Planen & Führen

Exklusiver Austausch und Wissenstransfer
Studiengang für Next Gens aus Unternehmerfamilien

Die nachrückende Generation in Unternehmerfamilien steht vor der riesigen Herausforderung, ihre Rolle nicht nur innerhalb des Familiengefüges, sondern auch in Bezug zum Familienunternehmen auszufüllen. Der berufsbegleitende Studiengang „Executive Master for Family Entrepreneurship | eMA FESH“ am Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen (FIF) setzt genau hier an. Ein Interview mit FIF-Direktor Prof. Reinhard Prügl und Natalie Rauschendorfer.

Für wen ist der berufsbegleitende Masterstudiengang „eMA FESH“ konzipiert?

Natalie Rauschendorfer: Das berufsbegleitende Masterprogramm „Executive Master for Family Entrepreneurship“ richtet sich an Nachfolgerinnen und Nachfolger aus Unternehmerfamilien, Gesellschafterinnen und Gesellschafter sowie angehende und tätige Führungskräfte, die ihre Kenntnisse rund um die Besonderheiten von Familienunternehmen vertiefen möchten.

Prof. Reinhard Prügl: Es geht also um die nächste Generation an Führungskräften in verschiedenen Rollen im Familienunternehmen, die zu diesem Zeitpunkt im Unternehmen tätig sind oder dieses planen. Das kann die operative Nachfolge oder eine Rolle als Gesellschafterin oder Gesellschafter sein. Wir sprechen natürlich auch Fremdgeschäftsführer in Familienunternehmen an. In jedem Jahrgang finden sich zehn bis 15 Prozent familienfremde Führungskräfte, die aber eng mit einer Unternehmerfamilie verbunden sind.

Autor Prof. Dr. Reinhard Prügl ist seit 2010 wissenschaftlicher Leiter des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen (FIF) an der Zeppelin Universität.FiF
Autor Prof. Dr. Reinhard Prügl ist seit 2010 wissenschaftlicher Leiter des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen (FIF) an der Zeppelin Universität.
Natalie Rauschendorfer ist selbst Next Gen und stammt aus einer Unternehmerfamilie. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und anschließender Promotion im Bereich Familienunternehmen war sie an der Gründung von Haus Next, der Plattform von Next Gens für Next Gens beteiligt, wo sie heute geschäftsführende Gesellschafterin ist.Haus Next
Natalie Rauschendorfer ist selbst Next Gen und stammt aus einer Unternehmerfamilie. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und anschließender Promotion im Bereich Familienunternehmen war sie an der Gründung von Haus Next, der Plattform von Next Gens für Next Gens beteiligt, wo sie heute geschäftsführende Gesellschafterin ist.

Welche Voraussetzungen müssen die Bewerber erfüllen, um angenommen zu werden?

Natalie Rauschendorfer: Die Bewerber müssen bereits ein Studium an einer Hochschule oder Fachhochschule, egal welcher Fachrichtung, abgeschlossen haben sowie ein gewisses Maß an Berufserfahrung vorweisen können. Besonders wichtig ist uns der Bezug der Bewerber zu einer Unternehmerfamilie oder einem Familienunternehmen, dass sie dort arbeiten oder dort in absehbarer Zeit einsteigen möchten. Der Grund: Während des Studiums findet ein sehr offener und vertrauensvoller Austausch auch über sehr sensible Themen statt. Dieser wäre nicht so möglich, wenn eine Kommilitonin oder ein Kommilitone, die/der nicht aus einer Unternehmerfamilie stammt beziehungsweise nicht mit einem Familienunternehmen eng verbunden ist, am Studiengang teilnehmen würde.

Aus welcher Erfahrung heraus wurde der Studiengang entwickelt?

Prof. Reinhard Prügl: Den Studiengang gibt es bereits seit 2010. Wir hatten immer wieder festgestellt, dass viel über die Übergabe eines Unternehmens, aber kaum über die Übernahme diskutiert wurde. Das heißt, es gab einiges an Literatur für die Seniorgeneration, aber viel zu wenig zur Perspektive der nachrückenden Generation. Daraufhin haben wir uns in Deutschland, aber auch international umgeschaut, welche berufsbegleitenden Programme für Next Gens angeboten werden – mit dem Ergebnis, dass wir europaweit nicht fündig wurden. Das war der Auslöser für den Aufbau eines entsprechenden Studiengangs. Egal, in welche Rolle man innerhalb des Familienunternehmens und der Unternehmerfamilie hineinfinden muss – mit der Familiendynamik gepaart ist es immer eine sehr komplexe Herausforderung, die es zu meistern gilt. Man darf zudem nicht vergessen, dass man als Next Gen doch irgendwie doch alleine ist, es Themen gibt, die man weder im Unternehmen noch innerhalb der Familie besprechen kann. Daher ist es so wertvoll, andere Menschen in einer ähnlichen Situation zu treffen und mit diesen in einen Dialog zu kommen. Diesen Austausch in einem vertrauensvollen Rahmen gibt es während und häufig auch noch nach dem Studium.

Wie sind Sie bei der Entwicklung des Konzepts vorgegangen?

Prof. Reinhard Prügl: Wir haben im Vorfeld mit Experten aus Wissenschaft und Praxis sehr viele Gespräche geführt – etwa mit langjährigen Beraterinnen und Beratern von Familienunternehmen, aber auch mit Kolleginnen und Kollegen aus der Forschung. Und es ergaben sich vor allem viele wichtige Impulse aus unseren Dialogen mit Vertreterinnen und Vertretern der nachfolgenden Generation. So konnten wir nicht nur passgenaue Inhalte definieren, sondern auch die Art und Weise bestimmen, wie jeder Studierende individuell unterstützt werden kann.

Was sind die Besonderheiten des Studiengangs?

Prof. Reinhard Prügl: Das ist einmal der permanente Bezug zum Thema Unternehmerfamilie und Familienunternehmen. Darüber hinaus gibt es zum Beispiel mitlaufend ein Jahr lang eine Projektarbeit, in der eine Lösung für eine konkrete Fragestellung aus der jeweiligen Unternehmerfamilie oder dem jeweiligen Familienunternehmen mit unserer Unterstützung entwickelt wird. Das sind häufig Themen, die im Alltagsgeschäft der Unternehmerfamilien bisher zu kurz kamen oder die sich mit etwas Abstand, aus einer anderen Perspektive heraus besser angehen lassen. Wenn hilfreich, wird hier auch externe Expertise hinzugezogen. Und natürlich tauscht man sich zu diesen Themen auch untereinander mit den Kommilitoninnen und Kommilitonen aus. Da lernen dann auch die anderen gleich mit, welche Themen im Kontext Unternehmerfamilie und Familienunternehmen auf sie zukommen können.

Natalie Rauschendorfer: Außerdem gehen wir im Rahmen des Studiums zwei Wochen auf eine sogenannte internationale Lern-Expedition. Ziel ist es, zu erfahren, wie Unternehmertum in anderen Ländern funktioniert, wie Unternehmerfamilien dort ticken und wie die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln sind. Dadurch lernt man auch viel über die eigenen Zusammenhänge zuhause in Deutschland. Einzigartig macht den Studiengang, dass er den Studierenden die Möglichkeit gibt, sich offen über ähnliche Themen und Herausforderungen auszutauschen. Da die Studierenden immer eine Woche am Stück vor Ort sind, findet dieser Austausch nicht nur in den Seminaren und Pausen, sondern auch an den Abenden statt. Und nicht zu vergessen, unsere eigenen Veranstaltungen, zu denen wir immer alle unsere Absolventen einladen. Sie sind für die Studierenden ein wichtiger Draht in die Praxis, profitieren vom Erfahrungsschatz ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger. Das ist inzwischen ein sehr tragfähiges und exklusives Netzwerk.

Welche Themen stehen im Fokus des Studiums?

Prof. Reinhard Prügl: Der Fokus liegt klar auf betriebswirtschaftlichen Themen, aber auch auf vielen Aspekte aus der Unternehmerfamilie. Das sind zum Beispiel Fragestellungen wie „Wie erarbeitet man eine Familienstrategie?“, „Worauf kommt es beim Generationswechsel an?“, „Welche rechtlichen Rahmenbedingungen muss ich hier als Unternehmerfamilie beachten?“, „Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Gesellschaftern und operativer Führung?“, „Welche Rolle kann ein Beirat im Familienunternehmen spielen?“ oder „Was muss ich in Sachen Wachstum beachten?“. Der Bezug zum Familienunternehmen muss immer vorhanden sein. Das gilt etwa auch für das Thema Investition. Da reicht es in Familienunternehmen eben nicht aus, eine Investitionsrechnung zu erstellen. Das Thema muss auch innerhalb der Familie mit Fingerspitzengefühl kommuniziert und entsprechend vorbereitet werden, damit das am Ende funktioniert. Bei Innovationsthemen muss man auch schauen, wie man diese mit der Tradition und Unternehmenskultur des Familienunternehmens in Einklang bringt – also Innovationssprünge hinbekommt, ohne die Identität des Unternehmens zu verlieren. Marketing und Markenführung, Controlling, Internationalisierung und Nachhaltigkeit gehören ebenfalls zum breit gefächerten Themenspektrum.

Natalie Rauschendorfer: Wir sind aber auch stetig bemüht, die Inhalte an die Bedürfnisse der Studierenden anzupassen. Hin und wieder kommen sie mit ganz neuen Fragestellungen auf uns zu. Wir versuchen dann, zum Beispiel einen Vortragsabend mit einem externen Experten auf diesem Gebiet oder ein anderes Format zu organisieren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Inhalte mit jedem Studiengang ein wenig verändern.

Wie ist der Studiengang aufgebaut?

Natalie Rauschendorfer: Er ist in zwölf Module á eine Woche aufgebaut. Davon entfallen zwei Module auf die internationale Lern-Expedition. Hinzu kommt die Projektarbeit. In jedem Modul wird ein anderes Thema behandelt, immer mit einem Bezug zu Familienunternehmen. Alle drei Wochen sind die Studierenden eine Woche vor Ort in Friedrichshafen. Den Abschluss bildet eine Masterarbeit.

Prof. Reinhard Prügl: Das jeweilige Modul startet montags und endet am Freitag. Wir haben ganz bewusst das Wochenende ausgeklammert. Unsere Studierenden sind in der Regel in einer Phase bei uns, in der sie oftmals gerade eine Familie gründen und in der im Unternehmen gerade viel los ist. Da ist es dann von Vorteil, wenn zumindest das Wochenende nicht blockiert ist. Darüber hinaus haben wir zwischendurch innerhalb der Modulwochen auch entsprechende Zeitfenster, um die wichtigsten Telefonate und E-Mails erledigen zu können. Jedenfalls zeigt die Erfahrung, dass die Studierenden es sehr schätzen, eine gesamte Woche intensiv ein Thema zu durchdringen und die Learnings danach gleich direkt ins Unternehmen und in die Familie mitzunehmen.

Auf einen Blick

Das berufsbegleitende Master-Programm in Family Entrepreneurship bereitet die nächste Generation von Familienunternehmerinnen und Familienunternehmern auf ihre verantwortungsvollen Tätigkeiten und Führungsfunktionen vor, um das Familienunternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Abschluss: Master in Family Entrepreneurship (M.A.), akkreditiert

Studienstart: Oktober 2022

Regelstudienzeit: 21 Monate (berufsbegleitend), ECTS-Punkte: 90 Credit Points (zusätzlich sind 30 Credit Points durch Berufserfahrung anrechenbar)

Studiengebühren insgesamt: 28.900 Euro

Umfang: Zwölf Wochenmodule à 5 Tage plus vor- und nachbereitendes Selbststudium mit ca. vierwöchige Pausen zwischen den Modulen und eine 14-tägigige internationale Lernexpedition

Studienort: Zehn Module in Friedrichshafen und zwei Module im Rahmen der internationalen Lernexpedition

Zulassungsbestimmungen: Mindestens dreijähriges Studium an einer Universität, einer gleichgestellten Hochschule oder Fachhochschule, relevante Berufserfahrung von mindestens zwölf Monaten, bestehende oder geplante Beschäftigung in einem Familienunternehmen, nachgewiesene englische Sprachkenntnisse (ZU-Test), erfolgreiche Teilnahme am ZU-Auswahlverfahren

Bewerbungsfrist: August 2022 (wir empfehlen eine möglichst frühzeitige Bewerbung)

Interessiert?

www.zu.de/fesh.

Das sagen Absolventinnen und Absolventen

Der Studiengang ermöglicht sich in einem geschützten Umfeld mit den Herausforderungen eines Familienunternehmens und dessen Nachfolge zu beschäftigen. Die Studenten kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, Regionen und Altersgruppen. Sowohl kleine als auch große Unternehmen sind vertreten, doch der gemeinsame Nenner bleibt immer derselbe: Das Familienunternehmen. Das durch den eMA FESH geschaffene Umfeld bietet somit die Möglichkeit des Austauschs unter Menschen, die in der Form im Alltag nur schwerlich zueinander gefunden hätten, obwohl sie so viel verbindet und bietet damit eine einzigartige Möglichkeit für Nachfolgerinnen und Nachfolger von Familienunternehmen und diese selbst.

Privat

Thomas Allaut

Der größte Mehrwert des eMA FESH ist der vertrauensvolle Austausch unter Nachfolgern und Familienunternehmern im Allgemeinen. Am Ende des Tages beschäftigen uns alle dieselben Themen. Der Studiengang und die Mitstudierenden können Antworten auf Fragen geben, die ein Auslandssemester oder ein Praktikum nur schwer bieten kann.

Privat

Andreas Reisert

Der Austausch mit Gleichgesinnten, also potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern in Familienunternehmen war sehr wertvoll. Daraus ist nicht nur ein spannendes berufliches Netzwerk entstanden, vielmehr haben sich Freundschaften fürs Leben entwickelt. Selten habe ich ein so inspirierendes Umfeld erlebt, wie an der Zeppelin Uni. Ich bin bis heute dankbar für die wertvollen Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte.

Peter May Family Business Consulting

Martina Reischmann

Beim eMA FESH hat man das Gefühl, dass man mit seinen Themen nie alleine ist. Alle sind in der gleichen Situation, man lernt gemeinsam, wie man sich auf die herausfordernden Aufgaben der Nachfolge bestmöglich vorbereitet. Während des Studiums hat sich mein Wunsch, die Nachfolge anzutreten, verstärkt. Mir wurde nochmal deutlicher bewusst, was alles mit der Nachfolge verbunden ist. Ich habe mich sehr gut vorbereiten können und mich persönlich weiterentwickelt.

Maximilian Offermann

Mein Erststudium hat mir eine fachliche Tiefe mitgegeben. Daneben fehlte mir aber eine betriebswirtschaftliche Grundausbildung, die das „eMA FESH“-Programm bietet. Der Aufbau in Wochenmodule macht es vereinbar mit beruflichen, familiären Verpflichtungen und ist berufsbegleitend gut machbar. Ausschlaggebend für mich war aber der klare Fokus auf die besonderen Anforderungen von Familienunternehmen. In der Gruppe mit Gleichgesinnten war schnell eine vertraute Ebene für offenen, wertvollen Austausch zu den wichtigsten Themen gefunden. Die inspirierende Lage am Bodensee habe ich in den Präsenzwochen auch genutzt, um mit Abstand zum eigenen Tagesgeschäft über die eigene Situation im Unternehmen nachzudenken und Weichen zu stellen. Die vertraute Gemeinschaft im Kurs hat sich auch nach Abschluss zu einem belastbaren Netzwerk entwickelt. Daraus hat sich schon die ein oder andere Geschäftsidee und auch -beziehung entwickelt.

Gentner Verlag

 

Robert Reisch

Der eMA FESH verbindet Wissenschaft und operatives Geschäft und bereitet die Studierenden optimal auf die Rolle als Nachfolgegeneration und/oder Führungskraft im Unternehmen vor. Durch die Praxisphasen zwischen den Studienblöcken können die theoretischen Grundlagen direkt angewandt und erprobt werden. Besonders ist auch, dass die Studierenden eng in alle Aktivitäten des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen eingebunden sind und von den dort vorhanden Forschungsschwerpunkten wie Innovation und Fremdmanagement profitieren können. Ich durfte Menschen kennenlernen, die viele Gemeinsamkeiten mit mir und meinem Familienunternehmen haben, obwohl sie aus anderen Branchen kommen. Aus den Ähnlichkeiten und Differenzen konnte ich viel Kraft und Inspiration schöpfen. Durch das Sammeln von neuen Erfahrungen habe ich mich in der Zeit persönlich sehr weiterentwickelt. Das hat wiederum dazu geführt, das eigene Familienunternehmen besser zu verstehen und zu führen.

Furkan Gargar

Yasemin Öztürk