Planen & Führen

Eine Frage des Blickwinkels
Bewertung von Familienunternehmen

Dr. Julian Bauer

Die Bewertung von Unternehmen, so auch von Firmen in Familienhand, schafft in vielen Situationen Klarheit. Die korrekte Bewertung erfordert jedoch abhängig von der Gesamtsituation unterschiedliche Bewertungsvorgehen.

Wer ein Unternehmen gegründet und es erfolgreich am Markt positioniert hat, wird eine persönliche Vorstellung vom Wert oder der Wertspanne des Unternehmens haben. Letztlich ist es aber vor allem auch der Bewertungsanlass, der die Wertermittlung prägt. Es liegt in der Natur der Sache, dass beispielsweise ein möglicher Käufer eine andere Wertvorstellung als ein Verkäufer haben mag. Somit ist offensichtlich, dass es verschiedene Arten von Unternehmenswerten und in der Folge auch unterschiedliche Methoden zur Ermittlung dieser Werte geben muss.

Vielzahl möglicher Anwendungsfälle

Alleine aus steuerlicher Sicht gibt es eine Vielzahl von Fällen, in denen ein belastbarer Unternehmenswert ermittelt werden muss. Dies trifft beispielsweise in Fällen von Anteilsübertragungen auf die nächste Generation, Schenkungen, in Erbfällen sowie im Zusammenhang mit Umstrukturierungen zu. Grundsätzlich ist steuerlich bei einer Unternehmensbewertung auf den gemeinen Wert abzustellen. Hierunter wird in erster Instanz der fremdübliche Verkaufspreis verstanden. Dieser soll aus kürzlich erfolgten Transaktionen zwischen fremden Dritten abgeleitet werden. Da ein solcher Fremdverkaufspreis bei Familienunternehmen in der Regel nicht vorliegt, scheidet dieses Verfahren oftmals aus. Der gemeine Wert muss also berechnet werden.

Häufig verlangt die Finanzverwaltung das vereinfachte Ertragswertverfahren, das für die Bewertung nicht an der Börse gehandelter Anteile an Unternehmen verwendet werden kann. Der vereinfachte Ertragswert zielt auf eine typisierende Wertermittlung ab, die dem Bewerter wenig Ermessensspielraum für seine eigene fachliche Einschätzung gibt. Zwei Komponenten sind entscheidend:

Erstens die Ermittlung des künftig nachhaltig erzielbaren Jahresertrags. Relevant für die Ermittlung ist hierbei insbesondere der in den vergangenen Jahren durchschnittlich erzielte Ertrag, sofern nicht absehbar ist, dass der künftige Ertrag aufgrund objektiver Begebenheiten hiervon abweichen wird. Der durchschnittliche Ertrag wird zudem durch Hinzurechnungen und Kürzungen modifiziert, um den unter gewöhnlichen Umständen erwirtschafteten Ertrag zu ermitteln. So werden zum Beispiel einmalige Veräußerungsgewinne in Abzug gebracht und Sonderabschreibungen hinzugerechnet. Auch ein bislang noch nicht in Abzug gebrachter angemessener Unternehmerlohn ist zu berücksichtigen. Exemplarisch ist dies notwendig, wenn sich der Gesellschafter-Geschäftsführer unterjährig nur ein Minimum an Gehalt auszahlt, ein fremder Geschäftsführer jedoch mehr beziehen würde, oder vice versa. Analog sind von Familienangehörigen vergütungsfrei geleistete Tätigkeiten mit fiktiven Lohnabzügen anzusetzen.

Zweitens ist der nachhaltig erzielbare Ertrag zu kapitalisieren. Somit wird dieser Ertrag mit einem gesetzlich vorgegebenen Faktor multipliziert. Das heißt, es erfolgt keine individuelle Risikoeinschätzung des Unternehmens. Implizit wird damit aus Vereinfachungsgründen unterstellt, dass alle Unternehmen gleich riskant sind. Da dies in der Realität eben nicht so ist, stößt das vereinfachte Ertragswertverfahren regelmäßig an seine Grenzen, sodass auf andere Verfahren zurückgegriffen werden muss. Dies ist beispielsweise in Fällen von komplexen Unternehmensstrukturen der Fall oder auch dann, wenn der vereinfachte Ertragswert zu Über-Bewertungen und damit zu überhöhten Steuerzahlungen führt. In diesem Fall hat der Steuerpflichtige die Möglichkeit, anhand eines geeigneteren Verfahrens den niedrigeren Wert nachzuweisen.

Alternative Verfahren

In diesem Zusammenhang häufig anzutreffen sind Bewertungen, die nach Maßgaben des Standards 1 des Instituts der Wirtschafsprüfer in Deutschland e.V. erfolgen. Diese sogenannten „IDW S1“-Bewertungen werden regelmäßig mithilfe des Discounted-Cash-Flow-Verfahrens durchgeführt, wodurch der Zukunftserfolgswert des Unternehmens bestimmt wird. Dieser ermittelt sich durch Diskontierung der künftigen Cashflows, die wiederum eine Einschätzung des Risikos (Kapitalkosten) sowie eine Planungsrechnung, in der die wertreibende Rolle des aktuellen Eigentümers berücksichtigt werden muss, erforderlich machen. Wesentlicher Unterschied zwischen den Verfahren ist der Betrachtungswinkel: Das vereinfachte Ertragswertverfahren ist vergangenheits- und das Discounted-Cash-Flow-Verfahren zukunftsorientiert. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen können zu voneinander abweichenden Bewertungsergebnissen führen. Regelmäßige Untergrenze bei diesen Wertermittlungen ist der Substanzwert.

Rückschlüsse vom Markt auf die Firma

Rückschlüsse auf den Wert eines Unternehmens lassen sich auch anhand von Marktdaten ableiten. Dies geschieht mithilfe sogenannter Multiples. Ein Multiple spiegelt das Verhältnis zwischen der Marktkapitalisierung und einer betriebswirtschaftlichen Kennzahl, zum Beispiel EBIT, eines Unternehmens wider. Die Bewertung anhand von Multiples erfolgt, indem die Multiples für möglichst vergleichbare Unternehmen ermittelt und auf das zu bewertende Unternehmen angewendet werden. Die Verlässlichkeit einer Bewertung anhand von Multiples ist somit unlöslich mit der Qualität der Vergleichsunternehmen verknüpft, sodass deren Auswahl mit besonderer Sorgfalt getroffen werden muss.

Detailexpertise ist gefragt

Es lässt sich festhalten, dass eine für den jeweiligen Anlass passende Bewertung von (Familien-)Unternehmen vielerlei Kenntnisse und Erfahrungen erforderlich macht und in jedem Fall durch Personen mit entsprechender Expertise begleitet werden sollte. Vor allem die in Bewertungen verwendeten Parameter und deren Bestimmung machen Bewertungs-Know-how unerlässlich, da – vor allem vor dem Hintergrund des anhaltenden Niedrigzinsniveaus – hier bereits kleine Abweichungen zu deutlichen Wertunterschieden und unter Umständen auch zu einer erheblichen steuerlichen Mehrbelastung führen können.

Kurz vorgestellt

Als eine der großen unabhängigen mittelständischen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Baden-Württemberg betreut BW Partner seine Mandanten rund um die Themen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung. Mit elf Partnern und rund 300 Mitarbeitern innerhalb des Netzwerks, davon über 80 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte, ist eine umfassende fachliche Betreuung gewährleistet. Bei BW Partner heißt Beratung, neue Denkansätze zu entwickeln, Möglichkeiten zu erkennen und konsequent umzusetzen – und dabei konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Mit diesem Selbstverständnis beraten die Experten Gesellschaften und die dahinterstehenden Eigentümerfamilien mit hohem Verantwortungsbewusstsein, aber auch mit einer gehörigen Portion Intuition, um bestehende Möglichkeiten zu nutzen. „Da wir überwiegend Familienunternehmen betreuen, ist für die umfassende Beratung der persönliche Kontakt zu unseren Mandanten für uns sehr wichtig“, sagt Dr. Julian Bauer, Partner bei der Gesellschaft. So haben die Mandanten nicht nur Zugang zu den Experten der jeweiligen Disziplin, sondern immer auch einen Partner als direkten Ansprechpartner an ihrer Seite.

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