IT & Telekommunikation

Flexibel und durchgängig
Plattformökonomie in Diensten des Mittelstands

Bernd Meyer

Unsere Geschäftswelt digitalisiert sich immer schneller und stellt dabei auch an Software neue Herausforderungen. Plattformen, auf denen sich der Anwender seine Systemlandschaft zusammenstellen kann, sind das Modell der Stunde. Für die Softwarehersteller bedeutet das, dass sie zusammenarbeiten und leistungsfähige Schnittstellen schaffen müssen.

Ob Amazon, Ebay, Booking.com oder „MyHammer“ – im Privatleben nutzen viele Menschen heute ganz selbstverständlich große Plattformen, wenn sie nach einem Produkt oder einer Dienstleistung suchen. In etlichen Branchen hat diese vernetzte Plattformökonomie den Zugang zum Kunden stark verändert. Sie bestimmt zunehmend die wirtschaftliche Entwicklung, Innovationsfähigkeit und Überlebensfähigkeit der Anbieter. Die mittelständische Wirtschaft in Deutschland kann dieser Entwicklung nicht ausweichen. Gleichzeitig verändern New Work und die digitale Transformation die Art und Weise, wie wir arbeiten und vor allem auch zusammenarbeiten. In Kombination mit der Entwicklung von Plattformen betrifft dies nicht nur die unternehmensinterne Zusammenarbeit, sondern auch die Arbeitsabläufe und Wertschöpfungsprozesse im Netzwerk mit Kunden und Partnern.

Rund um ihre kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Abläufe suchen Unternehmen heute nach Lösungen, die ihnen Routinetätigkeiten weitestgehend abnehmen und Daten möglichst automatisiert dorthin weitergeben, wo sie benötigt werden. Durchgängige aber modular aufgebaute Systeme bedienen diese Anforderung am besten. Dabei prägt die Entwicklung hin zu komplett digitalen, medienbruchfreien Prozessen das aktuelle Bild. Diesem Bedarf nach Durchgängigkeit begegnen die Softwareanbieter, indem sie durch die Verbindung unterschiedlicher Lösungen automatisierte und vernetzte Prozessketten möglich machen. Dabei muss nicht jede Funktion von eigenen Anwendungen abgedeckt werden. Ebenso gut können auch angebundene Partnerlösungen die eigenen Programme erweitern – sei es rein funktional oder auch um branchenspezifische Aspekte.

Besser im Schulterschluss

Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Herausforderungen der digitalen Transformation nicht mehr von einem Softwarehersteller allein bewältigt werden können. Dafür sind der Umfang der Veränderungen, die Wirkung auf alle betriebs- und personalwirtschaftlichen Aufgaben und in Konsequenz auch die Anforderungen der Anwender zu heterogen. Wichtig ist aber, dass der Suchende an zentraler Stelle fündig wird. Ein gutes Gesamtpaket orientiert sich konkret an den individuellen Anforderungen des Unternehmens, lässt sich individuell zusammenstellen und bedarfsgerecht skalieren.

Die Herausforderung für die Anbieter ist es also, durch Vernetzung flexibler Lösungen passgenaue Optionen für die Anforderungen des Nutzers zu schaffen. Die dabei abzudeckenden Attribute lauten Effizienz, Innovation und nicht zuletzt Zuverlässigkeit. Über das harmonische Zusammenspiel der einzelnen Funktionen werden Verwaltungsaufgaben vereinfacht, wodurch die Effizienz gesteigert wird und der Nutzer Zeit gewinnt. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Automatisierung von Routineaufgaben, durch die sich Aufwand reduzieren lässt und Kosten eingespart werden können.

Ein Marktplatz für Software

Am Beispiel der Datev eG lässt sich gut verdeutlichen, wie die Adaption des Plattform-Ansatzes in das eigene Geschäftsmodell funktioniert. Das Softwarehaus arbeitet heute bereits mit rund 200 Partnern zusammen und baut diese Kooperationen konsequent weiter aus. Mit dem unternehmenseigenen Marktplatz bietet es eine Plattform für Lösungen rund um die kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Prozesse. Den Kern dieses Ökosystems bilden die eigenen Programme, die grundsätzlich branchenübergreifend ausgerichtet sind und die Kernprozesse im Betrieb unterstützen. Je nach Branche und Organisationsstruktur finden Anwender dort darüber hinaus bewährte Lösungen der Partner mit ergänzenden Funktionen.

Beim Einsatz dieser Programme ist immer gewährleistet, dass Daten, die darin erzeugt werden, ohne Reibungsverluste auch in den betriebswirtschaftlichen Anwendungen verwendet werden können. Unternehmen können damit tägliche Prozesse zunehmend digitalisieren und relevante Daten, zum Beispiel für die Finanz- und Lohnbuchführung, sicher und medienbruchfrei übergeben. So profitieren sie vom Zusammenspiel etablierter und moderner Branchenlösungen mit den bewährten Datev-Programmen. Über die Plattform erleichtert der IT-Dienstleister seinen Anwendern die aufwendige Suche nach kompatiblen Programmen für unterschiedlichste Anforderungen im Unternehmen, mit denen sich eine durchgängige Systemlandschaft schaffen lässt. Damit sind Doppelerfassungen in den Systemen ausgeschlossen, was Zeit spart und Fehler zu vermeiden hilft. Dabei kann auch der Steuerberater in den Datenfluss eingebunden werden.

Von- und miteinander profitieren

Bei den Partnerschaften gibt es aber durchaus unterschiedliche Intensitäten. Während das Gros der Anbieter als Schnittstellen-Partner vordefinierte Programmverbindungen in seine Produkte einbaut, sind andere Kooperationen von einer engeren Zusammenarbeit geprägt. Eine neue strategische Partnerschaft mit sehr intensivem gegenseitigem Austausch ist Datev kürzlich mit der Personio GmbH eingegangen. Mit einem gemeinsamen Entwicklerteam werden beide Unternehmen ihre Software im Bereich Personalwesen in den kommenden Monaten bestmöglich technisch integrieren. Die bewährten Programme zur Lohn- und Gehaltsabrechnung des Nürnberger Softwarehauses werden so mit Personios umfangreicher HR-Management-Software für KMU zu einer durchgängigen Softwarelandschaft verknüpft, mit der sämtliche HR-Prozesse vom Recruiting über das Personalmanagement bis hin zur Lohnabrechnung abgebildet werden können.

Diese geplante Integration folgt konsequent einem best-of-breed-Ansatz: Beide Unternehmen sind in ergänzenden Bereichen jeweils technisch führend. So ist Datev im HR-Umfeld vor allem für seine Kompetenz im Lohn-Bereich und die schnelle und zuverlässige Umsetzung gesetzlicher Änderungen bekannt, die zum Stichtag zur Verfügung stehen müssen. Die cloud-basierte Software von Personio wurde speziell für KMU mit bis zu 2.000 Mitarbeitenden entwickelt und ermöglicht reibungslose HR-Prozesse vom Recruiting über das Personalmanagement bis hin zur vorbereitenden Lohnbuchhaltung.

Die Funktionalität beider Lösungen ergänzt sich sehr gut und bietet beiden Parteien gute Entwicklungschancen. Vor allem aber profitiert am Ende der Anwender von einem durchgängigen Datenfluss. Denn der wichtigste Aspekt bei solchen Partnerschaften: Alle Beteiligten müssen einen Nutzen davon haben. Die Anbieter ergänzen gegenseitig die Funktionstiefe ihres Angebots und der Anwender bekommt eine durchgängige Systemlandschaft aus einer Hand, wobei er viele variable Möglichkeiten hat weitere Software nach Bedarf zu ergänzen.

www.datev.de/marktplatz