Blickpunkt

„Es braucht Empathie“
Ex-Pressechef des FC Bayern München im Interview

Hendrik Fuchs

Er war sie gewöhnt, die tägliche Medienpräsenz und die permanente Jagd der Journalisten nach Schlagzeilen: Markus Hörwick, 35 Jahre Kommunikationschef des FC Bayern München. Ein Kurz-Interview.

Heute arbeitet Markus Hörwick als selbstständiger Medien- und Kommunikationsberater, steht Persönlichkeiten und Unternehmen zur Verfügung.

Als langjähriger Pressechef des deutschen Fußball-Rekordmeisters haben Sie viel erlebt. Welches sehr positive, welches besonders negative Erlebnis mit Journalisten werden sie nie vergessen?

Als Pressechef eines Fußballklubs ist deine Position immer die „zwischen den Stühlen“. Dem einen gibst du nicht das, was er sich erträumt, dem anderen ist es immer noch viel zu viel (schmunzelt). Deshalb war es immer schön, wenn man eine Nachricht bis zum Stichtag zurückhalten, bei Vollzug aber dann den Medien ihre „Sensation“ zuschieben konnte, mit der sie Quote und Auflage machen konnten. Negativ war’s, wenn genauso nicht gelaufen ist…

Welche Schlüsse haben Sie daraus für sich gezogen?

Man kann es nie jedem recht machen. Aber mit Verständnis füreinander, Empathie und einem Miteinander, bei dem es stets menschelt, lässt sich fast alles verstehen und schaffen.

Woran scheitern viele mittelständische Unternehmen, wenn es darum geht, eine nachhaltige Beziehung zu Journalisten aufzubauen?

Ich glaube, gerade das, was ich eben gesagt habe, verstehen und können zu wenige: Ein Verhältnis auch zu den Medien aufzubauen, das von Respekt, Verständnis füreinander und Ehrlichkeit geprägt ist. Ich habe immer gesagt: „Je besser ich den Job des anderen verstehe, desto besser mache ich meinen eigenen Job. Und das gilt für beide Seiten.“

Welche Tipps haben Sie für Unternehmen, damit diese in einer immer komplexer werdenden Medienlandschaft sicher agieren können beziehungsweise bei kritischen Fragen weitgehend die Kontrolle behalten?

Diese Frage lässt sich leider nicht in zwei, drei Sätzen beantworten. Das muss Teil einer grundsätzlichen Kommunikationsstrategie sein. Vielleicht nur dazu: Henry Ford hat einmal gesagt „Wenn Sie einen Dollar in Ihr Unternehmen stecken wollen, dann müssen Sie einen weiteren bereithalten, um das bekannt zu machen.“ Wir beim FC Bayern haben eine Strategie für uns entwickelt und sind damit gut gefahren, auch – oder gerade – wenn wir tagtäglich total im Blickpunkt der Öffentlichkeit und des Boulevards waren. Der FC Bayern ist damit zu einem Medienereignis geworden. Und wir haben es alle überlebt… (lacht)

www.hoerwick.com

„Man kann es nie jedem recht machen.“