Blickpunkt
Die News Dezember 2022

Maßgeschneidert anstatt „one size fits all“

Betriebliche Kinderbetreuung auf den Weg bringen

Kindererziehung ist heute längst nicht mehr nur Frauensache. Und trotzdem: Häufig sind es immer noch die Mütter, die sich im Alltag neben der Arbeit überwiegend um den Nachwuchs kümmern. Um Job und Familie in Einklang zu bringen, sind sie deshalb besonders auf eine gut funktionierende Kinderbetreuung angewiesen. Da Betreuungsplätze rar sind, spielen immer mehr Unternehmen mit dem Gedanken, ein eigenes Betreuungsangebot auf die Beine zu stellen. Was ist dabei zu beachten?

Markus Götte
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Kita|Concept

Voraussetzung zum (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt ist für Mütter und Väter gleichermaßen, dass sie ihre Kinder in guten Händen wissen. Aber Betreuungsplätze sind hart umkämpft: Laut einer Berechnung der Bertelsmann-Stiftung werden in Deutschland im Jahr 2023 über 380.000 Kita-Plätze fehlen. Eine unternehmenseigene Kinderbetreuung ist also ein echter Mehrwert, um Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu halten. Die gute Nachricht: Ob kleines oder großes Unternehmen, Familienunternehmen oder Konzern – es gibt immer eine passende Möglichkeit, die Beschäftigten bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Übrigens lässt sich unterscheiden zwischen einer rein betrieblichen Betreuung ausschließlich für Kinder von Mitarbeitenden des eigenen Unternehmens, und betriebsnahen Einrichtungen, die auch für Kinder aus den umliegenden Stadtteilen geöffnet sind. Um alle Möglichkeiten einzuschließen, sprechen wir im Folgenden von dem weiter gefassten Begriff der betriebsnahen Betreuung. Eine eigene Kinderbetreuung für Beschäftigte trägt zu einer familienbewussten Personalpolitik bei – aber nicht nur das. Weitere Pluspunkte: Sie wirkt sich nachweislich positiv auf Arbeitgeberattraktivität, Motivation, Loyalität und Betriebsklima aus.

Komplexes Feld – viele Optionen

Die ersten Schritte auf dem Weg zur unternehmenseigenen Kinderbetreuung stellen die Akteure häufig vor große Herausforderungen. Denn das Feld ist komplex, die Gestaltungsmöglichkeiten riesig. Es müssen viele Informationen eingeholt werden, zugleich gilt es, unzählige Vorgaben und Auflagen zu beachten. Wesentliche Faktoren sind dabei unter anderem:

  • im Vorfeld den konkreten Bedarf im Unternehmen zu ermitteln
  • sich intensiv über die Förderbedingungen zu informieren
  • eine geeignete Immobilie ausfindig zu machen
  • den passenden Träger zu finden

Den Bedarf ermitteln

Bei der Ausgestaltung der betriebsnahen Kinderbetreuung ist die Bandbreite groß. Die Betreuungsform sollte sich an den individuellen Gegebenheiten in den Unternehmen orientieren. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Das perfekte Modell per se gibt es nicht, sondern es muss passgenau zugeschnitten sein, damit es ein echter Mehrwert für alle ist. Wenn das Unternehmen an einer eigenen Kinderbetreuung interessiert ist, sollte man sich daher im ersten Schritt intensiv damit auseinandersetzen, den Bedarf genau zu analysieren. Zentrale Fragen sind unter anderem:

  • Wie groß ist der Bedarf an Betreuungsplätzen im Unternehmen aktuell und – ganz wichtig – wie entwickelt sich der Bedarf künftig?
  • Benötigen die Mitarbeitenden auch langfristig einen betriebsnahen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs?
  • Für welche Altersgruppen besteht der Bedarf – sollen eher jüngere oder ältere Kinder betreut werden, oder ist eine altersgemischte Betreuung gefragt?
  • Wo besteht der Bedarf? Werden die Betreuungsplätze in der Nähe des Betriebs oder eher nah am Wohnort der Beschäftigten benötigt – zum Beispiel, wenn ein Großteil der Beschäftigten regelmäßig im Homeoffice arbeitet? In diesem Kontext spielt auch der Standort des Unternehmens eine zentrale Rolle: Firmen, die zentral gelegen sind, haben oft andere Bedarfe als eher ländlich gelegene Unternehmen. Noch komplexer wird die Lage, wenn ein Unternehmen mehrere Standorte in unterschiedlichen Kommunen oder sogar Bundesländern hat.

Aus der eingehenden Analyse dieser und weiterer Faktoren ergibt sich dann schließlich die passende Betreuungsform. Dies kann beispielsweise eine Großtagespflege mit bis zu neun Kindern unter drei Jahren sein, aber auch eine Kita mit 20 oder mehr altersgemischten Plätzen. Dabei können die Einrichtungen entweder nur für den Nachwuchs der eigenen Mitarbeitenden oder auch für Kinder aus der Umgebung geöffnet sein, was wiederum finanzielle Vorteile mit sich bringen kann. Werden unternehmensintern nur wenige Betreuungsplätze benötigt, kann auch eine Verbundlösung eine gute Möglichkeit sein: Hier teilen sich mehrere Unternehmen eine Betreuungseinrichtung und so auch die damit verbundenen Betriebskosten. Manche Einrichtungen bieten auch ein Belegplatzmodell an, bei dem ein Unternehmen die Einrichtung nicht selbst (mit)betreibt, sondern ein festes Kontingent an Belegplätzen für seine Mitarbeitenden bucht. Auch dies kann für geringeren Betreuungsbedarf im Unternehmen eine gute Option sein. Geht es überwiegend darum, Eltern während der Urlaubsmonate zu entlasten, bietet sich auch eine betriebliche Ferienbetreuung für Schulkinder an.

Kita|Concept

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Im Kontext der betrieblichen Kinderbetreuung gilt es, eine Reihe an Förderbedingungen und -möglichkeiten zu berücksichtigen. Grundsätzlich bestehen in Deutschland auf diesem Gebiet sehr gute Möglichkeiten der Förderung, sodass je nach Region mitunter nahezu 100 Prozent der Betriebskosten durch die passende Förderung refinanziert werden können. Dies variiert jedoch von Bundesland zu Bundesland stark, und auch die Kommunen haben zum Teil Einzelregelungen getroffen, die man mit ins Blickfeld nehmen sollte. Sich vorab einen umfassenden Überblick über die regionalen Fördermöglichkeiten zu verschaffen, ist für die weitere Planung, Beantragung und Ausgestaltung der Betreuung unverzichtbar. Dieses Feld ist sehr komplex und zugleich kann eine Förderung nur von Trägern der Jugendhilfe abgerufen werden. Das unterstreicht die Wichtigkeit der weiter unten beschriebenen Partnerschaft mit einem passenden Träger für die geplante Einrichtung.

Was ist bei den Räumlichkeiten zu beachten?

Ist die Entscheidung für eine betriebliche Kinderbetreuung gefallen, stellt sich unmittelbar die Frage nach den Räumlichkeiten für die Betreuung. Wichtig ist es, dass man auch hierbei den tatsächlichen Betreuungsbedarf fest im Blick hat, da sich die räumliche Gestaltung maßgeblich hiernach richtet. Benötigt das Unternehmen die Betreuung in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes, kann es sich anbieten, unternehmenseigene Räumlichkeiten zur Nutzung entsprechend umzubauen. Ist dies nicht ohne Weiteres möglich oder werden die Betreuungsplätze an anderer Stelle benötigt, geht es darum, eine geeignete Immobilie zur Nutzung zu finden – was je nach Standort eine Herausforderung sein kann. Weitere zentrale Faktoren, die die Räumlichkeiten und ihre Gestaltung beeinflussen, sind, neben behördlichen und gesetzlichen Vorgaben, natürlich die Anzahl der Betreuungsplätze und die Altersspanne der zu betreuenden Kinder.

Den passenden Träger als Partner gewinnen

Es ist gesetzlich geregelt, dass Unternehmen ihre Kinderbetreuung nicht alleine betreiben dürfen, sondern immer ein Träger der freien Jugendhilfe involviert sein muss. Für Unternehmen ist es dabei essenziell, den passenden Partner als Träger zu finden. Vor allem, wenn innerhalb des Unternehmens noch keine große Expertise auf dem Feld der Kinderbetreuung aufgebaut werden konnte, ist es empfehlenswert, einen erfahrenen Träger an Bord zu haben, der in allen angrenzenden Aktionsfeldern beraten und somit ganzheitlich unterstützen kann. Besonders in der Frühphase der Planung ist es hilfreich, alle Informationen aus einer Hand zu erhalten – so lassen sich Zeitaufwand, Budget und Nerven schonen. Denn während die betriebliche Kinderbetreuung auf der einen Seite dazu beitragen soll, das Unternehmen gut für die Zukunft aufzustellen, soll sie auf der anderen Seite möglichst zeit- und ressourcensparend sein, um das Kerngeschäft nicht zu belasten. Es gibt ganz verschiedene Servicedienstleister mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Als Familienunternehmen ist es beispielsweise sinnvoll, einen Träger als Partner zu wählen, der zum eigenen Unternehmen passt und auf Besonderheiten und Wünsche individuell eingehen kann. Je nach Aufstellung kann der Träger seine Expertise in vielfacher Hinsicht einbringen – von der Planung der oben genannten Fördermöglichkeiten und Kostenstrukturen über die Abstimmung mit Behörden und Ämtern bis hin zum Ausstattungs- und Möblierungskonzept und der Organisation des laufenden Betriebs. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der pädagogischen Konzeption.

Bei der Partnerschaft zwischen Unternehmen und Träger wird idealerweise bereits zu Beginn besprochen, in welchen Bereichen und wie stark sich das Unternehmen selbst einbringen möchte, und welche Themenfelder überwiegend vom Träger übernommen werden. Gerade bei der pädagogischen Konzeption kann das Unternehmen auch gut eigene Schwerpunkte einbringen – so kann beispielsweise eine international tätige Firma einen Fokus auf Bilingualität setzen, während Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich das Thema Bewegung in den Mittelpunkt rücken können. Die Schwerpunkte sollten idealerweise wiederum bei der Gestaltung der Räumlichkeiten berücksichtigt werden.

Willkommen in der „Knipskiste“

Als freier Kita-Träger begleiten wir von Kita Concept Unternehmen verschiedener Größe und aus unterschiedlichen Branchen bei der Planung und Umsetzung ihrer Kinderbetreuung. Von der Großtagespflege über die Betriebskita bis hin zum Belegplatzmodell sind die Formen dabei vielseitig. Auch zahlreiche Familienunternehmen konnten mit uns den Schritt zur unternehmenseigenen Kinderbetreuung erfolgreich meistern. So haben wir beispielsweise gemeinsam mit dem in Wuppertal ansässigen, weltweit agierenden Zangenhersteller Knipex eine eigene Betriebskita aufgebaut. Die altersgemischte Kita des unabhängigen Familienunternehmens, die „Knipskiste“, befindet sich auf dem Betriebsgelände des Knipex-Werks in Wuppertal-Cronenberg. Mit dem Betreuungsangebot hat sich das Familienunternehmen schon 2012 entschieden, mit damals zunächst 13 Kitaplätzen seine Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. Mittlerweile werden in der „Knipskiste“ 48 Kinder von 0 Jahren bis zum Schuleintritt betreut. Die Kita verfügt neben abwechslungsreichen Aufenthaltsräumen, einem gemütlichen Snoozleraum und einer kindgerecht ausgestatteten Küche über ein schönes Außengelände in naturnaher Lage. Die enge Zusammenarbeit mit dem Kita-Team trägt dazu bei, dass Kinder und Eltern sich rundum gut aufgehoben fühlen.

www.kita-concept.de

Praxistipps

  • Berücksichtigen Sie nicht nur den jetzigen Betreuungsbedarf, sondern denken Sie für eine solide Planung unbedingt voraus – Wie wird sich der Bedarf künftig entwickeln?
  • Holen Sie sich Experten dazu. Sie müssen nicht alle Auflagen und behördlichen Vorgaben selbst im Blick behalten.
  • Auch wenn die „Betriebskita“ vielleicht der gängigste Begriff ist – denken Sie daran, dass dies nur eine von vielen Möglichkeiten ist und Sie aus einer ganzen Bandbreite die Betreuungsform wählen sollten, die am besten zu Ihrem Unternehmen passt.
  • Aufgabenteilung: Überlegen Sie zu Beginn des Projekts gemeinsam mit Ihrem Träger, welche Aufgaben Sie inhouse übernehmen möchten (und können), und welche Bereiche Sie komplett an den Träger auslagern.
  • Auch wenn es anfangs einige Hürden gibt, die groß erscheinen können: Bleiben Sie dran! Das Ergebnis, Ihre eigene betriebsnahe Kinderbetreuung, wird sich am Ende als elementarer Bestandteil Ihres zukunftsfähigen Unternehmens bezahlt machen.

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