Blickpunkt

Kreativität und Innovationen fördern
Mit dem Innovationsansatz Design Thinking

Unsere Gesellschaft wird komplexer. Digitalisierung und Globalisierung verändern die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten. Viele Unternehmen erleben einen wachsenden Veränderungsdruck und müssen lernen, effektiv mit Komplexität umzugehen. Dabei hilft der Innovationsansatz Design Thinking.

Die Methode Design Thinking hat sich insbesondere in den letzten 15 Jahren in der Wirtschaft etabliert – weltweit profitieren Unternehmen und Organisationen von dem Innovationsansatz und der dazugehörigen Arbeitskultur, mit dem Probleme schneller gelöst und Innovationen vorangetrieben werden können.

Ursprünglich wurde das Konzept als Kreativ- und Innovationsmethode für Konsumgüter entwickelt. Produkte sollten sich stärker an den Bedürfnissen der Kunden und Konsumenten orientieren. Mittlerweile hat sich Design Thinking als Innovationsansatz für Services und Geschäftsmodelle, aber auch branchenübergreifend für Unternehmen und gesellschaftliche Bereiche entwickelt – überall dort, wo es um die Lösung komplexer Probleme geht.

Es ist ein Mindset und ein Ansatz, mit dem man im gemischten Team innovative Lösungen für komplexe Probleme entwickeln kann. Im Gegensatz zu vielen Herangehensweisen in Wissenschaft und Praxis stehen die Nutzerwünsche und -bedürfnisse sowie nutzerorientiertes Erfinden im Zentrum. Wir schauen durch die Brille des Nutzers auf das Problem und erschließen uns dadurch völlig neue Möglichkeitsräume.

An der HPI School of Design Thinking in Potsdam haben wir ein Konzept für den Innovationsansatz entwickelt, der sich auf drei Kernelemente fokussiert. Diese geben Antworten auf die Arbeitskultur prägende Fragen:

1. Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?

In Kollaboration: Einzelkämpfertum und kompetitives Arbeiten werden durch das Zusammenarbeiten ersetzt. Wir setzen dabei auf divers zusammengesetzte Teams (Gender, Persönlichkeit, Fachkompetenz, kultureller Hintergrund), denn komplexe Fragestellungen brauchen auch eine komplexe Konstellation zur Lösung. „Team of Teams“ nennen wir den Modus, denn auch die Teams teilen regelmäßig ihre Erkenntnisse mit den anderen Teams.

2. Welche Arbeitsmethode ist die richtige?

Iterative Prozesse: Lineare Denk- und Arbeitsprozesse, die im analogen Zeitalter wunderbar funktioniert haben, sind in digitalen, immer stärker vernetzten Zeiten mehr oder weniger obsolet. „Endproduktdenken“ muss mehr und mehr durch „Arbeiten mit Prototypen & Denken in Versionen“ abgelöst werden. Arbeitsprozesse bewegen sich in Schleifen und erlauben Fehler. Dabei sollte die Fokussierung im Arbeitsprozess nicht (nur) auf das Machbare, sondern auf das Wünschbare abzielen. Im Design-Thinking-Prozess mit den Schritten „Verstehen – Beobachten – Sichtweise definieren – Ideen finden – Prototypen entwickeln – Testen“ stehen dabei die Wünsche des Menschen immer im Mittelpunkt.

3. Wo arbeiten wir in Zukunft?

In flexiblen und veränderbaren Arbeitsumgebungen. Der Arbeitsplatz wird zu einem variablen Ort der kreativen Zusammenarbeit. In Zeiten der immer stärker werdenden Agilität bedarf es physischer Räume, die Kollaborationen und prototypisches Arbeiten unterstützen und Teilnehmenden Möglichkeiten bieten, neue Erfahrungen zu sammeln. Tradierte Lern- und Arbeitsräume, wie wir sie aus Schulen und Universitäten kennen, die wir aber leider auch in Unternehmen antreffen, sind dafür nicht geeignet. Abgeschlossene Einzel- oder Zweierbüros bilden das kompetitive Wissensansammeln ab. Sie eignen sich nicht für eine synergetische Kollaboration. Design Thinking baut daher auf entsprechend optimierte räumliche Gegebenheiten. Wir haben an der HPI D-School zum Start vor 15 Jahren eigene, flexibel bewegbare Möbel entwickelt, die mittlerweile als „Design Thinking Line“ in vielen hundert Unternehmen in ganz Europa zu finden sind.

Diese drei Kernelemente werden bei uns mit der gleichen Relevanz behandelt. Und alle sind relevant für die Veränderungsprozesse, die Unternehmen und Organisationen gerade durchlaufen.

Kein Allheilmittel

Design Thinking ist dennoch kein Allheilmittel, um die alltäglichen Probleme in Unternehmen zu lösen. Es eignet sich besonders bei komplexen Fragestellungen – solche, die man im Unternehmen gerne an externe Berater vergibt. Um einen Kulturwandel in Organisationen voranzutreiben, um Prozesse neu zu denken und innovative Produkte und Services zu entwickeln, lassen sich mit der Methode ungeahnte Potenziale im Unternehmen freisetzen. Dabei ist eine Unterstützung durch die Geschäftsführung von großer Bedeutung. Sie muss dafür sorgen, dass geschützte Räume entstehen, in denen Mitarbeitende den neuen Modus ausprobieren können.

In den kollaborativen Modus umschalten

Sie sollten vor allem möglichst schnell vom kompetitiven Lern- und Arbeitsmodus des 20. Jahrhunderts auf einen kollaborativen Modus umschalten. Die nach Abteilungen und Bereichen geordnete Struktur in Unternehmen wird sich zugunsten eines vernetzten Gefüges mit fluiden Grenzen und Kompetenzbereichen auflösen. Vernetzung, Enthierarchisierung, das Entwickeln und Konzipieren im Team, das Öffnen und Teilen von Wissen über Fachbereiche hinaus: Diese Faktoren stellen einen radikalen Wandlungsprozess dar, der für Unternehmen nicht mehr optional sein kann.

Die Führungskraft wird in kollaborativen Unternehmensprozessen zum „Enabler“, der die Entfaltung der einzelnen Potenziale in seinem Team ermöglicht und gegebenenfalls im Sinne der gemeinsamen Strategie moderiert. Dann ist auch nicht mehr die klassische Hierarchie das Maß der Dinge, sondern das Netzwerk und die gemeinsame Verantwortung für das kollaborative Gelingen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Vernetzung immer nur so gut ist wie die Menschen, die diese möglich machen und mit Leben und Werten füllen. Daher ist es zentral, dass alle Akteure im Unternehmen die Methode erleben, eine Macher-Mentalität erlangen, um das Mindset wirklich zu verinnerlichen. Es muss eine Kultur im Unternehmen herrschen, die die Methode zulässt und bereit ist, sich damit weiterzuentwickeln.

Experimentierräume schaffen

Unternehmen können damit starten, geschützte Experimentierräume zu schaffen, in denen sich Mitarbeitende ausprobieren können, Räume, die ein Scheitern erlauben. Sie können damit anfangen, Teamleistungen statt Einzelleistungen zu belohnen. Für Unternehmen, die sich im Transformationsprozess von einer trennenden Silodenke hin zu einer vernetzten, kollaborativen Denk- und Arbeitshaltung befinden, ist Design Thinking ein wunderbares Instrumentarium, um sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren.

Außerdem gibt es für Unternehmen viele Möglichkeiten, um schon mit kleinen „Hacks“ einen Wandel der Kultur zu initiieren. Sie können zum Beispiel mit den Räumen beginnen, Rollen an Möbel schrauben und Wände beschreibbar machen, um die Arbeit in einem Besprechungsraum flexibler zu gestalten.

Einen ersten Einblick in die Methodik und eine innovative Arbeitsumgebung können Unternehmen an der HPI School Design Thinking im Rahmen eines Studierendenprojektes erhalten. Gemeinsam mit uns entwickeln sie eine Fragestellung aus dem eigenen Organisationskontext, die sogenannte Design Challenge, die ein multidisziplinäres Studierendenteam dann mit dem Projektpartner bearbeitet. So konnten wir schon hunderte Unternehmen aus verschiedensten Branchen auf ihrem Weg zum Transformationsprozess begleiten.

www.hpi-academy.de