Blickpunkt

Katalysator für die Weiterentwicklung
Private Equity und Familienunternehmen

Thomas Weber

Lange Zeit galten Finanzinvestoren nicht als die bevorzugten Gesprächspartner im Mittelstand, wenn es um Wachstumsfinanzierung oder den Verkauf des Unternehmens ging. Dieses Bild hat sich glückliches Weise gewandelt. Heutzutage schätzen viele Familienunternehmen deren Expertise im Gesellschafterkreis.

Buy-and-build mit privatem Eigenkapital: Im stark wachsenden Markt für den Ausbau von Glasfasernetzen ist Schnelligkeit gefragt. Wer mit Unternehmenszukäufen die Konsolidierung vorantreiben kann, stärkt die eigene Marktposition. Beteiligungsgesellschaften helfen mit ihrer M&A-Erfahrung und Finanzierungsexpertise, neue marktstarke Unternehmen aufzubauen.

Das Bild der „räuberischen Heuschrecke“ war stets präsent, zu fremd das Gebaren mancher Private-Equity-Manager. Auf der einen Seite stand der auf den langfristigen Bestand des Unternehmens ausgerichtete Mittelständler, auf der anderen agierten Private-Equity-Gesellschaften, die vermeintlich schnelle Gewinne suchten und wenig für soziale und regionale Belange übrighatten. Dieses Bild ist längst überholt: „Die Grundskepsis der vergangenen Jahre ist einem positiven Unternehmensverständnis gewichen“, heißt es in einer Studie des Beratungshauses PwC, das 2017 mehr als 300 Entscheider aus Familienunternehmen befragt hat. Weit mehr als die Hälfte sind danach der Auffassung, dass Beteiligungsgesellschaften den nachhaltigen Unternehmenserfolg anstreben. Private-Equity-finanzierte Unternehmen gelten als besonders wettbewerbsfähige und überdurchschnittlich schnell und stark wachsende Marktteilnehmer, die traditionell finanzierte Unternehmen bei der Digitalisierung, Produktivität, Innovationskraft und Internationalisierung übertrumpfen.“ Entsprechend können sich inzwischen mehr als 80 Prozent der befragten Entscheider eine Private-Equity-Beteiligung an ihrem Familienunternehmen vorstellen, für 14 Prozent war das nicht vorstellbar. Zum Vergleich: 2011 war dieses Verhältnis genau umgekehrt.

„Höhere Managementkompetenz“

Dementsprechend steigt seit Jahren die Bereitschaft im Mittelstand, sich mit privatem Beteiligungskapital zu beschäftigen. Mehr und mehr Gründer wählen Finanzinvestoren als (Mit-) Gesellschafter, weil sie darin für ihr Unternehmen die besten Entwicklungsmöglichkeiten sehen. Sie erkennen an, dass externe Investoren die meist starke lokale Marktpräsenz der Familienunternehmen durch internationale Kontakte und Branchenkenntnisse ergänzen, um dadurch Wachstumsstrategien zu unterstützen. Nach der Gründergeneration leiden Familienunternehmen häufig unter einer nachlassenden Proaktivität und Risikofreude. „Beteiligungsgesellschaften können einen bedeutenden Beitrag zur Erhöhung von Managementkompetenz und Professionalisierungsgrad leisten“, heißt es zu diesem Befund in einer Studie, die 2018 die Unternehmensberatung Roland Berger und der Kreditversicherer Euler Hermes auf einer breiten Datenbasis angefertigt haben. Ein weiteres Ergebnis: „In der finanziellen Steuerung besteht ein gewisses Potenzial für Verbesserung und Professionalisierung, insbesondere mit Blick auf Betriebskapital- und Zinsmanagement.“ Auch hier können Beteiligungsgesellschaften mit ihrer Erfahrung die Kompetenzen im Gesellschafterkreis mittelständischer Unternehmen bereichern.

Starker Anstieg bei Transaktionen

Der gut begründete Imagewandel spiegelt sich im Transaktionsgeschehen wider: Zwischen 2012 und 2016 investieren Beteiligungsgesellschaften in Deutschland rund 860 Millionen Euro jährlich in Minderheitsbeteiligungen; in den drei folgenden Jahren (2017 bis 2019) waren es bereits mehr als zwei Milliarden Euro jährlich. Die durchschnittliche Eigenkapitalbeteiligung hat sich dabei verdreifacht – private Eigenkapitallösungen werden also auch für größere Familienunternehmen interessant. Noch beeindruckender ist die Entwicklung der Management-Buy-outs (MBO) im Mittelstand, also der mehrheitlichen Veräußerung eines Unternehmens. 2019 war weit mehr als jedes zweite MBO ein Verkauf eines mittelständischen Unternehmens aus privater (Familien-) Hand an einen Finanzinvestor. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre hat dieser Anteil lediglich rund 20 Prozent betragen (Unternehmenswert jeweils zwischen 50 und 250 Millionen Euro).

Beteiligungsanlässe in Unternehmen und Familie

Beteiligungsgesellschaften nehmen nicht nur eine wichtige Katalysatorfunktion bei der Weiterentwicklung von Unternehmen wahr. Sie helfen auch, Lösungen für Ereignisse und Anforderungen zu finden, die außerhalb des normalen Geschäftsbetriebs liegen oder auf der Ebene der Familiengesellschafter. So sind typische Anlässe für eine Eigenkapitalbeteiligung Restrukturierungen der Passivseite der Unternehmensbilanz und zu geringe Eigenkapitalquoten. Gerade die Frage nach der Eigenkapitalausstattung wird nach der Covid-19-Pandemie an Bedeutung gewinnen: Banken sind intensiv mit ihrem Kreditportfolio beschäftigt und werden neue Engagements nicht nur an überzeugende Geschäftspläne, sondern auch an eine tragfähige Bilanz knüpfen. Eine Unternehmensnachfolge, womöglich verbunden mit der Auszahlung der Geschwister, kann ebenso Eigenkapitalbedarf auslösen wie ein Gesellschafterwechsel, etwa zum Herauskauf eines Familienstamms. Dass Finanzinvestoren einen messbaren Wertbeitrag leisten, ist ohnehin längst anerkannt. Der Renditehebel der Finanzinvestoren liegt heute vor allem in der Vertriebsintensivierung, der Entwicklung von Neuprodukten sowie der Erschließung internationaler Absatzmärkte. Die Kennzahlen sprechen für sich: Im direkten Vergleich mit inhabergeführten Unternehmen weisen Portfoliounternehmen der Investoren eine verbesserte Wachstums- und Ertragskraft sowie eine höhere Exportquote auf – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Munich Strategy Group unter knapp 400 Unternehmen aus dem Jahr 2017.

Partner für Wachstum

Bei aller Vielfalt möglicher Beteiligungsanlässe: Mittelständler sehen in Beteiligungsgesellschaften zunächst einen Partner für Wachstum. Was das konkret bedeuten kann, zeigen Beispiele aus dem Portfolio der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG). Zwischen 2017 und 2019 hatte die DBAG in vier Unternehmen investiert, die Glasfasernetze planen, bauen und ausrüsten. Drei dieser vier Unternehmen waren zuvor in Familienhand. Inzwischen haben die neuen Beteiligungen ihren Umsatz mehr als verdreifacht – ganz überwiegend nicht durch organisches Wachstum, sondern durch den Zukauf von insgesamt 17 kleineren Unternehmen. Ohne die M&A-Erfahrung und die Finanzierungsexpertise ihres neuen Gesellschafters wäre das in so kurzer Zeit nicht möglich gewesen. So können sie die Chancen in ihrem Markt nutzen, in dem Zeit ein wichtiger Erfolgsfaktor ist.

Kurz vorgestellt

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) initiiert geschlossene Fonds, die in das Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Instrumente nicht börsennotierter Unternehmen investieren. Investoren der Fonds sind institutionelle Anleger, etwa Pensionsfonds oder Versicherungen. Die AG berät die Fonds: Sie sucht und prüft Beteiligungsmöglichkeiten, um dann die eigentlichen Transaktionen zu strukturieren. Mit Mitteln aus ihrer Bilanz co-investieren die Spezialisten an der Seite der Fonds, geht aber auch eigenständige Beteiligungen ein, etwa dann, wenn diese – zum Beispiel wegen der vorgesehenen Haltedauer von sieben Jahren und länger – nicht zur Anlagestrategie eines Fonds mit einer festen Laufzeit passen. Der Fokus liegt auf mittelständisch geprägten Unternehmen. Mit den Geschäftsmodellen und Märkten dieser Unternehmen beschäftigt sich die DBAG zum Teil seit Jahrzehnten: Einen Schwerpunkt legt sie auf die Industriesektoren, in denen der deutsche Mittelstand international stark ist. Ein zunehmender Anteil der Beteiligungen entfällt auf Unternehmen in den neuen Fokussektoren Breitband-Telekommunikation, IT-Services/Software und Healthcare. Die DBAG unterstützt ihre Portfoliounternehmen dabei, eine langfristige und wertsteigernde Strategie umzusetzen – mit Kapital, aber auch mit Erfahrung und Know-how. Seit ihrer Gründung 1965 hat sie gut 300 Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Gegenwärtig hält die AG 28 Beteiligungen; mit dem jüngst geschlossenen Fonds wächst das beratene Vermögen auf rund 2,5 Milliarden Euro. Die Aktie der Gesellschaft ist an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert, und zwar im Prime Standard, dem Marktsegment mit den höchsten Transparenzanforderungen.

www.dbag.de