Planen & Führen

Riesige Herausforderung
Erfolgskriterien in einer hybriden Arbeitswelt

Transearch International, ein führendes globales Executive-Search-Unternehmen, hat in einer internationalen Studie untersucht, welche Faktoren für Unternehmen besonders wichtig sind, damit diese nach der Krise wieder richtig durchstarten können. Die Redaktion sprach darüber mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Dr.-Ing. Carlo Mackrodt.

Ihr Unternehmen hat mit der aktuellen Studie „Sind Sie auf die neue Realität vorbereitet?“ nach Kriterien gesucht, wie Unternehmen gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen können. Was waren Ihre konkreten Beweggründe?

Die Bedeutung der Unternehmenskultur, aber auch die Rolle von Führungskräften, wurden durch die Corona-Pandemie mit all ihren Lockdowns und Wellen neu definiert. Jahrelang hatten Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern darum gerungen, unter welchen Bedingungen das Arbeiten im Homeoffice möglich gemacht werden könnte. Und dann kam der Lockdown und plötzlich mussten die Unternehmen handeln. Ein CIO eines M-DAX-Unternehmens sagte mir: „Nach mehr als drei Jahren Kampf und unter Begleitung von Top-Management-Consultants, die Millionen verschlungen haben, war ich am 14. März 2020 gefordert: Ich habe in sechs Tagen 15.000 Mitarbeiter nach Hause geschickt. Und was ich nie erwartet hätte: Es hat geklappt. Es hat funktioniert! Heute regeln wir die Arbeitsbedingungen nach und alle sind zufrieden.“ Für viele Unternehmen bleibt das hybride Arbeiten weiterhin eine enorme Herausforderung. Daher ging es in der Studie auch darum, herauszufinden, was es mit einem Mitarbeiter macht, wenn er von zu Hause aus arbeitet beziehungsweise wenn er nur am ersten Arbeitstag ins Büro kommt.

Da manche Führungskräfte ratlos waren, um Handlungsmaßnahmen rangen oder uns um Lösungen baten, haben wir kurzentschlossen zunächst Interviews geführt, dann unser Netzwerk aus verschiedenen Industrien – alles Top-Persönlichkeiten – zusammengebracht, und zum Gedankenaustausch aufgefordert. Spannend war dabei, dass unsere Cross-Branchen und cross-funktionalen Teams außerordentlich intensive und bereichernde Gespräche führten und Erfahrungen austauschten, indem die gleichen Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet wurden. Wir haben systematisch Einzelinterviews geführt, die Ergebnisse in virtuellen Roundtables diskutiert und sie anschließend im Rahmen einer Studie verifiziert. Mehr als 350 C-Level/Top-Entscheiderinnen und Entscheider aus dem In- und Ausland und aus verschiedenen Branchen haben daran teilgenommen und ihre Einschätzungen eingebracht.

Dr.-Ing. Carlo Mackrodt ist Managing Partner bei Transearch International. Er verfügt über 30 Jahre Erfahrung in leitenden Managementpositionen sowie in Top-Management-Consulting und Executive Search, mit einer Spezialisierung auf Familienunternehmen in den Bereichen Konsumgüter, Automobil, Industrie und Technologie. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten zählt das Thema Leadership im Zeitalter der digitalen Disruption.Transearch
Dr.-Ing. Carlo Mackrodt ist Managing Partner bei Transearch International. Er verfügt über 30 Jahre Erfahrung in leitenden Managementpositionen sowie in Top-Management-Consulting und Executive Search, mit einer Spezialisierung auf Familienunternehmen in den Bereichen Konsumgüter, Automobil, Industrie und Technologie. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten zählt das Thema Leadership im Zeitalter der digitalen Disruption.

Zu welchen Ergebnissen ist die Studie gekommen?

Die Ergebnisse sind insgesamt klar und deutlich: Purpose hat einen viel höheren Stellenwert erlangt. Zudem sind Themen wie Kultur, Leadership, Transformation und Innovation die entscheidenden Hebel zum Erfolg – unterstützt durch ein adäquat positioniertes Personalmanagement. Unsere ersten Eindrücke aus den Einzelinterviews wurden durch die Studie bestätigt. Die erforderlichen Veränderungen müssen nun umgesetzt werden, es gibt hier kein Zurück! Es gibt kein „New Normal“, sondern vielmehr eine „New Reality“. Erfolgreiche Unternehmen begreifen diese Situation als Katalysator, sehen neue Chancen und passen sich und ihre Angebote schnell und agil an. Wer nicht schnell und kreativ handelt, wird unweigerlich zurückfallen.

„Beziehungen müssen aufgeladen werden.“

Interessant ist, dass Werte wie Purpose, also der Sinn, der Zweck des Unternehmens, Vertrauen und Mut stark gestiegen sind und parallel dazu ganz neue Anforderungen an die Führungs- und Leistungskultur des Unternehmens gestellt geworden sind. Hier sind Unternehmertum, Wertschätzung und Innovationsfähigkeit in den Fokus gerückt. Zudem hat die Pandemie wie ein Booster für mehr Digitalisierung gesorgt. Die Stichworte dazu sind ganzheitliche Nutzenkonzepte, digitale Geschäftsmodelle, Agilität und schließlich die Frage, wie ich in diesen Zeiten eine „Irresistible Company“ schaffe. Denn wie erzeugt man im hybriden Arbeiten Zugehörigkeitsgefühl und Bindung?

Durch die neue Wichtigkeit von „Purpose“ tritt zunehmend der Nachhaltigkeitsansatz in den Fokus und birgt gleichzeitig Chancen. Der Nutzen von Produkten und Technologien wird nicht mehr nur aus dem Blickwinkel des Produzenten bewertet. Stattdessen rückt der Customer Value in den Mittelpunkt des ökonomischen Handelns. Technologische Innovationen wie KI, Big Data und virtuelle Netzwerke, aber auch politische Entscheidungen geben der Entwicklung eine neue Dynamik und lassen die Kostenorientierung in den Hintergrund treten. Umso mehr sind derzeit die sogenannten „Servant Leader“ gefragt, die das Potenzial ihrer Mitarbeiter entdecken und fördern. Dabei ist erwähnenswert, dass 98 Prozent der Unternehmenslenker davon überzeugt sind, dass sich die Unternehmenskultur weiter ändern und Kultur zum entscheidenden Differenzierungsfaktor im sich radikal verschärfenden Wettbewerb wird.

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Welche Schlüsse ziehen Sie daraus für eine zukunftsfähige Unternehmenskultur?

Uns stehen große Herausforderungen bevor. Die Art und Weise, wie Unternehmen geführt werden, wird sich fundamental ändern. Führung basiert in Zukunft viel mehr auf Vertrauen, Delegation, Netzwerken, Geschwindigkeit, Agilität, aber auch auf sehr viel klareren Regeln! Wenn wir uns nicht mehr regelmäßig in den Unternehmen sehen, müssen die Regeln der Zusammenarbeit viel klarer definiert, kommuniziert und eingefordert werden. Und das aus vornehmlich einem Grund: Wenn wir virtuell arbeiten, sinkt die Bindung zum Unternehmen exponentiell: „Beziehungen muss man aufladen“, heißt es so schön. Je mehr die Mitarbeitenden im Homeoffice sind, desto höher ist die Gefahr, dass diese für Geld ihren Arbeitsplatz wechseln, denn Beziehungen können über eine Distanz sehr viel schwerer aufgebaut werden.

„Mitarbeiter brauchen ein Zugehörigkeitsgefühl.“

Aus unseren Erkenntnissen und der empirischen Umfrage ergeben sich daraus folgende Schlüsse und sechs wichtige Herausforderungen für eine zukunftsfähige Unternehmenskultur: Kurzfristig muss man auf mobiles Arbeiten umstellen, Hierarchien abbauen und mehr in Rollen und selbst-steuernden Teams umdenken. Man kann nicht mehr direkt führen. Unternehmerinnen und Unternehmer sollten aus der Not eine Tugend machen. Es gilt zu delegieren und zu vertrauen, aber auch gemeinsam mit der Belegschaft glasklare Ziele und Meilensteine festzulegen. Verbindlichkeit muss gelebt und belohnt werden! Durch das hybride Arbeiten sehen wir Tendenzen der Erosion. Das ist gefährlich.

Wichtig sind Menschen mit Unternehmergeist, mit einer gesunden und mutigen Vorstellungskraft, was man aus der Pandemie machen, wie man Restriktionen zum Wettbewerbsvorteil nutzen kann. Solche Mitarbeitenden müssen mit Wertschätzung behandelt werden und müssen geradezu ermuntern werden, den Unternehmenslenkern mitzuteilen, was zu tun ist.

Zusammenfassend kann man sagen, die sieben wichtigsten Hebel, um gut aus der Krise zu kommen, sind Kultur, Leadership, Transformation, Innovation, HR, Sales & Aftersales sowie Supply Chain. Wenn wir diese beherzigen, bin ich überzeugt, dass wir mit dieser neu gewonnenen Energie und dem bewährten deutschen Erfindergeist trotz aller Unwägbarkeiten zuversichtlich die Chancen ergreifen, um tatsächlich mit „Wumms“ voranzuschreiten.

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