auch geholfen, dass wir jederzeit auf das Know-how der Vorgängergeneration zurückgreifen konnten. Darüber hinaus war und ist unsere sehr erfahrene Belegschaft Gold wert. Sie hat uns nicht nur in vielen Situationen tatkräftig unterstützen können, sondern dazu beigetragen, auf Bewährtem aufbauend etwas Neues zu entwickeln. Und auch der Austausch mit Gleichgesinnten, vor allem mit Nachfolgerinnen, war für mich hilfreich.

Was ich unterschätze habe, ist die Mitarbeiterführung. In gewisser Weise waren wir da etwas zwiegespalten, was eine zeitgemäße Führung der Belegschaft anbelangt. Angesichts der Start-up-Szene, in der Führung anders verstanden wird als in einem klassischen Familienunternehmen, war es eine gewisse Herausforderung, einen für uns passenden Führungsstil zu finden. Wichtig aber war uns, dass wir den familiären Charakter beibehalten, der unser Unternehmen immer schon geprägt hat. Herausgekommen ist schließlich ein Führungsmix aus Tradition und Moderne.

Kaum hatten Sie die Führung übernommen, brach Corona aus. Wie hat die Pandemie Ihren Start ins Unternehmertum geprägt?

Natürlich war das für meinen Bruder und mich eine sehr beunruhige Situation. Wir haben aber das Beste daraus gemacht, sind an dieser Herausforderung in jeder Hinsicht gewachsen. Das Unternehmen ist dank seiner breiten Aufstellung und großen Materialvielfalt bisher recht gut durch die Krise gekommen. Und wir hatten einfach das Glück, dass wir eine erfahrene Familie im Rücken haben, die uns jederzeit unterstützt hat. Die Krise hat uns darüber hinaus gezeigt, wo unsere Stärken liegen und das unser breit aufgebautes Portfolio der Richtige Weg ist.

Blick in den Showroom Kemna Druck

Inwieweit werden Ihre die Ehepartner in grundlegende Entscheidungen mit eingebunden, etwa wenn es um die Strategie des Familienunternehmens geht?

Grundlegende Entscheidungen werden bei uns grundsätzlich zu viert getroffen. Es spielt also keine Rolle, ob man in der Geschäftsleitung ist oder nicht. Jede der vier Stimmen hat das gleiche Gewicht. Wir sprechen und diskutieren darüber, was der richtige Weg sein kann. Natürlich setzt sich einer oder eine auch mal durch, indem er oder sie die anderen mit Argumenten überzeugt. Aber so Dinge wie „der Chef hat das letzte Wort“ gibt es bei uns nicht. Alles muss so entschieden werden, dass alle vier dahinterstehen können. Denn dass unsere Partner hier mit im Boot sitzen, gemeinsam mit uns an einem Strang ziehen, ist unser großer Rückhalt, den wir nie missen wollen. Wir sehen uns da ein wenig wie die vier Musketiere.

Bei so vielen Familienmitgliedern im Unternehmen bleiben Meinungsverschiedenheiten und auch Streitigkeiten sicherlich nicht aus. Was ist Ihnen im Umgang miteinander besonders wichtig – auch wenn es mal nicht rund laufen sollte?

Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten gehören einfach dazu. Das ist ähnlich wie im Eheleben. Meinungsverschiedenheiten und Reibungen sind per se aber auch nichts Schlechtes, denn sie bringen ein Unternehmen zu einem gewissen Maße auch voran, helfen, neue Wege zu beschreiten und erzeugen mitunter tolle Ideen. Uns eint, dass wir für das Familienunternehmen brennen. Und wo viel Herzblut fließt, gibt es viele Emotionen – und die suchen sich auf die ein oder anderer Weise ihren Weg nach draußen. Wichtig ist nur, dass man sich immer wieder auf das Gemeinsame besinnt, gewisse Grenzen akzeptiert und sich auch nach jeder Auseinandersetzung immer noch in die Augen blicken kann.

In welche Richtung möchten Sie das Familienunternehmen in den nächsten Jahren entwickeln?

Wir möchten unser Familienunternehmen so entwickeln, dass die Arbeit für uns und unseren späteren Nachfolger gut zu stemmen ist. Die Kultur soll weiterhin familiär und von einem respektvollen Miteinander geprägt sein. In den nächsten Jahren wollen wir vor allem den Verpackungsbereich stärker ausbauen und alles dafür tun, dass wir als Familienunternehmen unabhängig und inhabergeführt bleiben – und nicht, wie viele in unserer Branche, aufgekauft werden beziehungsweise gezwungen werden, zu fusionieren. Wir möchten das Ganze weiterhin im gleichen Rahmen wir momentan weiterführen. Nur so ist gewährleistet, dass wir unsere Kunden weiterhin mit hochwertigen Druckprodukten begeistern können.

Welche Tipps haben Sie für andere Nachfolger?

Man sollte immer nur das tun, woran man Spaß hat. Wer bereits am Anfang merkt, dass das Thema Nachfolge für einen nichts ist, sollte die Finger davon lassen und nicht aus einer innerlich falsch empfundenen Verpflichtung heraus versuchen, Verantwortung im Unternehmen zu übernehmen. Denn eines ist klar: Nachfolge kann mitunter schmerzhaft sein, kostet viel Zeit und Kraft, bedarf eines großen Durchhaltewillens. Wenn allerdings jemand am Unternehmertum Gefallen findet, sollte er es einfach tun, ohne sich darüber groß Gedanken zu machen. Selbst wenn Fehler passieren. Aus Fehlern können wir alle nur lernen. Hilfreich ist natürlich ein Team, das einen in allen Belangen unterstützt und auf dem Weg hin zur Spitze begleitet und fördert.

www.kemna-druck.de

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