Nachfolger im Gespräch

Mit Fahrplan zum Wechsel
Unternehmensnachfolge beim BTB-Bildungsinstitut

Sabine Mack

Bei der Nachfolge in einem Familienunternehmen ist ein strukturierter Fahrplan entscheidend. Er schafft die Basis, um die mit dem Wechsel verbundenen Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Das eröffnet Entwicklungspotenzial für die Verantwortlichen und bringt Sicherheit für das Team. Ähnlich sieht es beim Thema Mitarbeiterbildung aus. Auch hier geht es um Fortschritt mit Plan, durch fundierte Inhalte und gemeinsame Ziele.

Was also tun, wenn wie beim BTB-Bildungsinstitut die Themen Bildung und Nachfolge zusammentreffen? Wir fragen nach bei Jochen Meyer, der die Leitung des Familienunternehmens 2019 übernahm.

Herr Meyer, wie kam es zu Ihrer Entscheidung, in den elterlichen Betrieb einzusteigen? 

Wenn in der Familie ein Unternehmen betrieben wird, ist das ein Thema, das häufig auf der Gesprächsagenda steht: ob am alltäglichen Essenstisch, im Urlaub oder zu besonderen Anlässen – es wurde immer viel über die Entwicklung der Firma gesprochen. Daher ist das Unternehmen schon seit meiner Kindheit immer ein Stück weit präsent gewesen. 

Die Entscheidung, selbst in den Betrieb einzusteigen, kam dann nach meinen ersten Jahren der Berufserfahrung. Ich hatte in Berlin einige Jahre in der politischen Kommunikationsberatung gearbeitet und nach ein paar Stationen in Verbänden und Unternehmensberatungen etwas ernüchtert festgestellt, dass ich mir in dieser Branche keine langfristige Karriere wünschte. Parallel dazu näherte sich der angestellte Geschäftsführer in unserem Unternehmen dem Rentenalter, also kam der Wunsch von meiner jetzigen Frau und mir auf, von Berlin zurück in Heimat zu ziehen. So kam ich zu dem Entschluss, es sei ein guter Zeitpunkt, den Einstieg zu wagen. Mein Vater, der mir ein Engagement in der Firma schon mehrmals zuvor angeboten hatte und begann, sich Sorgen um die Übergabe zu machen, freute sich.

Das BTB-Bildungsinstitut hat sich dem Bereich der nebenberuflichen Aus- und Weiterbildung verschrieben. Wie wichtig ist für Sie persönlich das Thema Bildung?

Mein Bezug zum Thema (Weiter-)Bildung ist vor allem durch das elterliche Unternehmen geprägt. Die Vorstellung, in einem Unternehmen bzw. einer Branche zu arbeiten, in der die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen im Zentrum steht, hat mich immer begeistert. Die Bedeutung von Weiterbildungen und lebenslangem Lernen wird in unserer Gesellschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten sicher noch weiter an Bedeutung gewinnen und ich freue mich, dass wir als Unternehmen hier einen Beitrag leisten können.

Ein strukturierter Plan legt die Grundlage für einen erfolgreichen Wechsel.BTB Bildungsinstitut
Ein strukturierter Plan legt die Grundlage für einen erfolgreichen Wechsel.

Gab es von Beginn an einen festen Plan für Einarbeitung und Übergabe?

Es stand von Beginn an fest, dass ich nach einer kurzen Orientierungsphase durch die verschiedenen Abteilungen fortan als Prokurist, neben eigenen Projekten vom damaligen Geschäftsführer, über eine bestimmte Zeit eingearbeitet werden sollte, um die Stelle dann während einer Übergangsfrist von sechs Monaten zunächst mit ihm zu teilen. Durch diesen Zeitplan war eine entspannte und geordnete Übergabe möglich.

Welche einzelnen Stufen wurden beschritten?

Ich begann im November 2017 als Projektmanager und erlangte nach etwa einem halben Jahr die Prokura. Da meine Einstellung von vornherein auf die Übernahme der Geschäftsführertätigkeit nach anderthalb bis zwei Jahren abzielen sollte, war die Prokura ein geeigneter Zwischenschritt, um mir vor der Berufung in die Geschäftsführung schon einige weitergehende Befugnisse zuteilwerden zu lassen.

Wie kann man sich die Übergabe interner und externer Aufgaben vorstellen?

Der angestellte Geschäftsführer, der zu dieser Zeit den Übergang in die Rente vorbereitete, identifizierte Stück für Stück seine Kernaufgaben, die er dann entlang des laufenden Geschäftsbetriebs erläuterte beziehungsweise gemeinsam mit mir erledigte. So konnte ich mich schrittweise und mit vollem Praxisbezug einarbeiten.

Was waren die besonderen Herausforderungen – für Sie, Ihren Vater, das Team?

Eine Herausforderung war es sicher, die vielen Arbeitsabläufe im Unternehmen in einer relativ kurzen Zeit kennenzulernen. Dabei half mir der Aufbau eines neuen Qualitätsmanagementsystems, der uns zwang, alle relevanten Arbeitsprozesse zu identifizieren und zu dokumentieren. So entstand eine aktuelle Bestandsaufnahme, an der ich mich gut orientieren konnte. Mit meiner Eingliederung ins Team gab es bei uns keinerlei Probleme, auch, weil die Zielsetzung meiner Einstellung durch meinen Vater von vornherein offen an die Belegschaft kommuniziert wurde. Da mein Vater das Alltagsgeschäft in einem gewissen Maße schon vor meiner Einstellung an den angestellten Geschäftsführer übergeben hatte, fanden die meisten Übergaben nicht zwischen mir und meinem Vater statt.

Die frühzeitige Kommunikation an das Team schafft Vertrauen und Sicherheit.BTB Bildungsinstitut
Die frühzeitige Kommunikation an das Team schafft Vertrauen und Sicherheit.

Wann erfolgte die Übergabe der Hauptverantwortung? Welche Aufgaben übernimmt Ihr Vater heute?

Mit der Übernahme der Geschäftsführertätigkeit für das Alltagsgeschäft vom bis dato angestellten Geschäftsführer, das war Anfang 2019. Mein Vater hat sich aus dem Alltagsgeschäft weitestgehend zurückgezogen. Die übergeordnete und längerfristige strategische Ausrichtung des Unternehmens entwickeln wir nach wie vor gemeinsam.

Wo sehen Sie sich und das Unternehmen heute? Können Sie anderen potenziellen Nachfolgern einen Tipp geben?

Wir befinden uns mit unserem Kernthema Bildung in einer Wachstumsbranche und unsere Geschäftszahlen entwickeln sich gut. Wie viele Unternehmen unterschiedlicher Bereiche sehen wir uns aber auch inmitten eines durch die Digitalisierung bedingten Wandels. Die Bedingungen für einen Generationenwechsel in Familienunternehmen können sehr unterschiedlich sein, daher kann ich keine pauschalen Tipps geben. Uns hat in jedem Fall sehr geholfen, ausreichend Zeit für eine Übergabephase einzuplanen und diesbezügliche Entscheidungen offen und frühzeitig an die beteiligten Personen und die komplette Belegschaft zu kommunizieren. 

Wie hat sich das Unternehmen seit der Übergabe entwickelt?

In den Jahren seit der Übertragung der Geschäftsführung konnten wir Schüler- und Kundenzahlen sowie Umsatz und Gewinn steigern. Zudem haben wir unsere Angebotspalette um neue Lehrgänge erweitert und mit zusätzlichen digitalen Inhalten modernisiert, so haben wir beispielsweise eigene Webinare eingeführt.

Was hätte rückblickend bei der Nachfolge besser laufen können? Was wurde von beiden Seiten unterschätzt?

Wir können uns in unserem Unternehmen über ein sehr gut eingespieltes und engagiertes Team freuen. Daher sind die Fehler, die wir mit Sicherheit gemacht haben – wer macht die nicht – gut aufgefangen worden.

Für das Zukunftsthema Mitarbeitergesundheit bietet das BTB-Bildungsinstitut zahlreiche Qualifikationen.BTB Bildungsinstitut
Für das Zukunftsthema Mitarbeitergesundheit bietet das BTB-Bildungsinstitut zahlreiche Qualifikationen.

Was ist für die Zukunft geplant?

Das Thema Digitalisierung wird uns mit Sicherheit weiter beschäftigen. Die Art- und Weise, wie, wann und wo wir lernen, ändert sich mit der Zeit. Als Fernlehr- und E-Learning-Institut sind wir aber von Natur aus in der Lage, flexibel zu reagieren. Eine Herausforderung wird es sein, immer wieder aufs Neue die optimale Balance aus klassischer Fernlehre, E-Learning und Praxisphasen zu finden. Das sind Herausforderungen, auf die wir uns als Team sehr freuen und denen wir uns mit vollem Elan stellen! 

Kurz vorgestellt

Das BTB-Bildungsinstitut wurde 1985 gegründet. Im Fokus steht eine moderne Kombination aus Fernlernen und praxisorientiertem Know-how. Dadurch können die Lehrgänge nebenberuflich absolviert werden. Finden im Rahmen der Ausbildungen Praxisseminare statt, sind diese bevorzugt an Wochenenden in der schulferienfreien Zeit geplant. Das erleichtert die nebenberufliche Weiterbildung auch für kleinere Unternehmen. Die Fachbereiche Prävention und Sport sind z. B. für Mitarbeiter relevant, die sich mit Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und Mitarbeitergesundheit beschäftigen. Der Fachbereich Psychologie & Pädagogik wiederum bietet Input für die systemische Beratung, die im Personalentwicklung und im Verkauf Anwendung findet.

www.btb.info