Nachfolger im Gespräch

Gemeinsam mehr bewegen
Tradition trifft auf gelebte Innovationskultur

Hendrik Fuchs

Die RAMPF-Gruppe steht für Engineering and Chemical Solutions und bietet Antworten auf ökonomische und ökologische Bedürfnisse der Industrie. 2011 erfolgte die Stabübergabe durch Rudolf Rampf an seine Söhne Michael und Matthias. 

Wir sprachen mit den Brüdern Rampf über die Herausforderungen der Nachfolge in einem Familienunternehmen mit Zukunft.

Was hat Ihnen den Einstieg in den elterlichen Betrieb erleichtert?

Matthias Rampf: Wir hatten beide bereits einige Jahre die Möglichkeit, im Unternehmen mit unserem Vater zusammenzuarbeiten, von ihm zu lernen und entsprechend der Ressortverteilung konsequent Verantwortung zu übernehmen.

Michael Rampf: Die Ressortverteilung war ein wichtiger Schlüssel, um sich im Unternehmen zu etablieren. Hatte unser Vater zu gewissen Themen unserer Ressorts eine andere Meinung, so haben wir diese zunächst unter vier Augen gemeinsam besprochen.

Wie lief die Stabübergabe konkret ab?

Matthias Rampf: Es gibt nicht wirklich „den Moment“ der Stabübergabe. Mein Bruder hatte bereits seit 2005 an der Seite unseres Vaters gearbeitet, davor zwei Jahre in den USA, wo er die dortige Niederlassung aufgebaut hatte. Ich bin 2008 als geschäftsführender Gesellschafter eingestiegen. Zuvor hatte ich zwei Jahre in Japan verbracht und unsere dortige Repräsentanz gegründet. Wir haben schrittweise mehr und mehr Verantwortung zugeteilt bekommen, was uns Sicherheit gegeben und in unserem Arbeiten gestärkt hat.

Michael Rampf: Das unternehmerische Handeln unseres Vaters war vorbildhaft. Er hat das Unternehmen gegründet und war von Anfang darauf bedacht, dieses in jeglicher Hinsicht abzusichern – sei es durch das Erschließen neuer Märkte und Geschäftsfelder oder die Gründung einer Holding mit einer Gruppenstruktur und entsprechenden Kernkompetenzen. Dazu gehört auch die langfristig angelegte Personalplanung auf strategisch wichtigen Positionen – einschließlich seiner Position und seiner Nachfolge. Er hat uns frühzeitig gefragt, ob wir ins Unternehmen einsteigen wollen, ohne dabei jedoch Druck aufzubauen, dass wir dies tun müssten. Und, am wichtigsten: Er hat nicht gezögert, selbst loszulassen. Er hat uns die Verantwortung übergeben und unseren eigenen Weg gehen lassen.

Matthias Rampf: Unser Vater hat uns nach seinem Ausstieg noch in Form eines Beirats über vier Jahre begleitet, sich nach und nach jedoch anderen Themen gewidmet. Das war für uns die Bestätigung, dass er uns voll vertraut, was mit dem Stilllegen des Beirats dann endgültig bestätigt wurde.

 Innovation wird bei RAMPF großgeschrieben und u.a. durch einen unternehmenseigenen Innovation Award gefördert.RAMPF
Innovation wird bei RAMPF großgeschrieben und u.a. durch einen unternehmenseigenen Innovation Award gefördert.

Was war Ihnen im Nachfolgeprozess besonders wichtig?

Matthias Rampf: Wir haben uns von Anfang an als Teil eines Teams gefühlt. Unser Vater war der Gründer – ein typischer Tüftler und Macher, der heute noch enormes Ansehen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genießt. Als gelernter Chemietechniker hatte er ein entsprechend tiefgreifendes technisches Verständnis, wofür wir in unseren Gruppenunternehmen mittlerweile herausragende Fachleute in verantwortungsvoller Funktion haben. Mein Bruder und ich hingegen sind anders ausgebildet und verfügen über andere Tools der Unternehmensführung. Unser Vater hat uns von Beginn an den Freiraum gegeben, diese entsprechend einzusetzen und neue Impulse im Unternehmen zu setzen.

Welche Rolle spielen für Sie die Themen Tradition und Werte?

Michael Rampf: Die Werte, die unser Vater seit Gründung des Unternehmens vorgelebt hat, sind für uns auch weiterhin die Grundpfeiler der Erfolgsgeschichte von RAMPF. Die von ihm vorgelebte Unternehmensphilosophie ist für uns quasi das „Grundgesetz“ unseres Handelns als Unternehmer. Die RAMPF-Werte entsprechen im Grundsatz unseren Familienwerten: Wie gehen wir miteinander und mit Ressourcen um? Wie verhalten wir uns gegenüber unseren Kunden und Geschäftspartnern? Uns ist enorm wichtig, dass unsere Mitarbeiter entsprechend dieser Werte geführt werden.

Wie hat sich das Unternehmen seit Ihrem Einstieg verändert?

Michael Rampf: Wir haben uns vor allem als Organisation weiterentwickelt. Mit unserem Einstieg haben wir einen strukturierten Visions- und Strategieprozess erarbeitet und implementiert, indem wir erst einmal festgehalten haben, wohin wir uns entwickeln wollen. Dabei haben wir uns selbst Hausaufgaben aufgegeben, die wir Stück für Stück abgearbeitet haben. Unser Vater hätte es sich zum Beispiel nie vorstellen können, einmal einen Firmenjuristen zu beschäftigen, strategische Personalentwicklung zu betreiben, ein weltweites Controlling aufzubauen oder ein betriebliches Gesundheitsmanagement anzubieten. Schlagworte wie Compliance oder Social Media seien hier mal noch exemplarisch genannt.

Matthias Rampf: Hinzu kam auch ein organisiertes Technologie- und Innovationsmanagement. Daraus resultierte unter anderem ein Innovationsworkshop, in welchem wir im Jahr 2014 unsere kreativen Köpfe befragt haben, mit welchen Produkten und Lösungen und auch in welchen Märkten RAMPF in Zukunft aktiv sein wird. Dabei haben wir 120 großartige Ideen generiert und nach verschiedenen Stufen priorisiert. Im Rahmen eines anschließenden M&A-Prozesses haben wir in Kanada ein Unternehmen übernommen, das seit 2016 als RAMPF Composite Solutions firmiert und mit rund 100 Mitarbeitern Leichtbauteile für die Luftfahrtindustrie herstellt.

 Qualität und Zuverlässigkeit spielen bei RAMPF eine wichtige Rolle.RAMPF
Qualität und Zuverlässigkeit spielen bei RAMPF eine wichtige Rolle.

Michael Rampf: Im Übrigen hat sich die RAMPF-Gruppe in den vergangenen neun Jahren etwa „verdoppelt“: sowohl nach Mitarbeiterzahl als auch Umsatz.

Welche Tipps können Sie jungen Menschen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, in das elterliche Unternehmen einzusteigen?

Michael Rampf: Regeln aufstellen, in denen klar definiert ist, welche Rolle die Nachfolger einnehmen dürfen und welche Rolle die Senioren spielen werden. Funktionierende Spielregeln und eine grobe Zeitschiene erleichtern den Nachfolgeprozess.

Matthias Rampf: Man selbst sollte folgende Fragen beantworten können: Über welche Stärken verfüge ich? Was will ich erreichen? Was will ich vielleicht anders machen als der Senior? Und dies muss alles im Vorfeld eindeutig kommuniziert werden. Und wenn es die Möglichkeit gibt, sollte sich die nächste Generation vor dem Einstieg ins elterliche Unternehmen schon eigene Sporen verdient haben, ob im eigenen oder in einem anderen Unternehmen. Zudem ist ein Auslandsaufenthalt sehr wertvoll, um den eigenen Horizont zu erweitern.

Michael Rampf: Wichtig ist, zu wissen, woher man kommt. Erfolgreiche Unternehmen haben in der Vergangenheit entsprechend erfolgreich gearbeitet – man sollte als Junior nicht einsteigen und alles anders machen wollen: Bewährtes bewahren und Neues hinzufügen. Und wenn möglich, sollten Senior und Junior noch eine Zeit lang Seite an Seite arbeiten. Davon können in der Regel beide Seiten voneinander lernen.

In aller Kürze

Die RAMPF-Gruppe beschäftigt weltweit über 900 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2018/19 einen konsolidierten Umsatz in Höhe von 190 Mio. Euro.

Die sechs Kernkompetenzen der Unternehmensgruppe sind spezialisiert auf Produkte und Lösungen rund um Reaktionsharze, Maschinensysteme und den Leichtbau mit Composites. Diese werden in den unterschiedlichsten Industrien eingesetzt – von Automotive, Elektro/Elektronik und Maschinenbau über Medizintechnik bis zur Luft- und Raumfahrt.

RAMPF denkt global und handelt lokal: An strategisch wichtigen Standorten in Deutschland, den USA, Kanada, China, Japan und Korea ist die Unternehmensgruppe mit eigenen Produktionsstätten präsent.