Transport & Logistik

Nachhaltigere Kunstlogistik ist möglich
Familienunternehmen geht eigenen Weg

Dr. Thomas Schneider

1903 in Köln gegründet und heute in fünfter Generation inhabergeführt, verbindet Hasenkamp seit jeher Tradition und Innovation. Das Gute bewahren, offen sein für Neues und stetige Verbesserungen anstreben, lautet das Credo. Dabei orientiert sich das Familienunternehmen strategisch an ESG-Kriterien und legt als Logistiker einen klaren Fokus auf die Nachhaltigkeit der angebotenen Dienstleistungen. Das betrifft vor allem drei wesentliche Aspekte des Leistungsspektrums: die Lagerung, die Verpackung und den Transport von Kunst- und Kulturgütern.

Ob Skulpturen, Kunstwerke oder andere Ausstellungsstücke, wie hier ein Mammutskelett: Die Logistikprofis wissen Sorgfalt zu walten und begleiten ihre Fracht vom Verpacken beim Kunden bis zum Aufbau im Ziel-Museum.

Seit 2010 verpflichtet sich Hasenkamp im Zuge der ISO 14001 und 50001 zum aktiven Umwelt- und Energiemanagement. Damit werden konkrete Umweltziele verfolgt, wie die kontinuierliche Reduktion des Energieverbrauches oder die Minderung der Abfallmengen. Weiter erfasst und analysiert Hasenkamp seit gut zwei Jahren den CO2-Ausstoß seiner Dienstleistungen mit dem Ziel, Emissionen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren.

Emissionsfreie Lagerung von Kunst- und Kulturgut

An die Lagerung von Kunst- und Kulturgütern werden hohe Anforderungen gestellt, die in aller Regel mit einem hohen energetischen Aufwand einhergehen. Dem setzt das Unternehmen seit 2008 ein in Pionierarbeit entwickeltes Lagerkonzept entgegen: Kunstdepots der Hasenkamp Group zeichnen sich durch eine passivbau-ähnliche Bauweise aus, bei der isolierte, 45 cm starke Wand- und Deckenelemente die Gebäude gegenüber externen Temperaturveränderungen träge machen. Daneben wird der gesamte Energiebedarf zum Heizen und Klimatisieren der Depots über Geothermie bereitgestellt. Als erster Kunstlogistiker weltweit betreibt man damit emissionsfreie Kunstdepots. Die Lager erfüllen die Nachweisergebnisse des EEWärmeG zu 179,2 Prozent. Der Energiebedarf der Gebäude liegt bei lediglich 55 Prozent eines vergleichbaren Referenzgebäudes nach der Energiesparverordnung (EnEV) und erfüllt den KFW-Effizienzhaus 55 Standard.

Hasenkamp gehört zu den führenden Speziallogistikern für Kunst- und Kulturgut.Hasenkamp
Hasenkamp gehört zu den führenden Speziallogistikern für Kunst- und Kulturgut.

Bisher blieb somit lediglich der mittelbare CO2-Ausstoß durch den verwendeten Strom als umweltrelevante Komponente. Um diese Emissionen ebenfalls zu reduzieren, beziehungsweise den Energiebedarf in grüner Autarkie zu decken, rüsten Hasenkamp und Partnerunternehmen der Unternehmensgruppe die Kunstdepots nach und nach mit Photovoltaik (PV) aus. Die installierten PV-Anlagen erzeugen mehr Energie als für das gesamte Gebäude benötigt wird. Somit handelt es sich bei diesen Gebäuden um PlusEnergieDepots.

Die Kunst der Verpackung

Lagerung und Transport von Kunst- und Kulturgut setzen Spezialverpackungen voraus. Grundsätzlich bestimmt dabei das jeweilige Objekt die Art der Verpackung – ihre Nachhaltigkeit die verwendeten Materialien sowie ihre Wiederverwendung. Seit über 45 Jahren stellt das Familienunternehmen hochwertige, wiederverwendbare Klimakisten her und hat in Pionierarbeit bereits vor 20 Jahren die sogenannte Vario-Kiste entwickelt – beides in Form eines Miet-Systems. Die Vario-Kiste hat einen individuell einstellbaren, variablen Innenrahmen, der Objekte unterschiedlicher Größen ohne den Einsatz von zusätzlichem Polstermaterial sicher fixiert. Der Kisten-Pool umfasst über 1.000 Miet-Klimakisten in unterschiedlichen Größen, deren Wiederverwendung den Ressourceneinsatz minimiert. In Zahlen ausgedrückt, können allein dadurch jährlich über 200 Bäume erhalten werden.

Holz als idealer, nachwachsender Rohstoff

Sämtliche Verpackungslösungen der Unternehmensgruppe fertigen hauseigene Manufakturen, die vor allem auf den nachwachsenden Rohstoff Holz setzen. Dem liegt eine klare Entscheidung gegen weniger nachhaltige Kunststoff-Behälter zugrunde – sowohl aus ökologischen wie auch aus konservatorischen Gründen. Ein europaweites Netzwerk an Niederlassungen ist mit seinen kurzen und effizienten Transportwegen ein weiterer Trumpf angesichts einer nachhaltigeren Logistik: Acht Prozent der Hölzer für die Verpackungslösungen stammen aus Deutschland, gut 84 Prozent aus Europa. Beim Holzeinsatz selbst sorgt eine Schnitt-Software mittels Algorithmus für einen minimalen Verschnitt. Nicht vermeidbare Fertigungsabfälle hält Hasenkamp in geschlossenen Materialkreisläufen. So wird beispielsweise der Verschnitt des Polster-Schaumstoffs an den Lieferanten zurückgeführt und recycelt. Ein schickes, funktionales Äußeres erhalten die Hasenkamp-Transportkisten durch einen umweltfreundlichen Lack auf Wasserbasis. Langlebigkeit und Qualität der Verpackungslösungen ergeben sich aus hochwertigen Materialien und einem fortlaufenden Optimieren der Produktionsprozesse. Bis zu 98 Prozent der verwendeten Materialien wie Dämmstoffe, Anbauteile oder Kistengriffe sind heute wiederverwend- oder -verwertbar. Ein weiteres Beispiel der Optimierungen ist der Einsatz von selbstaufrichtenden Kistendichtungen, die dem Kistendruck dauerhaft über den gesamten Produktlebenszyklus standhalten sollen. Weiter arbeitet eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung an neuen, nachhaltigen und funktionalen Verpackungslösungen. Hieraus ergeben sich unter anderem innovative Fertigungsverfahren oder die Verwendung von Leichtbauhölzern, die das Gewicht bestimmter Transportkisten um bis zu 50 Prozent reduzieren – und damit auch die entsprechenden Transportemissionen.

Emissionsarmer Transport zu Land, Luft oder See

57 Prozent der von Hasenkamp eingesetzten Fahrzeuge entsprechen der modernsten Euro-6 Norm – die restlichen der Euro-5 Norm. Hinter diesen Zahlen verbergen sich Einsparpotenziale und niedrige Luftschadstoff-Ausstoßmengen, insbesondere auch, weil vermehrt E-Fahrzeuge hinzukommen. Neben dem Antrieb ist der effiziente Fahrzeugeinsatz eine zentrale Stellschraube. Die rund 40 Niederlassungen ermöglichen Anfahrten mit minimalen Leerkilometern. Darüber hinaus unterstützt ein KI-basiertes Transport-Management-System die Disponenten bei der nachhaltigen Auftragsplanung. Während der Fahrt berechnet ein Telematik-System mit aktuellen Verkehrsinformationen die ökologisch sinnvollste Route. Die Software spiegelt auch das Fahrverhalten und empfiehlt den geschulten Lenkern eine kraftstoffsparende Fahrweise. LKW wie auch Sprinter bewegen sie nachweislich unterhalb des Branchendurchschnitts.

Ein weiterer Ansatzpunkt, um die Nachhaltigkeit von Transporten zu steigern, ist die Erhöhung der Fahrzeugauslastung. Lässt ein Auftraggeber es zu, können Sendungen mit derselben Richtung unterschiedlicher Auftraggeber auf einem Großteil der Beförderungsstrecke gemeinsam transportiert werden. Abhängig von dem zu transportierenden Objekt prüft Hasenkamp auch alternative Verkehrsträger – insbesondere Bahn und Seeschiff eignen sich häufig unter ökologischen Gesichtspunkten.

Hasenkamp sieht sich als Pionier und Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Daraus erwächst der Ansporn, immer weiterzugehen, nie zufrieden zu sein und eine immer nachhaltigere Kunstlogistik möglich zu machen.

Kurz vorgestellt

Das 1903 gegründete Logistikunternehmen Hasenkamp wird in fünfter Generation von den Inhabern Hans Ewald Schneider und Dr. Thomas Georg Schneider sowie von Ralf Ritscher geführt. Neben der Zentrale an der Kölner Stadtgrenze in Frechen verfügt das Familienunternehmen weltweit über mehr als 40 Standorte. Rund 1.000 Mitarbeitende legen Hand an, wenn es um die Planung, den Transport und die Lagerung von sensiblen und hochwertigen Gütern geht. Heute stützen sich Tradition und Innovation bei Hasenkamp auf einen regelmäßig auditierten DIN- und ISO-zertifizierten Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagementprozess. Dieser weist den Weg des Unternehmens in eine nachhaltige Zukunft. Das Familienunternehmen gliedert seine Aktivitäten in vier Geschäftsbereiche: Fine Art, Relocation, Archivdepot und Final Mile Services.

www.hasenkamp.com