Blickpunkt

Finanzierung als Wettbewerbsvorteil
Zukunftsfähig aufgestellt durch aktive Steuerung

André Knöll

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie stellte die Finanzierung die meisten Familienunternehmen vor keine allzu große Herausforderung. Die Geschäfte liefen gut und die Banken überboten sich in einem ruinösen Wettbewerb mit besonders günstigen Konditionen. Das neue Jahrzehnt stellt Unternehmerfamilien vor fundamentale Aufgaben der digitalen und ökologischen Transformation, was für viele zum finanziellen Kraftakt wird. Gleichzeitig ändern sich die Spielregeln am Banken- und Finanzmarkt. Darauf sollten sich Familienunternehmen einstellen.

Ein ordentliches Maß an Liquiditätsreserve ist das wirkvollste Medikament gegen Krisen und Phasen des Umbruchs. Weil Cash jedoch ein limitiertes Gut ist, kommt einer aktiven Finanzierungsstrategie eine zentrale Bedeutung zu, bei der die Liquidität in den Mittelpunkt rückt. Dem Grundsatz „Equity is an opinion – cash is fact“ folgend, sollte das Augenmerk daher auf relevantere Parameter für Stabilität und Bonität gelegt werden. Dabei wurde in der Vergangenheit (zu) oft auf die Eigenkapitalquote geschaut. Das Problem: diese vergangenheitsbezogene Kennzahl zahlt keinen Cent auf künftige Ausschüttungen oder geplante Investitionen und schon gar nicht auf die Tilgung von Darlehen. Dies alles erfolgt primär aus der frei verfügbaren Liquidität.

Ausreichend freie liquide Mittel

Finanzielle Unabhängigkeit und Stabilität eines Familienunternehmens leiten sich primär aus der Fähigkeit ab, allen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen zu können. Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob die Eigenkapitalquote hoch genug ist, sondern ob ein Unternehmen durchfinanziert ist, also über ausreichend freie liquide Mittel und einen ungehinderten Zugang zu Liquiditätsreserven verfügt. Als Kennzahl hierfür kommt die Liquiditätsreichweite in Betracht. Auch die Ausschüttungspolitik sollte sich nicht primär an der Eigenkapitalquote orientieren, sondern an der Fähigkeit des Unternehmens, die Auszahlung aus freien liquiden Mitteln vornehmen zu können. Insbesondere sollten Familienunternehmen ihre Fähigkeit zur Aufnahme von Fremdmitteln definieren. Dabei geht es um die Frage, welche Kredithöhe nicht überschritten werden sollte. Als geeigneter Maßstab hat sich hierfür die Verschuldungskapazität etabliert. Sie beschreibt, wie hoch das zinstragende Fremdkapital ist, dass ein Unternehmen auf Basis des operativen Cashflows innerhalb eines überschaubaren Zeitraums bedienen kann. Eine freie, ungenutzte Verschuldungskapazität kann als Polster verstanden werden, die im Bedarfsfall von Fremdkapitalgebern auch zur Verfügung gestellt wird. Familienunternehmen sind dann unabhängig finanziert, wenn sie über einen positiven Liquiditätsgrad, eine hohe Liquiditätsreichweite, eine stabile Fristenkongruenz sowie über eine freie Verschuldungskapazität verfügen. Eigenkapital ist hingegen mindestens in der Höhe vorzuhalten, was von fremden Dritten eben nicht finanziert wird.

Aktiv steuern

Finanzielle Zukunftsfähigkeit ist nicht nur eine Frage der Bonität – erfolgreiche Finanzierung wird vor allem eine Frage der Haltung und der aktiven Steuerung. Per Definition bedeutet Finanzierung nicht mehr als die Beschaffung von Liquidität zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit und damit des langfristigen Überlebens eines Familienunternehmens. Dabei kommt es nicht nur darauf an, jederzeit Zugang zu frischem Kapital zu haben, sondern gleichzeitig das bereits eingeworbene (Fremd-)Kapital nicht durch potenzielle Kündigungsgründe von Kapitalgebern zu gefährden oder gar zu verlieren. Letzteres droht, wenn Unternehmen (oft unbewusst) zentrale Vertragsbestandteile ihrer Finanzierungsverträge verletzen, wie z.B. das Gleichbehandlungsgebot bei gleichartigen Bankfinanzierungen.

Erfolgreiche Unternehmen unterscheiden sich von anderen insbesondere durch die Art des Umgangs mit ihren Finanzierungsfragen: sie gestalten die Liquiditätsversorgung langfristig, strategisch und insbesondere proaktiv, anstatt Finanzierung situativ oder gar passiv zu gestalten. Erfolgreiche Finanzierung ist somit vor allem eine Frage der Haltung sowie der Führungs- und Gestaltungsqualität. Wer das erfolgreich umsetzt, wird auch weniger durch plötzliche Umsatzeinbrüche oder starke Rohstoffpreiserhöhingen in seiner Zahlungsfähigkeit erschüttert, sondern hat Zeit, sich und sein Unternehmen zu sortieren.

Verknappung von Bankkrediten wird zunehmen

In den letzten Jahren wurde die laissez-faire Haltung vieler Unternehmen auch durch den enormen Finanzierungsappetit der Kreditinstitute kompensiert. Gute Konjunkturdaten und gleichzeitig hoher Wettbewerbsdruck erleichterten den Zugang zu Bankkrediten. Doch es gibt gute Gründe, dass dies in Zukunft anders wird. Schon seit Jahren kämpfen zahlreiche Banken mit einer chronischen Ertragsschwäche und sind auf der Suche nach nachhaltig profitablen Geschäftsmodellen. Erschwert wird dies von der Nullzinspolitik der Zentralbanken und deutlich erhöhten Regulierungserfordernissen. Zudem dürfte der zuvor beschriebene Risikoappetit in den kommenden Jahren einen erheblichen Dämpfer erleiden: die strengeren Vorgaben nach „Basel IV“ lassen eine spürbare Neubewertung der Ausfallrisiken und damit eine deutliche Zurückhaltung bei der Neukreditvergabe erwarten. Auf mittlere Sicht wird der Kostendruck eine neue Welle von Bankfusionen und sehr wahrscheinlich eine weitere Verknappung und Verteuerung von Krediten nach sich ziehen. Um dem vorzubeugen, hilft ein Blick auf die Champions unter den Familienunternehmen. Folgende Kriterien und Merkmale erfolgreicher Finanzierung lassen sich dort regelmäßig erkennen:

  • Sie sind stets „durchfinanziert“, definieren eine Mindestreserve an Liquidität und sichern sich den Zugriff zu dem Finanzierungsbedarfen für alle Belange für mindestens drei Jahre.
  • Sie nehmen dann Geld auf, wenn sie es bekommen, nicht wenn sie es brauchen.
  • Sie steuern das Unternehmen wertorientiert.
  • Sie finanzieren sich auch, aber nur im Rahmen ihrer Verschuldungskapazität über Fremdkapital und verstehen ihre Banken als Partner und nicht als Gegner.
  • Sie sind kapitalmarktfähig, ohne sich am Kapitalmarkt finanzieren zu müssen, d.h. sie verfügen über ein Mindestmaß an Transparenz, Reportingqualität und Bonität, um den strengen formalen Anforderungen des Kapitalmarktes gerecht zu werden.

Familienunternehmen, die Finanzierung als aktives Gestaltungselement begreifen, verfügen über einen klaren Wettbewerbsvorteil. Unabhängigkeit ist finanzierbar.

Kurz vorgestellt

Unabhängigkeit ist finanzierbar! Diesem Leitspruch folgt die Knöll Finanzierungsberatung seit 2011 und hat sich seitdem erfolgreich als ein führendes Beratungshaus für inhabergeführte Unternehmen in Deutschland etabliert. Die Experten bieten sowohl dem Unternehmen als auch der Inhaberfamilie individuelle und unabhängige Lösungen. „Die Anlässe hierfür sind so vielfältig und einzigartig wie jedes Familienunternehmen“, sagt Gründer André Knöll. Ganz gleich, ob es sich um Wachstum, Zukauf, Veränderung in der Gesellschafterstruktur, Nachfolge oder um eine Anschlussfinanzierung handelt. Als Navigator führt Knöll durch den gesamten Kosmos der Unternehmensfinanzierung und sorgt mit stabilen und langfristigen Architekturen für eine konsequente und effektive Steuerung des Finanzierungsprozesses, an dessen Ende die erfolgreiche Umsetzung der Finanzierung steht. Die individuell auf die Kundenanforderungen ausgerichteten Leistungen der Berater decken das komplette Spektrum der Unternehmensfinanzierung ab. Dabei haben die Berater stets aktuelle Trends des Banken- und Kapitalmarkts im Blick. Die Finanzierungsberatung ist an den Standorten Hamburg, Augsburg und Frankfurt am Main vertreten und berät erfolgreiche Familienunternehmen im gesamten deutschsprachigen Raum.

www.knoell-finance.de