Blickpunkt
Die News Juli/August 2021

Employer Branding mit Trend-Apps

Unterwegs auf Tiktok, Clubhouse und Co.

Soziale Netzwerke sind inzwischen fester Bestandteil unseres Alltags und Unternehmen können hier mit gezielten Marketingstrategien mit ihrer Zielgruppe in Kontakt treten. Aber nicht alle Plattformen eignen sich für jede Firma und es gilt einige Dinge zu beachten, um sich als Marke erfolgreich zu positionieren.

Frank Sterzinsky
Lesezeit: ca. 5 Minuten
svitlini / shutterstock.com

Jüngere Generationen wie die Millenials oder die Generation Z sind mit dem Internet aufgewachsen und verwenden soziale Medien für die Kommunikation, um Kaufentscheidungen zu treffen und sich über Unternehmen und Marken zu informieren. Dass Facebook und Co. für das Corporate und Employer Branding von Unternehmen eine zentrale Rolle spielen, macht der „Digital 2021“-Report deutlich: 45 Prozent der 16- bis 64-jährigen Nutzerinnen und Nutzer nutzen Social Media für Markeninformationen, 40 Prozent für den Beruf. Die Unternehmen haben hinsichtlich der Auswahl der richtigen Plattformen die Qual der Wahl, kommen doch immer wieder neue Apps und Netzwerke hinzu, die viele Nutzer anlocken und einen regelrechten Hype auslösen.

Zielgruppe bestimmen

Neben Facebook bieten die Karrierenetzwerke Xing und Linkedin, die Bildnetzwerke Pinterest und Instagram, die Videoportale Youtube und Tiktok, der Instant-Messenger Snapchat oder das Audio-only-Format Clubhouse Potenziale für Unternehmen, um die eigene Marke zu stärken und sich als potenzieller Arbeitgeber zu präsentieren. Entscheidend ist die Zielgruppe, da auf den jeweiligen Plattformen bestimmte Gruppen unterschiedlich stark vertreten sind. Eine der wichtigsten Plattformen ist mit mehr als 2,3 Milliarden aktiven Nutzern nach wie vor Facebook. Das Durchschnittsalter der User liegt bei 33 Jahren. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen nutzen laut einer ARD-ZDF-Onlinestudie inzwischen 65 Prozent der User Instagram. 16- bis 24-jährige Anwender tummeln sich vornehmlich auf Tiktok und Snapchat. Die Nutzerinnen und Nutzer auf Pinterest wiederum sind zu 70 Prozent weiblich und zwischen 18 und 44 Jahre alt. Auf dem Weg in die sozialen Netzwerke ist demzufolge eine Zielgruppenanalyse unerlässlich: Unternehmen präsentieren sich am besten dort, wo auch ihre Kunden unterwegs ist.

Nachwuchsfachkräfte rekrutieren

In Hinblick auf das Corporate und Employer Branding gibt es heutzutage praktisch keine Beschränkungen mehr auf einzelne Netzwerke. Um Nachwuchsfachkräfte zu rekrutieren, sind Unternehmen nicht allein auf die Karriereportale Xing und Linkedin verwiesen. Auch in anderen sozialen Medien können sie sich mit kreativen und informativen Inhalten als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Nahezu alle Social-Media-Kanäle bieten beispielsweise inzwischen die Option, direkt auf die Unternehmensseite zu verlinken und aktuelle Stellenanzeigen zu veröffentlichen. Per One-Klick werden die Interessenten direkt zu einem Bewerbungstool weitergeleitet. Auf Facebook oder Instagram können Unternehmen mit Beiträgen einen authentischen Blick hinter die Kulissen und in den Arbeitsalltag gewähren. Auf Bildnetzwerken wie Pinterest oder Instagram bieten sich hierfür ausdrucksstarke Fotos, Infografiken oder Checklisten an. Da im Zuge des demografischen Wandels viele Unternehmen vor die Herausforderung gestellt sind, auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte zu finden, können sie schon jetzt potenzielle Interessenten unter den Schülern und Schulabsolventen ansprechen, indem sie Präsenz in vergleichsweise jungen sozialen Netzwerken, wie Snapchat oder Tiktok zeigen.

Brand Awareness steigern

In den sozialen Netzwerken können Unternehmen mit Expertenwissen, Branchennews, Antworten auf häufige Fragen, Insiderinfos und Tipps den Nutzern einen Mehrwert liefern und zugleich ihre Brand Awareness steigern. Neben Facebook und Instagram, auf denen Unternehmen ebenfalls Commitment zu verschiedenen Trendthemen bekunden und ihre Marke positionieren können, bietet auch Pinterest jede Menge kreativen Spielraum für das Corporate Branding. Das Bildnetzwerk funktioniert wie eine Suchmaschine, in der Nutzer sowohl Inspiration zu Projekten als auch Produkte suchen und shoppen können. Unternehmen können Kampagnen und Werbepins erstellen und, da die Pins sehr langlebig sind, auch nach Monaten Nutzer auf ihre Webseite locken. Eine Präsenz auf dem Videoportal Youtube ist hingegen abzuwägen und eignet sich insbesondere für Unternehmen, die etwa regelmäßig neue Produkte auf den Markt bringen und nicht nur neue Kunden generieren, sondern auch langfristig binden möchten. In einem eigenen Youtube-Kanal können sie beispielsweise Videos zu neuen Produkten, Anwendungsbeispiele oder Anleitungen veröffentlichen. Snapchat bietet wiederum den Vorteil, dass durch das Fehlen eines Newsfeeds User nicht von anderem Content abgelenkt werden und ihre volle Aufmerksamkeit den zeitlich limitierten Snaps und Snapchat-Storys widmen. Auf Tiktok können Unternehmen eine Hashtag-Challenge starten, um ihre Zielgruppe zum Teilen von Videos zu animieren. Eines der bekanntesten Beispiele ist die vom Versandhandel Otto veröffentlichte Challenge #MachDichZumOtto.

Nur ein Hype? Clubhouse setzt neue Trends

Die Präsenz auf derartigen Plattformen kann sich durchaus lohnen, da die sozialen Netzwerke regelmäßig Neuerungen einführen, zum Beispiel werberelevante Features, um ihre Attraktivität für Unternehmen zu steigern. Während Snapchat bereits recht frühzeitig mit dem Snap Publisher ein leicht zu bedienendes Werkzeug für Unternehmen bereitgestellt hat, um kreative Ads zu gestalten, launcht Tiktok aktuell einen Video-Editor. So können Unternehmen im Handumdrehen Videos im Stil der User gestalten und sich ihnen möglichst authentisch präsentieren. Auch das Audio-only-Format Clubhouse rollt schrittweise eine Monetarisierungsfunktion aus, die zusätzlich Anreize schaffen soll, um Content zu veröffentlichen. Bis jetzt kann Clubhouse, das Live-Diskussionen in Form von Podcasts bietet, allerdings noch nicht für Werbung genutzt werden. Zudem funktioniert die App aktuell nur auf iPhones und es bedarf einer exklusiven Einladung, um den Dienst nutzen zu können. Dennoch könnte Clubhouse künftig für Unternehmen von Interesse sein, um sich als Marke zu positionieren oder Commitment zu konkreten Themen auszudrücken. Ähnliche Potenziale dürfte der Clubhouse-Klon bieten, den Spotify mit der Übernahme von Betty Labs plant. Die App ermöglicht aktuell Live-Audio-Diskussionen über Sport. Spotify strebt an, die Talks im Gegensatz zu Clubhouse langfristig zur Verfügung zu stellen.

Auf Tonalität achten

Unabhängig davon, welche Plattformen Unternehmen als Marketinginstrument wählen, gilt es einige Dinge zu beachten. Zu berücksichtigen ist etwa, dass sich die Tonalität von Netzwerk zu Netzwerk unterscheidet. Während es auf Xing oder Linkedin professionell zugeht, darf es auf Snapchat oder Tiktok ruhig etwas greller, kreativer und ausdrucksstärker sein. Auch die Darstellung der Beiträge variiert sehr stark: von ausdrucksstarken Fotos auf Instagram über Video-Tutorials auf Youtube bis hin zu unterhaltsamen Clips auf Snapchat. Der Content bietet einen Mehrwert, ob unterhaltsam oder informativ, lädt zum Klicken, Liken, Teilen oder Kommentieren ein und ist so zu gestalten, dass er der jeweiligen Plattform und Nutzergruppe entspricht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass soziale Netzwerke in Bezug auf das Unternehmensmarketing jede Menge kreativen Spielraum für aufmerksamkeitsstarke Aktionen bieten. Die Wahl der passenden Plattform hängt dabei wesentlich von der eigenen Zielgruppe und der Unternehmens-DNA ab. Wichtig ist, dass sich Unternehmen auf Social Media authentisch und transparent präsentieren – User merken schnell, wenn jemand nicht mit Leidenschaft bei der Sache ist. Um die Kanäle regelmäßig und gezielt mit Content befüllen zu können, ist eine ausgefeilte Social-Media-Strategie unentbehrlich.

www.loewenstark.com

„Die Unternehmen haben hinsichtlich der Auswahl der richtigen Plattformen die Qual der Wahl.“

„User merken schnell, wenn jemand nicht mit Leidenschaft bei der Sache ist.“

Mach es

Lass es

auf einige wenige zielgruppenrelevante Netzwerke beschränken

unpersönliche Werbung schalten

regelmäßig relevanten und zur Plattform passenden Content publizieren

Content ohne Mehrwert veröffentlichen

Authentizität und Transparenz vermitteln

die auf den jeweiligen Plattformen herrschende Tonalität missachten

Social-Media-Strategie entwickeln

auf allen Netzwerken dieselben Inhalte präsentieren

einheitliche Präsentation auf allen Netzwerken (Corporate Design)

die Plattform nicht regelmäßig bedienen