Energie & Umwelt

Photovoltaik wird zur Pflicht
Große Einsparpotenziale garantiert

Detlef Neuhaus

Der Photovoltaikausbau in Deutschland muss so schnell wie möglich vorangetrieben werden. Denn effiziente Solaranlagen sind essenziell für die Erreichung der CO2-Neutralität in Deutschland. Gerade im Gewerbebereich ist in dieser Hinsicht noch viel Luft nach oben.

Der Toyota-Vertragshändler Schultz aus Ruhland in Brandenburg hat sich entschieden, in die Zukunft zu investieren: Im September dieses Jahres hat Junior-Chef Peter Schultz eine Photovoltaik-Anlage inklusive Ladestationen für E-Autos in Betrieb genommen. Insgesamt investierte das Unternehmen einen fünfstelligen Betrag in die neue Energielösung, senkt aber langfristig seine Energiebezugskosten und spart darüber hinaus pro Jahr mehr als 50 Tonnen an CO2 ein. Die Energiekosten von Auto Schultz sinken sofort von monatlich 550 auf etwa 150 Euro; über die garantierte Leistungszeit der Solarmodule von 25 Jahren wird das Autohaus über 150.000 Euro einsparen.

Anschaffung lohnt sich finanziell

Beispiele wie das von Auto Schultz gibt es in Deutschland immer mehr – und das ist auch gut so. Denn nicht nur Privatpersonen müssen bei ihrer Energieversorgung neue Wege gehen, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen. Gerade für viele Gewerbebetriebe lohnt sich die Anschaffung einer Solaranlage zur Eigenversorgung. In Unternehmen wird die Energie häufig tagsüber benötigt, also dann, wenn die Sonne scheint. In den Morgen- oder Abendstunden sorgt dann im besten Fall ein zur Anlage passender Stromspeicher für die Bereitstellung der benötigten Energie. So sind Eigenverbrauchsquoten von 70 bis 80 Prozent möglich. Was momentan allerdings noch zu viele Unternehmen von der Anschaffung einer eigenen Anlage abhält, ist der große Aufwand, der mit dem Kauf verbunden ist – Stichwort Bürokratie. So müssen Gewerbetreibende in der Regel ein langwieriges und oftmals teures Prüfverfahren durchführen, bevor sie passende Maßnahmen überhaupt ergreifen dürfen. Hier kommen auf die künftige Ampelregierung wichtige Aufgaben zu, um den Ausbau in Unternehmen noch weiter zu beschleunigen. Beispielsweise müssen die Anmeldung und Integration von EEG-Anlagen zur Selbstversorgung für Privatpersonen und Unternehmen noch deutlich einfacher werden.

Großes CO2-Einsparpotenzial

Gerade durch die Kopplung der Solaranlage mit den Sektoren Wärme und Verkehr ergibt sich für Unternehmen nämlich ein großes Einsparpotenzial – sowohl in Bezug auf ihre CO2-Emissionen als auch die eigenen Energiekosten. Viele Firmenhallen werden beispielsweise aktuell immer noch mit Gas beheizt. Doch auch in diesem Bereich können heute schon effiziente Wärmepumpen eingesetzt werden, die durch Sonnenstrom angetrieben werden. Das Problem ist aber noch zu oft: Gewerbetreibende wissen schlichtweg noch nicht, welche Chancen eine eigene Solaranlage überhaupt bietet. Fakt ist aber, dass sich die hiesigen Unternehmen dringend mit dem Thema Solarstrom auseinandersetzen sollten und dafür gibt es neben der Kostenersparnis noch weitere Gründe: Auf der einen Seite werden Nachhaltigkeitskriterien in den Betrieben zunehmend wichtiger. Eine eigene Solaranlage senkt – wie bereits beschrieben – den CO2-Ausstoß signifikant und trägt darüber hinaus zu einem positiven Image in der Öffentlichkeit bei. Auf der anderen Seite ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es in Deutschland eine flächendeckende Solarpflicht für gewerbliche Neubauten und die Sanierung von Bestandsgebäuden geben wird.

Parkplatzüberdachung bestehend aus Solarmodulen bei der Firma Dräxlmaier in VilsbiburgSolarwatt
Parkplatzüberdachung bestehend aus Solarmodulen bei der Firma Dräxlmaier in Vilsbiburg

Klimawandel zwingt zur Solarpflicht

In sieben deutschen Bundesländern ist eine solche Pflicht bereits eingeführt, darunter in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Der Gebäudesektor ist zwar ohnehin schon stark reguliert, sodass eine Solarpflicht die Unternehmen natürlich zusätzlich belastet. Auf der anderen Seite erleben wir einen dramatischen Klimawandel, der uns förmlich dazu zwingt, alle Maßnahmen zu ergreifen, die einer weiteren Erderwärmung entgegenwirken könnten. Eine flächendeckende Solardachpflicht stellt nun einmal ein sinnvolles Instrument dar, um den Ausbau der erneuerbaren Energien möglichst schnell voranzutreiben.

Die Solarpflicht gilt übrigens nicht nur für Anlagen auf Dächern. Auch bei Parkplätzen müssen in einigen Bundesländern künftig Solaranlagen verbaut werden, bestenfalls in Kombination mit entsprechenden Ladesäulen. Bei dieser Anwendung sollten dann im besten Fall Solarmodule mit einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung eingesetzt werden, da die baulichen Anforderungen bei diesen Anwendungsfällen in der Regel eine absturzsichere Verglasung erfordern. Unser Modul Vision 60M Construct kann beispielsweise als Verglasung nach DIN 18008 wie ein Verbundsicherheitsglas eingesetzt werden. Auf zusätzliche Sicherungsmaßnahmen kann dann verzichtet werden.

4.200 Solarmodule – 530 Ladesäulen

Zum Einsatz kommen die Solarmodule beispielsweise bei einem Parkplatzprojekt des Premium-Automobilzulieferers Dräxlmaier. Das bayerische Unternehmen hat im Sommer 2020 ein zuvor offenes Parkdeck mit insgesamt 4.200 Photovoltaik-Modulen überdacht. Die neu entstandene 1,28-MW-Anlage auf dem Firmengelände in Vilsbiburg ist die größte PV-Anlage mit Glas-Glas-Technologie in Deutschland. Dräxlmaier verbraucht den gesamten Strom selbst, der über die Anlage erzeugt wird. Das spart pro Jahr etwa 560 Tonnen CO2 ein. Im Endausbau stehen bei Dräxlmaier zudem insgesamt 350 Ladepunkte zum umweltfreundlichen Laden von Elektroautos auf dem Firmengelände zur Verfügung.

Das ist gelebte Sektorenkopplung – und nur so haben wir gegen den Klimawandel eine Chance. Gerade im Gewerbebereich gibt es ein immenses Potenzial, um CO2 einzusparen. Die Solartechnologie ist ausgereift, einfach zu installieren und bietet sehr gute Anknüpfungspunkte für die Versorgung von Wärme und Elektromobilität. Eine Solaranlage liefert über viele Jahre verlässlich saubere Energie, die für die Firmen sogar deutlich günstiger ist als grauer Netzstrom. Das sind einfache Argumente, die immer mehr Unternehmen in Deutschland und auf der ganzen Welt überzeugen – und das ist auch dringend notwendig.

www.solarwatt.de