Blickpunkt

Ganzheitlich nachhaltig
Digital-Spezialist ändert sein Geschäftsmodell

Hendrik Fuchs

Die Silbury Deutschland GmbH mit Sitz in Fürth begleitet Firmen in allen Phasen der digitalen Transformation. Das Geschäft brummt. Dennoch hat sich Geschäftsführer Markus Neubauer vor gut einem Jahr dazu entschieden, das eigene Geschäftsmodell zu verändern. Im Fokus: ein konsequenter Nachhaltigkeitsansatz.

In Workshops erarbeiteten sich Führungskräfte und Belegschaft die wesentlichen Elemente des neuen Geschäftsmodells.

„Wir sind schon in einem sehr innovativen Geschäftsfeld unterwegs. Und deshalb mag es auf den ersten Blick verwunderlich klingen, dass wir unser Geschäftsmodell infrage stellen“, sagt Neubauer und ergänzt: „Doch wir leben in einer Welt, die sich fortlaufend verändert und stehen permanent vor neuen Herausforderungen. Damit meine ich vor allem die großen Dinge wie den Klimawandel und die Bevölkerungsentwicklung.“ Betrachte man die Digitalisierung, falle auf, dass sie in erster Linie nur auf die Steigerung der Arbeitseffizienz ausgelegt sei. Welche Auswirkungen dies aber etwa auf den CO2-Ausstoß habe, hätten Unternehmen selten auf dem Schirm. „Daher haben wir uns überlegt, wie der künftige Bedarf der Digitalisierung in Europa aussehen wird und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir in Sachen Arbeitseffizienz bald am Ziel sein werden, es aber in Bezug auf eine nachhaltige Digitalisierung noch sehr viel Luft nach oben gibt“, unterstreicht der Unternehmer. Neubauer macht das am Beispiel des papierlosen Büros deutlich. Einerseits sei es begrüßenswert, dass sich Prozesse dank der Digitalisierung effizienter gestalten ließen und der Einsatz von Papier reduziert werde, andererseits steigere sich durch den Einsatz der Digitalsysteme der CO2-Ausstoß in dem Maße, dass der Umweltaspekt – der Bedarf an weniger Papier – komplett verpuffe. „Ich glaube, hier wird in Zukunft ein Umdenken stattfinden, denn immer mehr Unternehmer werden sich fragen, wie nachhaltig ihre Geschäftsprozesse wirklich sind“, ist Neubauer überzeugt.

Alle Dimensionen im Blick

Unter einer konsequent gelebten nachhaltigen Digitalisierung versteht der Unternehmer ein Modell, das neben einer ökonomischen auch eine ökologische und eine soziale Komponente beinhaltet. Das fängt ganz simpel bei der Programmierung an. Hier schaut das IT-Beratungsunternehmen darauf, wie sich der zu programmierende Code etwa hinsichtlich des Energieverbrauchs und langer Wartungsfähigkeit möglichst nachhaltig gestalten lässt. Auch die Geschäftsprozesse werden durchleuchtet. „Wenn wir Prozesse verändern, haben wir genau im Blick, was das für die Effizienz, die Menschen und die Umwelt bedeutet. Es geht also um die Frage, wie wir es schaffen, alle drei Komponenten so einzubinden, dass der Return on Investment für den Kunden höher ist, als wenn man das Ganze nur eindimensional umsetzt“, hebt Neubauer hervor.

Markus Neubauer ist Geschäftsführer des Fürther IT-Beratungsunternehmens Silbury.Silbury
Markus Neubauer ist Geschäftsführer des Fürther IT-Beratungsunternehmens Silbury.

Das Potenzial sei jedenfalls enorm. Der Unternehmer verweist auf eine aktuelle Bitkom-Studie, die davon ausgeht, dass die Hälfte der vom Pariser Klimaschutz-Abkommen angestrebten CO2-Einsparungen bis 2030 allein durch Digitalisierungslösungen erreicht werden kann, etwa mit Routenoptimierungen für LKWs oder die Ermittlung des Energieverbrauchs von Produkten mittels künstlicher Intelligenz. „Es geht also auch darum, eigene Produkte hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu überdenken, sie mithilfe der Digitalisierung zum Beispiel energieeffizienter zu machen. So etwas wird die Wettbewerbsfähigkeit und die Anziehungskraft dieser Unternehmen merklich verbessern. Generell sehe ich das als riesige Chance für europäische Firmen, wenn sie den Trumpf Nachhaltigkeit auf allen Ebenen gegenüber der Konkurrenz in Amerika oder Asien ausspielen können.“

Herausforderung Umsetzung

Die Umwandlung des Geschäftsmodells aus eigener Kraft heraus stellte sich für das Fürther IT-Beratungsunternehmen aber als kaum zu lösende Aufgabe heraus. „Es gab zwar erste Gespräche und interne Workshops im Führungsteam, allerdings wurde das Thema nicht mit der Konsequenz und Priorisierung vorangetrieben, wie es notwendig gewesen wäre. Zu sehr waren wir im Tagesgeschäft gefangen“, erzählt der Geschäftsführer. Doch dann kam die Corona-Pandemie und Neubauer fand die Zeit, sich sehr intensiv mit der Thematik nochmals auseinanderzusetzen. „Die Pandemie ist für mich das Sinnbild dafür, was passiert, wenn wir die großen Themen jetzt nicht anpacken. Das betrifft zum Beispiel Reisebeschränkungen oder Einschränkungen der persönlichen Freiheit, die auch kommen werden, wenn der Klimawandel weiter voranschreitet.“ Daher entschloss er sich, das Thema ganz oben auf die Agenda zu setzen und einen Berater von Weissman & Cie. mit ins Boot zu holen. Der Berater hat für das Unternehmen ein Umsetzungskonzept entwickelt und den gesamten Prozess begleitet, der aus vielen Workshops bestand. Da ging es um Fragestellungen wie „Wofür stehen wir?“, „Wie sieht unsere Kundenbasis aus?“, Wie sehen mögliche Szenarien für die Zukunft aus?“, „Was bedeutet das in der Ausgestaltung?“ oder „Was muss intern geändert werden?“. „Herausgekommen ist ein Konzept, eine Idee, wo wir in drei beziehungsweise sieben Jahren stehen wollen, mit einer Vision und damit verbundenen Maßnahmen“, unterstreicht Neubauer. „Diese Maßnahmen setzen wir jetzt nach und nach um, haben dabei aber immer die Vision im Auge. Wir haben also jetzt immer die Klarheit darüber, was zu tun ist. Das klappt jetzt auch trotz des Tagesgeschäfts sehr gut. 

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