Nachfolger im Gespräch
Die News Januar/Februar 2022

Mit Doppelspitze in die Zukunft

Harmonischer Generationswechsel bei Huf Haus

Seit April 2021 lenkt mit Benedikt und Christian Huf bereits die vierte Generation die Geschicke von Huf Haus, einem Familienunternehmen aus dem Westerwald. Im Interview erzählt der geschäftsführende Gesellschafter Christian Huf unter anderem, wie sich aus seiner Leidenschaft für Holz nach und nach der Wunsch entwickelte, Verantwortung an der Spitze des Traditionsbetriebs zu übernehmen.

Hendrik Fuchs
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Huf Haus

War es für Sie irgendwie immer schon klar, dass Sie eines Tages die Geschäftsleitung bei Huf Haus übernehmen werden beziehungsweise gab es in dieser Richtung eine gewisse Erwartungshaltung seitens der Familien?

Mein Vater und auch später mein Onkel haben mir karrieretechnisch nie reingeredet und mich zu keinem Zeitpunkt – sei es in meiner Kindheit oder Jugend – eine gewisse Erwartungshaltung oder gar Druck spüren lassen. Ich durfte mich frei entfalten, dafür bin ich beiden sehr dankbar. Zudem gab es neben meinem Cousin und mir noch vier weitere Nachkommen – also sechs potenzielle Nachfolger –, was dem Ganzen letztlich eine gewisse Gelassenheit verliehen hat. Dass ich einmal die Geschäftsleitung des Familienunternehmens übernehmen werde, war anfangs gar nicht mein Fokus. Aber relativ früh war mir klar, dass ich zu einem für mich passenden Zeitpunkt in das Familienunternehmen einsteigen möchte, was ich dann auch im Jahr 2014 tat. Damals startete ich in einem unserer Verkaufsbüros mit Musterhaus in Stuttgart. Erst nach und nach reifte in mir der Gedanke, später zusammen mit meinem Cousin an die Spitze des Betriebs zu rücken.

Wie sah Ihr Weg bis dahin aus?

Nach Abitur und Wehrdienst ging es zum BWL-Dualstudium an die DHWB in Mosbach. Dort erwarb ich unter anderem auch Spezialwissen im Bereich Holzhandel/Holzwirtschaft. Holz als Werk- und Baustoff oder als Handelsware hat mich bereits als Kind und auch während meiner Jugendzeit als Ferienjobber im Unternehmen immer begleitet und fasziniert. Dadurch hat sich eine gewisse Affinität zum Unternehmen entwickelt, ohne dass ich das als Druck empfunden habe, in eine bestimmte Richtung gehen zu müssen. Das Dualstudium war so angelegt, dass ich im Wechsel jeweils drei Monate studierte und in einem Ausbildungsbetrieb arbeitete. Natürlich hätte ich auch unser Familienunternehmen als Ausbildungsstätte wählen können, aber das wollte ich nicht. Stattdessen habe ich mich ganz bewusst bei einer anderen Firma beworben, die im Bereich Holzhandel aktiv ist und die in keiner Verbindung zu unserem Unternehmen stand. Ich wollte mich aus eigener Kraft in der Fremde durchboxen – also ohne Vitamin B oder dergleichen. Die Tätigkeit hat mir dann schließlich so gut gefallen, dass ich nach dem Studium dortgeblieben bin.

Drei Generationen: Benedikt, Franz, Georg und Christian Huf. Huf Haus

Wie lief der Nachfolgeprozess ab? Wie sind Sie in Ihre Aufgaben hineingewachsen?

In unserem Musterhaus in Fellbach bei Stuttgart war ich rund zwei Jahre tätig. In dieser Zeit konnte ich das Unternehmen als verantwortlicher Fachberater kennenlernen, vor allem von außen aus der Ferne, weniger von innen heraus. Dieser Einstieg war aber noch nicht Teil des Nachfolgeprozesses. Erst danach nahm es immer konkrete Züge an, als ich weitere Stationen in der Zentrale des Unternehmens durchlaufen hatte, etwa als Leiter einer Abteilung, die alle Projekte entwickelt und steuert. Das ermöglichte mir doch einen sehr umfassenden Einblick in die Firma. Die vielen regelmäßig stattfindenden Treffen innerhalb der Familie und eine immer intensiver werdende Kommunikation untereinander ließen dann den Entschluss reifen, einen Plan zu entwerfen, wie das Unternehmen an die vierte Generation weitergegeben werden kann. Zusammen mit meinem Cousin habe ich überlegt, wo unsere Stärken liegen, wo wir jeweils unsere Prioritäten setzen möchten, denn am Ende ist es eine Entscheidung fürs Leben. Das heißt, alle Aufgaben müssen so ausgewählt sein, dass man sie nicht nur ein Leben lang macht, sondern auch Spaß daran hat. Mein Cousin ist heute eher der „Innenminister“, der sich um alles Kaufmännische kümmert, während ich mich als „Außenminister“ sehe, der unter anderem im Verkauf und Marketing verantwortlich ist. Entsprechend habe ich mich weitergebildet. Was ich in dieser Phase schmerzlich vermisst habe, ist mein Vater, der vor rund zehn Jahren verstorben ist und für mich immer ein wichtiger Mentor und Ansprechpartner war. Diese Rolle hat dann mein Onkel übernommen, so gut er eben konnte.

Wichtig war uns allen, dass wir, wie bereits in der dritten Generation mit meinem Vater und meinem Onkel, jetzt auch wieder eine Doppelspitze im Unternehmen haben. Das sorgt für Sicherheit, sollte einmal einer ausfallen, was wir ja leider am eigenen Leib mit dem Tod meines Vaters miterleben mussten. Es sendet auch ein wichtiges Signal zum Beispiel an die Belegschaft und Banken.

Was war Ihnen und Ihrem Onkel im Nachfolgeprozess besonders wichtig?

Aus der Erfahrung heraus, selbst einen nicht ganz optimalen Nachfolgeprozess durchlaufen zu haben – mein Großvater war ein Chef „der alten Schule“ –, wollten mein Onkel und mein Vater es bei ihrem Stabwechsel anders machen. Mein Onkel hat das innerhalb der Familie so nicht nur signalisiert, sondern es tatsächlich auch eingehalten. Es lief alles sehr wertschätzend, auf Augenhöhe und mit einem riesigen Vertrauensvorschuss ab. Mir persönlich war es wichtig, dass ich mit ganzem Herzen hinter diesem Lebensprojekt stehen kann und mich meine Familie, vor allem meine Frau, unterstützt. Zudem möchte ich eine Firma führen, in der das Prinzip Familienunternehmen Tag für Tag gelebt wird.

Nicht jede Nachfolge ist von Erfolg gekrönt. Inwieweit hatten Sie einen Plan B in der Tasche?

Für mich kann ich noch nicht sagen, ob die Nachfolge geklappt hat – vielleicht auf dem Papier. Sie ist eigentlich nur dann gelungen – das ist mein eigener Anspruch –, wenn ich das Unternehmen später wiederum an die nächste Generation, zum Beispiel an meine kürzlich geborene Tochter, übergeben kann. Daran werde ich am Ende gemessen. Es geht also um einen langfristigen Fokus. Bislang fühlt sich jedenfalls alles gut an.

Einen Plan B gab es konkret nicht, beziehungsweise habe ich mir nie die Frage gestellt, ob ich einen brauche. Ich habe meine Karriere so aufgebaut, dass ich relativ schnell die Entscheidung hätte treffen können, einen branchennahen Plan B auszuarbeiten. Es hätte sich eventuell auch eine Alternative innerhalb der Firma beziehungsweise der Firmengruppe ergeben.

Das Familienunternehmen hat sich mit seiner innovativen Holz-Glas-Architektur in Fertigbauweise als europäischer Marktführer etabliert. Huf Haus

Wenn Sie zurückblicken: Was hat Ihnen die Nachfolge erleichtert? Was haben Sie unterschätzt?

Der regelmäßige Austausch innerhalb der Familie war besonders hilfreich. Außerdem war es toll zu sehen, dass alle Beteiligten trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere gemeinsam an einem Strang in die gleiche Richtung gezogen haben. Immer wenn es um Entscheidungen ging, haben alle in die gleiche Kerbe geschlagen. Was habe ich unterschätzt? Dass ich in einer Rolle als Unternehmer mit der Geburt meiner Tochter den Grundstein für die nächste Unternehmergeneration gelegt habe, diese Generation jetzt heranwachsen sehe und meiner Verantwortung gerecht werden muss – nicht nur als Familienvater, sondern auch als Familienunternehmer.

Wie hat sich das Unternehmen seit Ihrem Eintritt verändert?

Ich hoffe und denke, dass sich gar nicht so viel verändert hat, zumindest das, was uns als Familienunternehmen ausmacht – seien es unsere Werte oder der Umgang mit Mitarbeitern und Kunden, aber auch das im Jahr 1972 entwickelte unverkennbare Design unserer Häuser. Und das soll auch so bleiben. Wir sind kein Unternehmen, das grundsätzliche Strategiewechsel vornimmt und oder grundlegende Marktausrichtungen infrage stellt. Wir wissen mit unserer jetzt bald 110-jährigen Geschichte genau, wo wir herkommen. Uns sind unsere Wurzeln also sehr bewusst. Natürlich sind uns auch eigene Impulse wichtig, gerade in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Kundenansprache. Ich vergleiche uns da ein wenig mit einem 911er-Porsche. Die Silhouette ist seit Jahrzehnten unverkennbar, aber das Innenleben hat sich inzwischen gravierend verändert. Das lässt sich gut auf unsere Produkte übertragen.

Welche Tipps können Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben, die zwar nicht abgeneigt sind, das Unternehmen ihrer Eltern oder Verwandten zu übernehmen, aber noch zögern?

Wenn ich auf meine bisherige Karriere zurückblicke, fand ich es immer wichtig, meine erste berufliche Erfahrung nicht im, sondern außerhalb des Familienunternehmens gemacht zu haben. Das würde ich auch jedem empfehlen. Und wenn man den Schritt ins Unternehmen der Eltern oder Verwandten wagt, sollte man immer an der Basis anfangen, also nicht aus dem Studium heraus gleich in die Geschäftsleitung gehen. So kann man sich relativ schnell die Akzeptanz der Belegschaft erarbeiten und wird nicht als Sprössling vom Chef abgestempelt. Zudem würde ich allen raten, auch den Austausch mit Gleichgesinnten zu suchen, was mir bei meiner Entscheidung, diesen Weg zu gehen, sehr geholfen hat.

Kurz vorgestellt

Huf Haus mit seinen knapp 420 Mitarbeitenden blickt auf eine bald 110-jährige Firmengeschichte zurück und verfügt über fundiertes Know-how in der Planung und Realisierung einzigartiger Designhäuser. Bereits Anfang der 70er-Jahre entwickelte Huf-Architekt Manfred Adams die Holz-Glas-Architektur in Fertigbauweise und revolutionierte mit der offenen Architektur das klassische Fachwerk. Heute wird das Familienunternehmen in vierter Generation geführt und hat sich – ausgezeichnet mit dem Prädikat „Hidden Champion“ – als europäischer Marktführer für das moderne Fachwerkhaus etabliert. Künftige Bauherren können sich derzeit in 18 Musterhäusern an 13 Standorten in Deutschland von der hohen Ausführungsqualität der energieeffizienten Architektenhäuser überzeugen. Dank der Firmengruppe mit sechs Tochterunternehmen bietet Huf Haus die gesamte Leistungskette für ein Bauprojekt aus einer Hand ab – für einen entspannten Planungs- und Bauprozess.

www.huf-haus.com