Finanzierung & Kapital

Option Kapitalmarkt
Diversifikation der Finanzierung vorantreiben

Fabian Kopf und André Knöll

Die Unternehmensfinanzierung stellt viele Familienunternehmen vor eine Reihe von Herausforderungen. Oft reichen bisher genutzte Instrumente wie Bankkredite nicht mehr aus, um in Zukunft ausreichend Wachstum zu generieren. Eine interessante Option bietet hier der Kapitalmarkt.

Andrea und Jürgen S. führen ihr erfolgreiches Familienunternehmen in der vierten Generation. Sie haben in den vergangenen Jahren den Bereich Medizintechnik deutlich ausgebaut, konnten Umsatz und Ertrag signifikant verbessern. Wie bei vielen anderen basiert die Finanzierung ihres Unternehmens auf einer soliden Eigenmittelbasis. Zudem besteht seit Jahren eine vertrauensvolle Beziehung zu den Hausbanken, die das starke Wachstum mit günstigen Krediten mitgetragen haben. Den beiden Inhabern ist bewusst, dass der künftige Kapitalbedarf für die weitere Internationalisierung sowie den digitalen Transformationsprozess enorm ist. Ob dies mit den bisherigen Methoden und Instrumenten abgedeckt werden kann? Die Eigenmittel sind knapp, der wesentliche Teil des Vermögens ist im eigenen Unternehmen investiert. Und trotz des derzeit guten Verhältnisses zu den Banken möchte die Inhaberfamilie auch aus den Erfahrungen aus der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise in keine Abhängigkeit von Bankkrediten geraten. Noch ist unklar, welche Konsequenzen die gegenwärtige Coronakrise mittelfristig für die Finanzierungsbereitschaft von Banken hat. Daher kommt der Auswahl geeigneter Finanzierungsprodukte und -quellen eine wichtige Rolle bei der Diversifikation der Finanzierung zu.

Zahlreiche Möglichkeiten

Eine von Familienunternehmen bislang wenig genutzte Quelle ist immer noch der Kapitalmarkt. Dieser dient Unternehmen zur Beschaffung von mittel- und langfristigem Kapital und umfasst dabei alle Institutionen und Vorgänge, die der Zusammenführung von Kapitalgebern und -nehmern über Angebot und Nachfrage dienen. Die wohl bekannteste Ausprägung ist der Handel an der Wertpapierbörse, der bestimmten gesetzlichen Regularien und der staatlichen Aufsicht unterliegt. Hier übernehmen Banken die Rolle des Intermediär, halten Kontakt zwischen Emittenten und Investoren und bringen Angebot und Nachfrage zusammen. Weitere Instrumente der Kapitalmarktfinanzierung neben börsennotiertem Eigenkapital in Form von Börsengang und Kapitalerhöhung sind börsennotiertes Fremdkapital in Form von Anleihen und Schuldscheinen (sogenannte Private Placements). Die Finanzierungsinstrumente sollen die Eigenkapitalbasis oder die Finanzierungsstruktur durch eine langfristige und stabil ausgerichtete Fremdkapitalfinanzierung verbessern. Gleichzeitig werden die Anzahl der Gläubiger sowie das Fälligkeitenprofil des Unternehmens breiter gestreut.

Kapitalmarktfähigkeit anstreben

Zentrale Voraussetzung für Unternehmen ist die sogenannte Kapitalmarktfähigkeit, um den Anforderungen des Kapitalmarktes zu entsprechen. Hierfür muss das Unternehmen je nach Finanzierungsinstrument bestimmte gesetzliche Voraussetzungen sowie Vorgaben der Börsen erfüllen und faktischen Anforderungen gerecht werden. Zu den rechtlichen Kriterien zählen zum Beispiel die Vorlage eines Wertpapierprospekts, der die Unternehmensdaten enthält, insbesondere die wesentlichen Finanzkennzahlen, damit sich der Anleger ein fundiertes Urteil über den Emittenten bilden kann. Das Unternehmen muss ferner eine zulässige Unternehmensrechtsform aufweisen. Für die Emission von Aktien ist die Rechtsform der Aktiengesellschaft vorgeschrieben, die Ausgabe einer Anleihe kann auch in der Rechtsform der GmbH oder der KG ausgeführt werden. Auch die Vorgaben der Börsen, stellen je nach Segment (etwa DAX Prime Standard) unterschiedliche Anforderungen und Transparenzgrade an den Emittenten, beispielsweise bezüglich der Mindest-Ratingnote oder des Mindest-Emissionsvolumens. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist es, den Erwartungen der Investoren zu entsprechen. Hierfür sollte das Unternehmen ein überdurchschnittliches Umsatz- und Ertragswachstum aufzeigen können, Corporate-Governance-Strukturen einhalten sowie über eine transparente Unternehmensstruktur und ein qualifiziertes Management verfügen. Nachfolgende Aufzählung gibt einen groben Überblick über die wesentlichen Voraussetzungen für die Kapitalmarktfähigkeit: 

  • überzeugendes, nachhaltiges Geschäftsmodell (Produkt, Marktstellung, Wachstum)
  • wertorientierte Unternehmenssteuerung
  • transparente Unternehmensstrukturen insbesondere in Hinblick auf Kommunikation und Reporting
  • interne Organisation (strukturelle, finanzielle und personelle Ressourcen)
  • Größe in Hinblick auf ein gewisses Mindest-Emissionsvolumen (Richtwert ab 10 Millionen Euro)
  • gesetzliche Anforderungen (etwa Rechtsform, Wertpapierprospekt)
  • Rating (keine zwingende Voraussetzung für alle Finanzierungsinstrumente)
  • Finanzkennzahlen, plausible Finanzplanung, stabiler Cashflow (Bonitätsaspekt einer Transaktion)
  • professionelle Organisation von Rechnungswesen und Controlling
  • effektives Risikomanagement und gute Corporate Governance

Eine Frage der Haltung

Damit sind es vor allem organisatorische Faktoren, die für das Kriterium der Kapitalmarktfähigkeit von Bedeutung sind. Die konkreten Erfordernisse an quantitative Faktoren oder Kennzahlen lassen sich nicht allgemeingültig bestimmen, sind aber meist flexibler als beispielsweise die Anforderungen von Banken an die Kreditvergabe. Als Mindestvolumen wurde in der Vergangenheit ein Richtwert von 25 Millionen Euro unterstellt, mittlerweile fanden zuletzt auch Platzierungen mit einem Volumen von drei bis fünf Millionen Euro statt.

Andrea und Jürgen S. wird klar, dass ihr Potenzial der Finanzierung über den Kapitalmarkt nicht ausgeschöpft ist. Ihnen ist die richtige Balance zwischen niedrigen Finanzierungskosten, flexiblem Zugang zu Finanzierungsmitteln und der unternehmerischen Unabhängigkeit sehr wichtig, weswegen sie ihr Unternehmen organisatorisch, finanzwirtschaftlich und strukturell neu ausrichten. So erlangen sie Kapitalmarktfähigkeit, um sich jederzeit zügig am Kapitalmarkt bedienen zu können – ohne es jedoch zu müssen. Dabei geht es nicht allein darum, dass Formvorschriften erfüllt werden; Kapitalmarktfähigkeit ist insbesondere Ausdruck einer professionellen und proaktiven Haltung hinsichtlich einer unabhängigeren Finanzierung.

Kurz vorgestellt

„Unabhängigkeit ist finanzierbar!“ Diesem Leitspruch folgt die Knöll Finanzierungsberatung für Familienunternehmen seit 2011 und hat sich seitdem erfolgreich als ein führender Finanzierungsberater für inhabergeführte Unternehmen in Deutschland etabliert. Die Experten bieten sowohl dem Unternehmen als auch der Inhaberfamilie eine individuelle, ganzheitliche und unabhängige Beratung. „Die Anlässe hierfür sind so vielfältig und einzigartig wie jedes Familienunternehmen“, sagt Gründer André Knöll. „Ganz gleich, ob es sich um Wachstum, Zukauf, Veränderung in der Gesellschafterstruktur, Nachfolge oder um eine Anschlussfinanzierung handelt.“ Als Navigator führt Knöll durch den gesamten Kosmos der Unternehmensfinanzierung und sorgt mit stabilen und langfristigen Architekturen für eine konsequente und effektive Steuerung des Finanzierungsprozesses, an dessen Ende die erfolgreiche Umsetzung der Finanzierung steht. Die individuell auf die Kundenanforderungen ausgerichteten Leistungen der Berater decken das komplette Spektrum der Unternehmensfinanzierung ab. Die Knöll Finanzierungsberatung ist an den Standorten Hamburg, Augsburg und Frankfurt am Main vertreten und berät erfolgreiche Familienunternehmen im gesamten deutschsprachigen Raum.

www.knoell-finance.de