Nachfolger im Gespräch

Mit Meilenstein-Plan klares Ziel vor Augen
Nachfolge bei SK Laser auf gutem Weg

Hendrik Fuchs

Vor knapp zweieinhalb Jahren ist Dina Reit in das Unternehmen ihres Vaters, die SK Laser GmbH, einstiegen – fest entschlossen, die Nachfolge anzutreten. Im Interview erzählt sie, wie beide nach einem eher missglückten Start jetzt auf einem sehr guten Weg sind.

Dina Reit übernimmt ab 2025 die komplette Leitung der SK Laser GmbH.

War für Sie irgendwie immer schon klar, dass Sie einmal die Nachfolge im elterlichen Unternehmen antreten werden?

Nein, keineswegs. Ich war 13 Jahre alt, als mein Vater SK Laser gründete. Ich habe zwar immer schon in der Firma ausgeholfen, war hin und wieder auf Messen mit dabei oder bin auf dem ein oder anderen Youtube-Clip über das Unternehmen zu sehen, trotzdem war das für mich lange Zeit kein Thema. Das heißt, ich kannte zwar schon sehr früh die Materie, mit der sich mein Vater beschäftigte, habe mich aber anfangs nie im Maschinenbau gesehen. Das wurde gegenüber der Familie so auch früh kommuniziert.

So ging es für mich nach dem Abitur erst einmal zum Studium im Bereich Wirtschaftswissenschaften nach Frankfurt. Nach dem zweiten Semester habe ich beschlossen, ein Doppelstudium zu absolvieren und lernte noch Kunstgeschichte und Philosophie. Das war dann mein zweiter Bachelor. Kunstgeschichte war damals mein absolutes Herzensanliegen. Hier wollte ich mit meiner Karriere durchstarten und kam durch eine Empfehlung eines Professors zum Städelschen Kunstinstitut nach Frankfurt.

Wie kam es dann zur Annäherung an das Unternehmen Ihres Vaters?

Am Kunstinstitut habe ich relativ schnell gemerkt, dass dieser Weg doch nicht der richtige für mich ist. Stattdessen rückte mehr und mehr die Selbstständigkeit in meinen Fokus. Das Thema war ja von klein auf bei mir omnipräsent – sei es durch meinen Vater beim Abendessen, oder auch meine Großeltern sowie meinen Onkel und meine Tante, die ebenfalls alle unternehmerisch tätig waren. Und so suchte ich das Gespräch mit meinem Vater. Wichtig war mir, dass ich mit einer Nachfolge auf bereits Bestehendem aufbauen kann und nicht wie mein Vater bei null anfangen muss. Die ersten zwei Jahre der Gründungsphase meines Vaters haben mich doch sehr geprägt, da es eine entbehrungsreiche Zeit war. So wollte ich es nicht. Ich habe in einer Übernahme die Riesenchance gesehen, denn die Nachfolge in einem Familienunternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass Mitarbeiter, die Organisation, Produkte und Kunden bereits da sind. Als ich 2016 den Entschluss gefasst habe, diesen Schritt anzustreben, habe ich alles darauf ausgerichtet und ein Masterstudium in Wirtschaftswissenschaften draufgesetzt und auch die Auslandssemester entsprechend ausgesucht, etwa in England und Frankreich. 2019 bin ich dann bei SK Laser eingestiegen. Nach wie vor bin ich mit der Entscheidung, diesen Schritt zu wagen, immer noch sehr glücklich, denn mein Vater gibt mir genügend Freiheiten, das Unternehmen in die Richtung zu verändern, die ich für richtig halte.

Wie lief der Nachfolgeprozess bis jetzt ab?

Ehrlich gesagt, am Anfang sind wir relativ planlos gestartet. Als ich im August 2019 eingestiegen bin, war das nicht besonders gut getaktet, denn ab da war mein Vater erst einmal zwei Wochen im Urlaub. Ich hatte zudem anfangs die unausgesprochene Erwartung an mich selbst, dass ich sofort alles das können muss, was mein Vater kann. Das setzte mich unter einen enormen Druck, aber ich wollte mich als würdige Nachfolgerin erweisen. Rückblickend war das natürlich völliger Quatsch. Nach zwei Monaten – ich saß meistens zusammen mit meinem Vater im Büro – war uns beiden klar: So kann es nicht weitergehen, woraufhin ein harter Cut folgte. Seitdem läuft es richtig gut. In einem ersten Schritt habe ich mit jedem Mitarbeitenden über einen längeren Zeitraum zusammengearbeitet – also nicht nur in der Buchhaltung oder im Verkauf, sondern eben auch in der Produktion. Dort lernte ich, wie man Dinge sägt, bohrt und unsere Maschinen zusammenbaut. Dadurch stieg meine Lernkurve im technischen Bereich steil an, in dem ich bis dahin sehr wenig Erfahrung sammeln konnte. So bin ich heute in der Lage, unseren Kunden die Maschinen aus dem Effeff zu erklären. Der Grundstein dafür wurde mit dieser Zusammenarbeit gelegt. Positiv an dieser Herangehensweise war auch, dass ich ein sehr vertrauensvolles und respektvolles Verhältnis zu den Mitarbeitenden aufbauen konnte, denn da lief vieles auf Augenhöhe ab. Die Rollenverteilung war eher so, dass ich die jeweiligen Mitarbeitenden als „Chefs“ angesehen haben, die mich anleiten.

Sie haben auch eine Beraterin mit an Bord geholt …

Richtig, nach etwa vier Monaten. Sie kommt nach wie vor alle vier bis sechs Wochen zu uns. Sie spricht mit uns über die Nachfolge und bringt Struktur in die Prozesse. Das ist eine super Geschichte, denn man hat einen Dritten, einen Externen, mit am Tisch sitzen, der von außen draufschaut und anhand von Best-Practice-Beispielen mögliche Optionen aufzeigen kann. Ein weiterer Vorteil: Dadurch, dass ein Berater involviert ist, bleibt die Nachfolge trotz des Tagesgeschäftes im Fokus, sind wir gefordert, konstant am Thema dranzubleiben und den nächsten Schritt in Angriff zu nehmen – sei es der Gesellschaftervertrag, der Ehevertrag oder das Testament. Außerdem wurde am Anfang mit der Beraterin eine Analyse darüber gemacht, welche Aufgaben zu diesem Zeitpunkt mein Vater ausgefüllt hat und was davon von mir zwingend übernommen werden sollte – und welche Tätigkeiten auch von anderen ausgeübt werden könnten. Das hat sehr schön aufgezeigt, was ich tun muss, um das Unternehmen auf meine Bedürfnisse hin anzupassen . Das wäre etwa die Intensivierung des digitalen Marketings, da ich in diesem Bereich eine gewisse Stärke habe. Uns beiden wurde erst durch die Beraterin klar, dass wir die Firma so anpassen müssen, dass mein Vater überflüssig wird. Was folgte, war ein gemeinsam erarbeiteter Meilensteinplan, in dem zum Beispiel festgehalten ist, wann der Bereich Verkauf oder die Buchhaltung auf mich übergehen, aber auch solche Dinge wie, wann ich ins Chefbüro einziehe und mein Vater sein Büro räumt. Und natürlich steht da auch die finale Übergabe im Jahr 2025 drin. Das war für mich damals eine enorme Erleichterung, weil ich ab da wusste, dass ich nicht alles auf einmal können muss, sondern noch viel Zeit habe. Auch für meinen Vater war dann klar, dass das Unternehmen zum Zeitpunkt X anders aufgestellt sein muss. Diese Klarheit haben wir beide gebraucht. Inzwischen fällen wir alle Entscheidungen gemeinsam und kommunizieren das auch so gegenüber den Mitarbeitenden. Das signalisiert eine geschlossene Front.

Was hat Ihnen den bisherigen Nachfolgeprozess besonders erleichtert?

Dass mein Vater mir gegenüber in der Nachfolge sehr wohlwollend eingestellt ist und mir auch dahingehend großes Vertrauen entgegengebracht hat, dass ich schon das Richtige mit dem Unternehmen tun werde. Zudem habe ich zu Hause einen Ehemann mit einem ganz anderen Job, mit dem ich mich austauschen kann, der an mich glaubt und mir immer den Rücken gestärkt hat. Auch der viele Support innerhalb der Firma war und ist für mich sehr hilfreich. Inzwischen ist es sogar so: Wenn es um technische Fragen geht, werde ich als erster Ansprechpartner von den Mitarbeitenden angesehen. Das macht mich besonders stolz!

Dina Reit und ihr Vater Christoph Kollbach am Stammsitz in Wiesbaden-Nordenstadt.SK Laser
Dina Reit und ihr Vater Christoph Kollbach am Stammsitz in Wiesbaden-Nordenstadt.

Über welche Nachfolger-Netzwerke tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten regelmäßig aus?

Das ist für mich ein total wichtiges Thema, denn nach meinem Einstieg habe ich krampfhaft nach Vorbildern gesucht, besonders nach Frauen, die ein technisches Unternehmen übernommen haben. Damals hatte ich einen Artikel von Vanessa Weber gefunden, die viel weiter im Nachfolgeprozess war. Ich weiß noch genau: Als ich das gelesen hatte, war für mich klar, wenn sie das schafft, kann ich das auch hinbekommen. Irgendwann habe ich auch damit angefangen, ein bisschen darüber auf LinkedIn zu posten. Da hatte ich das Glück, dass sich andere Nachfolger mit mir vernetzt haben. Anfangs habe ich mich dann regelmäßig per Videocall mit drei Nachfolgerinnen ausgetauscht, die sich alle in einer ähnlichen Situation befanden wie ich. Jetzt ist es so, dass es durch meine Präsenz auf LinkedIn zum inspirierenden Daueraustausch mit Gleichgesinnten kommt.

Welche Tipps haben Sie an jungen Frauen, die ebenfalls mit einer Nachfolge im elterlichen Betrieb liebäugeln?

Man sollte das Thema Nachfolge auf jeden Fall probieren, auch als Frau in einem technischen Bereich. Wichtig ist es allerdings, sich in eine solche Materie einarbeiten zu wollen. Zudem würde ich allen empfehlen, einen Berater einzubinden. Das Allerwichtigste ist neben einem Meilenstein-Plan allerdings, sich genügend Zeit zu geben. Eine funktionierende Nachfolge innerhalb eines Jahres ist eher selten von Erfolg gekrönt. Und last but noch least müssen beide im Boot sein. Wenn sich nur der Nachfolger abstrampelt, wird die Nachfolge nicht gelingen. Der Senior muss also überzeugt sein, dass er übergeben möchte. Nachfolge ist Arbeit für beide.

www.sk-laser.de

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