Personalmanagement
Die News Dezember 2022

Personalberater – ein Auslaufmodell?

Wie Unternehmer von der Zusammenarbeit profitieren

Wenn Kandidat und Unternehmen mit einem Klick oder einem Swipe zusammenfinden können, Algorithmen die Passung sicherstellen und ein kurzer Videoclip zur Vorstellung reicht – braucht es dann noch den Berater, der altmodisch den Telefonhörer in die Hand nimmt? Ein Interview mit den Gründern von RED Executive Search.

Lesezeit: ca. 5 Minuten
Maximilian Grund

Warum sollte ich als Unternehmer einen Personalberater einsetzen?

Alexandra Dohmgans: Neben vielen anderen Aspekten ist vor allem die gezielte Ansprache von interessanten Kandidaten, die aktuell nicht aktiv oder latent auf der Suche sind, ein großer Vorteil der Zusammenarbeit mit einem Berater. Wir verstehen uns als „Berater beider Seiten“, sodass wir in der professionellen und individuellen telefonischen Ansprache direkt ein Vertrauensverhältnis zu den Kandidaten aufbauen können – wir sind sozusagen ihre „lebende Imagekampagne“ und können gezielt auf Rückfragen eingehen, sodass der Kandidat ein vollumfängliches Bild von Aufgabe und Unternehmen bekommt.

Wo liegt eigentlich der Vorteil eines Beraters im Vergleich zur Suche im Netzwerk oder durch eigene Recruiter?

Jan Michael Engel: Auf der Hand liegt die Diskretion – Suchprozesse müssen aufgrund von Kündigungsfristen und der Dauer des Auswahlprozesses weit vor dem geplanten Eintrittsdatum angestoßen werden, und häufig ist die Personalie zu diesem Zeitpunkt noch vertraulich. Inhouse-Recruiter beschränken sich zumeist auf das Kontaktieren von Personen in einschlägigen Netzwerken, was für Fachkräfte effektiv ist; Führungskräfte hingegen „erwarten“ die individuelle Ansprache durch einen Berater. Sie zeigen sich deutlich gesprächsbereiter – wir als Berater kennen die Markt- und Branchenmechanismen und wissen, welchen Ton wir treffen müssen. Die Suche im eigenen Netzwerk kann sehr gute Ergebnisse liefern, da es sich um persönliche Empfehlungen handelt; sie hängt aber stark von Glück und Zufall ab. Wir bauen die Suche strategisch auf und liefern daher sicher die gewünschten Ergebnisse.

Constantin von Rundstedt hat in fast zwanzig Jahren erfolgreich mit vielen mittelständischen Familienunternehmern der Industrie, der Bauwirtschaft und des Handels gearbeitet. Als aktiver Gesellschafter in seinem Familienunternehmen hat er zudem gelernt, was es heißt, ein Unternehmer zu sein und dass nicht nur Fleiß und Ausdauer, sondern auch ein gutes Näschen und eine gesunde Portion Bauchgefühl für die Suche nach idealen Kandidaten wichtig sind. Jan Michael Engel findet seit über zwanzig Jahren die richtigen Kandidaten für Managementpositionen und verfügt über ein großes und belastbares Kontaktnetzwerk in unterschiedlichen Industriebereichen. Schon zu Beginn seines Berufslebens übernahm er die unternehmerische Gesamtverantwortung im eigenen Familienunternehmen, bevor er im Jahr 2000 die Personalberatung für sich entdeckte. Seit über fünfzehn Jahren belegt Alexandra Dohmgans immer wieder, dass sie den Spagat zwischen der Handels- und Konsumgüterwelt und dem Maschinenbau exzellent beherrscht. Ihre Arbeit ist gleichermaßen von Passion und von Pragmatismus geprägt – in der Besetzung einzelner Führungspositionen wie auch im Aufbau neuer Geschäftsbereiche. www.jochenrolfes.de

Was heißt strategisch aufgebaut?

Constantin von Rundstedt: Strategisch heißt, von Anfang bis Ende geplant und strukturiert. Wir benötigen das ehrliche Gesamtbild der Situation, das heißt alles, was für die Besetzung erfolgskritisch ist. Viele dieser Informationen sind oft vertraulich, nichtsdestotrotz brauchen wir sie, um passende Kandidaten zu finden. Im ersten Schritt sprechen wir über die Hintergründe, den Anlass und die Situation im Unternehmen. Im zweiten Schritt wird das Profil geschärft – gerade bei der Nachbesetzung von langjährigen Führungskräften entspricht das „offizielle Profil“ der Stelle nicht mehr den tatsächlichen Tätigkeiten und muss auch den aktuellen Marktgegebenheiten und Anforderungen der Kandidaten gerecht werden. Neben der Fachlichkeit und den klassischen Persönlichkeitsmerkmalen muss hier Wert auf Details gelegt werden – wie wird im Unternehmen kommuniziert, gibt es besondere Usancen oder Dinge, die „schon immer so waren“ und entweder behalten oder dringend aufgebrochen werden sollen? Mit diesen Informationen im Gepäck definieren wir das Suchfeld: Interessante Kandidaten finden wir nicht nur im Wettbewerb, sondern in Sektoren, die vor gleichen Herausforderungen stehen, vergleichbare Prozesse und Strukturen haben oder mit den gleichen Kunden arbeiten – je nach Anforderung der jeweiligen Position.

Was kann ich als Unternehmer tun, um mit einem Berater erfolgreich eine Stelle zu besetzen?

Alexandra Dohmgans: Zuerst sollten Sie sich die Frage beantworten, ob Sie mit einem „Kandidatenlieferanten“ oder einem Berater zusammenarbeiten möchten. Beides hat Vor- und Nachteile: Wir verstehen uns als Berater und sehen es als relevanten Teil unserer Leistung, Sie nicht nur auf mögliche Restriktionen innerhalb eines Suchprozesses hinzuweisen und Lösungen dafür zu finden, sondern Ihnen zum Beispiel Personen vorzustellen, bei denen wir überzeugt sind, dass sie Ihr Unternehmen weiterbringen und gut zu Ihnen passen, die nicht offensichtlich profilgenau sind. Wir bringen aktiv Ideen ein und nehmen uns die Freiheit, zu hinterfragen – nicht anzuzweifeln – die Entscheidung liegt immer bei Ihnen.

Worauf ist bei der Auswahl des Beraters zu achten?

Jan Michael Engel: Grundvoraussetzung für eine gute Zusammenarbeit ist beiderseitiges Vertrauen und ein gleicher Blick auf Personen. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl und lassen Sie sich Empfehlungen geben. Sie sollten wissen, ob der Berater mit eigenen, fest angestellten Researchern arbeitet oder mit Freelancern, denn der Researcher muss im Erstkontakt mit den Kandidaten auf Anhieb Interesse für Ihr Unternehmen wecken – eine zweite Chance gibt es nicht. Branchenexpertise ist in Nischen durchaus ein Erfolgsfaktor, primär ist eher die Erfahrung mit vergleichbaren Unternehmens- und Entscheidungskulturen relevant: Ein inhabergeführtes Unternehmen „tickt“ oft anders als ein internationaler Großkonzern mit Fremdmanagement oder ein Private-Equity-Unternehmen.

Dauert es ohne Berater länger, eine Stelle zu besetzen?

Constantin von Rundstedt: Ja. Die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Pandemie haben uns gezeigt, dass – auch durch die virtuellen Möglichkeiten – die Entscheidungsgeschwindigkeit auch auf Executive-Ebene so zugenommen hat, dass die gewohnten Entscheidungsschleifen in Unternehmen deutlich gestrafft werden müssen, um interessierte Kandidaten zu gewinnen. Heute müssen Sie schnell, verbindlich und entscheidungsfreudig sein. Wir haben den Kalender immer im Blick, gestalten Prozesse für Sie stringent und leisten die Vorarbeit, damit Sie mit wenigen Gesprächsrunden fundierte Entscheidungen treffen können.

Kurz vorgestellt

Die RED Executive Search GmbH ist auf die Besetzung von oberen Führungspositionen und Beiräten für mittelständische Familienunternehmen spezialisiert. Die drei Gründer Alexandra Dohmgans, Jan Michael Engel und Constantin von Rundstedt repräsentieren über 45 Jahre Erfahrung in der Suche und Auswahl von Kandidaten für Schlüsselpositionen in Familienunternehmen. Mit dem eigenen Research-Team fokussiert man sich im Executive Search auf Konsumgüter- und Industrieunternehmen, den Handel und die Chemie- und Textilindustrie, während man bei der Besetzung von Beiratsmandaten branchenübergreifend tätig ist. Enge Zusammenarbeit aller Berater in jedem Mandat sichert nicht nur die optimale Kundenbetreuung, sondern vor allem eine zielgerichtete und zügige Umsetzung und die Ausschöpfung aller Kontakte. Ehrlichkeit und Offenheit in der Kommunikation sowie der Einschätzung der Kandidaten führen zu langfristig erfolgreichen Besetzungen und einem hohen Anteil an langjährigen Bestandskunden. Mit Sitz in Düsseldorf und Frankfurt ist das Unternehmen bundesweit tätig und wickelt mit persönlich bekannten Partnern auch Auslandsmandate ab.

www.red-search.de

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