Blickpunkt

Ein Puzzlestein im Wandel
Was Interim-Manager leisten können

Hendrik Fuchs

Mit einem Manager auf Zeit können Familienunternehmen wichtiges Know-how an Bord holen und Change-Prozesse vorantreiben. Im Interview mit den News spricht Experte Sascha Hackstein unter anderem über die Vorzüge eines Interim-Managers, aber auch über die Rahmenbedingungen, damit die Zusammenarbeit von Erfolg gekrönt ist.

Wie können Interim-Manager speziell Familienunternehmen dabei unterstützen, einen Wandel beziehungsweise Veränderungen innerhalb des Unternehmens nachhaltig herbeizuführen?

Dafür muss man zunächst die Frage stellen, was man unter Wandel versteht. Wenn es um Wandel geht, wird die Vergangenheit infrage gestellt. Das fällt einem Unternehmer, der seit 30 Jahren erfolgreich ist, sehr schwer. Denn es bedeutet, sein Geschäftsmodell und damit sich selbst infrage zu stellen. Deshalb gehen viele Unternehmen eher Themen wie Restrukturierung, eine Optimierung der Supply Chain oder der Produktion an – doch das ist kein Wandel. Momentan sehen sich die Unternehmen aber einem wachsenden Veränderungsdruck durch die Märkte gegenüber. Es geht nicht mehr um kleine Veränderungen, sondern um die Veränderung des Geschäftsmodells, die das ganze Unternehmen betrifft. Wir von Berndtson Interim bieten in diesem Fall Managementressourcen, die sich ausschließlich auf den Wandel und die dafür zu ergreifenden Maßnahmen konzentrieren. Mit Fach- und Methodenkompetenz bringen wir den Wandel in die Umsetzung. Dabei hinterfragen wir durchaus vorhandene Strukturen und Themen, begleiten in dem dafür notwendigen Prozess Mitarbeiter, Führungskräfte und die Unternehmerfamilie.

Ein solch tiefgreifender Wandel geschieht nicht oft, vielleicht nur einmal im Leben eines Unternehmers. Gute Interim-Manager zeichnen sich durch ihre Erfahrung aus. Sie haben die anstehende Aufgabe schon mehrmals gemeistert und sind dadurch in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen und wertvolle Anstöße zu geben. Und im Gegensatz zu Beratern übernehmen Interim-Manager Umsetzungsverantwortung. Darüber hinaus sind große Veränderungen meistens unangenehm. Mit einem Interim-Manager vermeiden es Unternehmen, dafür die eigenen Mitarbeiter und Ressourcen zu verbrennen. Sie wissen damit umzugehen und wirken als Externe neutral. Die Berater sind so in der Lage, Probleme anders anzusprechen als Festangestellte.

In welchen Bereichen kommen Interim-Manager häufig zum Einsatz?

Während man früher Interim-Manager ausschließlich für Vakanz-Überbrückungen und Restrukturierungen holte, kommen sie heute in der gesamten Wertschöpfungskette zum Einsatz, von der Entwicklung über die Produktion bis zum Vertrieb und in allen funktionalen Bereichen. Interim-Management ist ein wesentlicher Puzzlestein im Personalmanagement, mit dem Unternehmen schnell und passend auf Markterfordernisse reagieren können. Durch unsere Zusammenarbeit mit Odgers Berndtson ergibt sich hier ein weiteres Plus: Durch die vereinte Sachkenntnis und Erfahrung sowie das große Netzwerk können wir eine ganzheitliche Begleitung anbieten, von der Analyse und Beratung über Umsetzung und Interim-Management bis hin zur Executive Search. Die Einarbeitungszeit für immer wieder neue Dienstleister entfällt. Das steigert die Effizienz.

Mit welchen Schwierigkeiten und Hürden haben Interim-Manager speziell bei Familienunternehmen zu kämpfen?

Veränderung in Familienunternehmen kann nur mit der Familie gelingen. Das kann besonders schwierig werden, wenn das Unternehmen von zwei Generationen mit unterschiedlichen Vorstellungen geführt wird. Deshalb nehmen wir uns ausreichend Zeit, um den Handlungsrahmen des Mandats zu verstehen, also Aufgabenstellung, Umfeld und Ziel. Nur so lässt sich Klarheit über die erwünschten fachlichen und persönlichen Kompetenzen des Managers und über die tatsächlichen Erwartungen der Unternehmerfamilie in Bezug auf die Aufgabe schaffen. Ich bin überzeugt, dass Interim-Manager in Familienunternehmen nur dann Maßnahmen effektiv umsetzen und die Nachhaltigkeit des Erfolgs sichern können, wenn sie in ihren Entscheidungen die Perspektive des Gesellschafters an erste Stelle setzen.

Interim-Manager in Familienunternehmen brauchen zudem ähnlich wie externe Manager Geduld, Empathie und viel Fingerspitzengefühl. Je größer die Veränderungen im Unternehmen, die von ihnen erwartet werden, desto klarer müssen die Aufgaben und gegenseitigen Erwartungen auf den Tisch. Denn letztlich möchte der Unternehmer kein verändertes Unternehmen, sondern ein Problem gelöst haben. Manager, die hier die große Veränderungskeule schwingen, werden das Unternehmen bald wieder verlassen müssen.

Welche Gedanken sollte sich ein Familienunternehmer/eine Unternehmerfamilie im Vorfeld machen, wenn er oder sie mit dem Einsetzen eines Interim-Managers liebäugelt?

Bevor man sich einen Interim-Manager ins Unternehmen holt, sollte klar sein, wofür er steht: Er greift ins operative Tagesgeschäft ein und übernimmt Durchführungsverantwortung. Er löst das Problem des Kunden. Weiter sollte sich der Unternehmer bewusst sein, dass nicht nur der Einsatz eines Interim-Managers Geld kostet, sondern auch die Lösungsvorschläge meistens Investitionen nach sich ziehen. Gibt es zum Beispiel ein Output-Problem in der Produktion, werden aus der Analyse Handlungsfelder und Maßnahmen abgeleitet. Meistens gibt es nicht den einen Grund für die schlechte Performance, sondern viele Ursachen, die adressiert und gelöst werden müssen. Dies kann mit Investitionen verbunden sein.

Derjenige, der die Umsetzung eines Projekts übernehmen soll, braucht Zugriff auf Menschen, Daten und Ressourcen. Auch die Unternehmens- und Veränderungskultur spielen bei der Umsetzung eine Rolle. Entscheidend ist jedoch, dass die Geschäftsführung von dem Projekt überzeugt ist. Ist sie das nicht, kommt es zum Konflikt.

Wie gelingt eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Familienunternehmen und Interim-Manager?

Die wohl wichtigste Voraussetzung für den Erfolg einer Zusammenarbeit ist die Managementerfahrung aus anderen Unternehmen, die ein Interim-Manager mitbringen muss. Wir würden ja auch nicht in ein Linienflugzeug steigen, dessen Pilot bisher nur im Flugsimulator geflogen ist. Darüber hinaus sollten Interim-Manager und Unternehmen ein übereinstimmendes Wertesystem haben, sprich, die Chemie zwischen Unternehmer und Manager muss stimmen. Wenn das Projektziel und der Weg festgelegt sind, der Umfang und erwünschte Output eines Umsetzungsprojekts in einem Pflichtenheft festgehalten wird, ist man einen großen Schritt in Richtung Erfolg unterwegs. Zudem müssen die Handlungsempfehlungen des Interim-Managers mit dem Weltbild des Unternehmens kompatibel, muss der Projektfortschritt messbar sein. Und wie es bei solchen umwälzenden Projekten immer ist, muss das Ganze von der Unternehmensführung mit Nachdruck vorangetrieben werden. Last but not least sollte sich die Führung darüber im Klaren sein, dass der Interim-Manager lange genug an Bord sein muss, um zukunftsfähige Lösungen des Projekts fest im Unternehmen zu verankern.

Können Sie ein Erfolgsbeispiel aus der Praxis nennen?

Ja, beispielsweise wollte ein Industrieunternehmen seinen Kunden mehr digitale Services über eine Plattform anbieten. Im Vorfeld wurden die Operational Excellence verbessert, Produkte und Ertragsströme gesichert und neue generiert. Mit Berndtson Interim holte man dafür externe Kräfte an Bord, weil das Unternehmen selbst nicht die nötigen Ressourcen hatte. Interim-Manager begleiteten auch den Change-Prozess insgesamt. Der Unternehmer konnte dank des Know-hows der Manager die Strategie schnell umsetzen.

www.berndtsoninterim.de

„Im Gegensatz zu Beratern übernehmen Interim-Manager Umsetzungsverantwortung.“