Blickpunkt

Gemeinsam zu besseren Entscheidungen
Schreibwarenhersteller Edding setzt auf CDO-Tadem

Hendrik Fuchs

Zum 1. März 2022 haben Fränzi Kühne und Boontham Temaismithi gemeinsam die neu geschaffene Vorstandsposition des Chief Digital Officers (CDO) beim Familienunternehmen Edding übernommen. Im Interview berichten die beiden, welche Vorzüge eine solche Tandemlösung hat und welche Herausforderungen eine solche Konstellation mit sich bringt.

Fränzi Kühne und Boontham Temaismithi teilen sich den Posten des Digitalvorstands bei Edding in einem Tandem-Modell.

Wie kam Edding auf die Idee, den Posten des CDO doppelt zu besetzen?

Fränzi Kühne: Die Idee, ein Führungstandem auf Vorstandsebene einzurichten, ergab sich während des gut achtzehnmonatigen Auswahlprozesses und angesichts der vielen interessanten Kandidatinnen und Kandidaten. Der Aufsichtsrat unterstützte das Modell eines Vorstandstandems und nachdem das Gremium mich in die engere Auswahl nahm, fragte CEO Per Ledermann mich schließlich, ob ich mir diese Rolle auch im Tandem vorstellen könnte. Da diese Konstellation ideal in meine Lebensplanung passt und ich mit meinem langjährigen Gründerkollegen Boontham absolut eingespielt bin, war das neue Edding-CDO-Tandem dann sehr schnell perfekt. Unser Tandem ist kein Selbstzweck. Wir sind stolz, in diesem Bereich Vorreiter zu sein – auch mit dem Wissen und der Demut, dass Pionierarbeit auch immer Unerwartetes, Rückschläge und Lernen heißt.

Welche Vorzüge verspricht sich das Familienunternehmen vom Jobsharing an der Spitze?

Boontham Temaismithi: Dem Urteil eines Tandems liegen immer mindestens zwei unterschiedliche Sichtweisen auf ein Thema zugrunde. Dadurch kann es letztlich wesentlich bessere, weil differenziertere, Entscheidungen treffen. Dies ist die wertvolle Erfahrung, die wir in den vergangenen fünfzehn Jahren in unserem eigenen Unternehmen gemacht haben und die auch unsere neuen Vorstandskollegen, der Beirat und der Edding-Aufsichtsrat teilen. Tandems bringen auf ökonomischer, kultureller, kreativer und persönlicher Ebene wesentlich mehr Diversität und Kompetenz in Organisationen. Diesen positiven Effekt macht sich Edding als Familienunternehmen nun zunutze. Die zusätzlichen Sichtweisen und Außenperspektiven machen uns noch agiler und innovativer.

Wie muss man sich das vorstellen: Sie arbeiten beide wirklich nur jeweils 50 Prozent?

Fränzi Kühne: So wirklich werden wir diese Zielgröße wohl nie ganz erreichen, denn das Tandem wird immer mehr als die rechnerischen zweimal 50 Prozent leisten müssen, womit wir aber gut leben können. In der aktuell noch andauernden Onboarding-Phase sind wir beide jeweils nah an der 100-Prozent-Marke, denn aktuell benötigen wir definitiv mehr Organisationsaufwand. Doch wir sind überzeugt, dass dieser „Mehraufwand“ schon mittelfristig durch Agilität, schnellere und bessere Entscheidungen kompensiert wird.

Kümmern Sie sich beide um die gleichen Projekte oder werden diese zwischen Ihnen aufgeteilt?

Fränzi Kühne: Inhaltlich erfolgt bewusst keine Aufteilung der Themen in unseren Ressorts. Diskussionen, wenn notwendig auch mal länger und intensiver sowie die danach gemeinsam getroffenen und getragenen Entscheidungen, machen die Stärke des Tandems aus. Wir haben lange zusammen als Team gearbeitet und gemerkt, dass unterschiedliche Perspektiven auf dieselben Fragen zu besseren Antworten führen. Daher wollen wir alle wichtigen Entscheidungen entlang der Edding-Strategie „2025+“ auch nicht separiert und damit seziert bearbeiten.

Seit Ihrem gemeinsamen Einstieg sind ein paar Monate vergangen. Was läuft im Kontext Jobsharing gut beziehungsweise was haben Sie anfangs vielleicht auch unterschätzt?

Fränzi Kühne: Uns war bewusst, dass wir trotz Tandem die ersten drei Monate Vollzeittätigkeit einplanen müssen. Die Grundvoraussetzung für den Erfolg ist die Offenheit für dieses Modell und das schließt für alle Beteiligten auch ein offenes und ehrliches Feedback ein, um unsere Prozesse nachjustieren zu können. Das erfordert etwas mehr Zeit und Mut, aber es macht uns und den Teams sehr viel Spaß, so zu arbeiten. Unterschätzt haben wir zunächst die technischen Möglichkeiten: Um den Tandem-Charakter über alle Facetten sichtbar zu machen, planten wir für die digitale Kommunikation zunächst gemeinsame Tandem-Accounts ein – eine Idee, die wir mittlerweile wieder verwerfen mussten. Boontham und ich kommunizieren nun wieder über individuelle Accounts für E-Mail und im Intranet.

Kurz vorgestellt

Das neue Vorstands-Tandem Kühne/Temaismithi verantwortet bei Edding die Unternehmensbereiche IT, Data Management und Consumer Centricity. Die beiden bringen dabei besondere Expertise aus über 15 Jahren gemeinsamer digitaler Markenkommunikation mit ein: 2008 haben sie die Digitalagentur TLGG gegründet und seither die Kommunikationsaktivitäten namhafter Konzerne wie Lufthansa, BMW und Eon maßgeblich geprägt. Die heute 260 Köpfe zählende Agentur unterhält Büros in Berlin und New York.

www.edding.com