Blickpunkt

Langfristig denken
Warum sich vorausschauendes Investieren lohnt

Ein antizyklisches Agieren und eine langfristige Investitionsstrategie können sich für Unternehmen in der Krise auszahlen. Die Redaktion sprach darüber mit Thorsten von Killisch-Horn, Geschäftsführer der Goldbeck Südwest GmbH.

Warum ist es für Unternehmen wichtig, auch in Krisenzeiten in ausgewählte Projekte zu investieren und nicht alles auf null herunterzufahren?

Investitionen sind eine wichtige Determinante für die Wirtschaftsstabilisierung, allen voran durch Unternehmen und die öffentliche Hand. Abseits des volkswirtschaftlichen Gemeinnutzes haben Investitionen in Krisenzeiten natürlich besonderen unternehmerischen Nutzen. Wir können beobachten, wie fluide gerade etablierte Geschäftsmodelle sind. Man denke nur an die Automobilzulieferer, die kurzerhand Desinfektionsmittel herstellen. Es gibt aber auch Profiteure der Krise. Dem veränderten Kaufverhalten folgen die Logistikströme. In einer so dynamischen Zeit und sich wandelnden Wertekultur sind die Fähigkeit zur Transformation bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten entscheidende Wettbewerbsvorteile. Beides lässt sich durch gezielte Investitionen in sorgfältig ausgewählte Projekte vereinbaren.

Was für Projekte meinen Sie konkret?

Bei Goldbeck erleben wir viele Unternehmer, die jetzt in nachhaltige Immobilien investieren. Immobilien, die dazu beitragen, die Effizienz im Unternehmen zu steigern und Ressourcen zu schonen. Wenige Tage bevor die Präventionsmaßnahmen wegen Corona in Kraft traten, haben wir zum Beispiel den Auftrag zum Bau eines Logistikgebäudes nebst Bürokomplex von der Aqmos Wasseraufbereitung GmbH erhalten. Obwohl viele Wochen Planung vorausgingen, hätte ihn die Vertragsunterzeichnung einige schlaflose Nächte gekostet, erzählte mir der Geschäftsführer Marco Wengel. Das Bürogebäude sehe auch Mietflächen vor. Einnahmen, die fest einkalkuliert seien. Die angeschlossene Logistikhalle könnte bei rückläufiger Kaufkraft plötzlich zu groß sein. Vor ein paar Tagen habe ich nochmals mit Aqmos gesprochen. Heute stellt sich die Entscheidung als goldrichtig heraus. Eine vorausschauende Lagerplanung hatte es dem Unternehmen in der Zwischenzeit ermöglicht, durch die Grenzschließung bedingte Lieferengpässe zu überbrücken. Der Neubau wird die Kapazität erhöhen und Prozesse optimieren – und damit das weitere Unternehmenswachstum auch über die Krise hinaus sichern. Ähnliche Signale erreichten uns von der G.U.T. Offenburg KG, ein Fachgroßhandel für Gebäude- und Umwelttechnik, der ebenfalls kürzlich ein Logistikzentrum mit Büro beauftragt hat. Geschäftsführer Martin Bitsch ist sich sicher, dass die Investition gerade vor dem Hintergrund der Energiewende eine fundamentale Rolle spielt. Einer unserer Stammkunden, der Logistiker DSV, berichtete, dass man die langfristig angelegte Strategie zur Stärkung und zum Wachstum des Unternehmens nicht der Krise unterordnen werde. Unternehmen, die sich jetzt clever für die Zukunft aufstellen, werden nach der Krise mit Kraft und erfolgreich durchstarten und verlorenes Terrain aufholen können. Sie werden die Gewinner der Zukunft sein.

Thorsten von Killisch-Horn ist Geschäftsführer der Goldbeck Südwest GmbH.Goldbeck
Thorsten von Killisch-Horn ist Geschäftsführer der Goldbeck Südwest GmbH.

Nach der Krise ist vor der Krise. Welche Investitionen in der Vergangenheit haben sich denn in der Corona-Pandemie für Goldbeck bewährt?

Goldbeck ist ein gesundes und starkes Unternehmen, wir haben in der Vergangenheit nachhaltig gewirtschaftet, dabei Produkte entwickelt die im Zusammenspiel von Funktion, Wirtschaftlichkeit und Energieverbrauch größten Kundennutzen zum Ziel haben. Als Vorreiter der Branche haben wir früh in digitale Arbeitsmethoden investiert, darunter Digital Scrum, Building Information Modelling, Lean-Production oder Tools wie Skype und Teams. Besondere Wirkung zeigt die Entwicklung unserer rund 7.500 Menschen. Ich selbst bin erst seit Februar im Unternehmen. Seitdem erlebe ich eine außergewöhnlich offene Unternehmenskultur. Menschen, die gerade jetzt verantwortungsvoll, leidenschaftlich und empathisch agieren. Schon früh haben wir einen täglich tagenden Krisenstab ins Leben gerufen, der die Schutzmaßnahmen konsequent in allen Büros, Werken und auf den Baustellen koordiniert. Alle beweisen täglich, wie viel Innovations- und Improvisationstalent in ihnen steckt. Transparente Trennvorhänge im Baucontainer, mobile Waschstationen oder digitale Kaffeerunden sind Beispiele dazu. Aber auch mit Behörden hatten wir erste digitale Abnahmen oder mit einem Kunden einen virtuellen Spatenstich. Hierbei bewährt sich auch Goldbecks dezentrale Unternehmensstruktur. Sie schafft die Voraussetzungen, verantwortungsbewusst situationsgerechte Entscheidungen zu treffen. Wir passen uns an örtliche Gegebenheiten an und pflegen ein großes Netzwerk regionaler Partner. Alle diese Investitionen aus der Vergangenheit haben die Folge, dass unsere Liefer- und Produktionsketten in Takt sind und wir bislang nahezu keine Verzögerungen in den Baufortschritten verzeichnen.

Welche Chancen könnten sich Ihrer Ansicht nach aus der Krise heraus für die Unternehmen ergeben?

Ich könnte mir vorstellen, dass das veränderte Konsumverhalten zu einer Re-Regionalisierung von Wirtschaftskreisläufen führt. Dezentrale Versorgungsstrukturen werden wieder gestärkt und das kann Innovationspotenzial in der Lager- und Last-Mile-Logistik freisetzen. Die Ausschließlichkeit, dass es nur eine Lösung gibt, wird sich verändern. Ob Globalisierung, Kaufverhalten oder Geschäftsmodelle, die Vielfalt wird steigen. Ebenso spannend ist die Entwicklung der Arbeitskultur, die sich irreversibel verändert. Unternehmen und ihre Mitarbeiter finden heute kreative Wege, um arbeitsfähig zu bleiben. Die digitale Arbeitsplattform wird weiter Bestand haben, Büros als Treffpunkt für Projektarbeit und Netzwerk erhalten neue Bedeutung und der Glaube an Home-Office mit gleichzeitiger Kinderbetreuung ist etwas entzaubert. Wir machen jetzt Erfahrungen, die es uns in Zukunft ermöglichen werden, ideologiefrei zu diskutieren. Es entsteht etwas Neues. Darauf sind wir eingestellt.

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