Planen & Führen

Schnell ins Machen kommen
Mit dem Startup-Code durch die Krise kommen

Johannes Ellenberg

Machen wir uns nichts vor: Die aktuelle Lage ist ernst. Humanitär, gesellschaftlich – und ökonomisch. Die wirtschaftliche Situation ist angespannt, insbesondere für die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen. Jetzt ist konsequentes und zielgerichtetes Handeln gefragt, um aus dieser Situation idealerweise nur mit einem blauen Auge davonzukommen.

Unternehmen sollten das Team in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten stellen. Das zahlt sich vor allem in Krisensituationen aus.

Die oberste Maxime für jedes Unternehmen ist: In erster Linie alles daranzusetzen, den Cashflow und die Zahlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Sonst droht die Insolvenz oft schneller als gedacht. Der Staat hat seinen Rettungsschirm aufgespannt. Hilfe naht in Form von finanziellen Zuwendungen, Krediten, Kurzarbeit und Steuerstundungen. Jetzt müssen Unternehmerinnen und Unternehmer alle notwendigen Maßnahmen diesbezüglich ergreifen und mit aller Entschiedenheit implementieren. Ziel muss es sein, weiterhin die Kontrolle über die Geschicke des Unternehmens fest in den eigenen Händen zu haben. Wer es schafft, den Status Quo für den Moment zu sichern und die größten Feuer unter Kontrolle zu bringen, wird sich die Frage stellen: Was nun?

Die Pandemie sowie alle damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten werden auf unbestimmte Zeit ein Einflussfaktor bleiben. Wir als Unternehmer und Unternehmerinnen müssen lernen damit umzugehen. Ist die akute Gefahr der Zahlungsunfähigkeit jedoch abgewendet, gilt es den Blick in die Zukunft zu richten und mögliche Strategien und Konzepte zu entwickeln. Und dies ist mein Appell an unseren Mittelstand: Er sollte beim Prüfen möglicher Handlungsoptionen die erfolgreichen Methoden der Start-ups nicht unbeachtet lassen. Hierfür möchte ich den Unternehmen sieben Prinzipien an die Hand geben und Mut machen.

Auf sein Warum besinnen

Im Moment schießen den Unternehmerinnen und Unternehmern tausend Themen und Fragen durch den Kopf. Das ist normal und verständlich. Es zeigt, dass diese gegenüber ihren Unternehmen Verantwortung übernehmen. Man sollte sich in dieser Zeit aber auch Raum für folgenden Gedanken lassen: Wofür ist man als Unternehmer oder Unternehmerin einst mit seinem Unternehmen angetreten? Was wollte man verändern? Welche Probleme hat man in der Welt gesehen? Was war die Motivation? Man sollte sich auf das zurückbesinnen, was einen angetrieben und bis zum heutigen Tag das nötige Durchhaltevermögen verliehen hat. Besinnen Sie sich zurück auf Ihr ganz persönliches „Warum?“. Das wird helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und neue Möglichkeiten aufzeigen.

Antworten auf Krise im Markt finden

Es ist Zeit rauszugehen – gedanklich. Steve Blank, ein Entrepreneur aus dem Silicon Valley, sagte einmal: „There are no facts inside your building. So get outside.” Was er damit meinte ist, dass man sich nicht nur auf die Resourcen fokussieren sollte, die einem aktuell im Unternehmen zur Verfügung stehen. Bei der Suche nach neuen Kunden, Produkten und Geschäftsmodellen sind ungelöste Probleme und unbefriedigte Kundenbedürfnisse das Wichtigste, was es gibt. Diese finden Unternehmerinnen und Unternehmer nicht in den Räumlichkeiten ihres Unternehmens, sondern nur draußen am Markt. Verstehen Sie Ihr Geschäft so gut, wie Sie nur können. Finden und erforschen Sie Potenziale und Probleme. Das sind Chancen für Innovationen. Chancen dafür, um aus dieser Situation gestärkt hinauszugehen. Zudem sollte man Ausschau nach Menschen, Unternehmern und Unternehmen halten, mit denen man gerne zusammenarbeiten möchte. Vielleicht ist nun die Zeit, auch einmal Ressourcen zu bündeln.

Dinge schnell und direkt umsetzen

Zeit ist wohl die wichtigste aller Ressourcen. Und jetzt ganz aktuell wohl noch mehr denn je. Sie ist nicht nur knapp. Sie ist auch aufgrund der vorherrschenden Unsicherheit nur schwer berechenbar. Deshalb sollte man bei der Entwicklung neuer Maßnahmen die, gewohnte und ausführliche, Planungs- und Strategiephase abkürzen und so schnell wie möglich ins Machen und in die Umsetzung kommen.

Perfektion nicht zu sehr gewichten

Unternehmerinnen und Unternehmer sollte auch eine nur zu 80 Prozent ausgereifte Lösung umsetzen und sich dabei auch ein „Fehler machen dürfen“ einräumen. Der Verzicht auf eine gründliche Vorbereitung und Planung wird automatisch zu Fehlern führen. Ja, das wird für Anpassungsbedarf sorgen. Aber: Die Vorteile einer schnellen Implementierung überwiegen die Nachteile der Korrekturschleifen. Anders gesagt: Bei 80 Prozent anfangen und kontinuierlich verbessern wird weniger Zeit und Ressourcen kosten als erst bei 100 Prozent zu starten. Wichtig ist hier aber die Etablierung einer positiven Fehler- und Lernkultur in den Unternehmen. In diesen Zeiten wissen wir: nichts ist unfehlbar. Wichtig ist, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das Motto sollte lauten: Better done that perfect.

Auf Ressourcen zugreifen, statt sie zu besitzen

Versuchen Sie Ihr Unternehmen mit so wenigen Abhängigkeiten wie möglich zu belasten. Machen Sie Ihr Unternehmen frei und agil. Der – übermäßige, vermeidbare – Besitz von Gütern und Ressourcen sowie auch langfristige Verbindlichkeiten machen in dynamischen und ungewissen Zeiten träge und handlungsunfähig. Organisieren Sie die Wertschöpfungsketten Ihres Unternehmens in Zukunft – nach Möglichkeit – durch Zugriff. Langfristige Verbindlichkeiten sollten vermieden, wo es geht.

Mitarbeiter in Mittelpunkt stellen

Die aktuelle Krise betrifft alle. Nicht nur Unternehmen müssen um ihre Existenz fürchten. Auch viele Menschen sehen in eine ungewisse Zukunft. Jetzt sind Leadership-Skills gefragt. Nun bedarf es Klarheit in Kommunikation und Handlung. Unternehmer und Unternehmerinnen sollten jedoch nicht mit eiserner Faust und autokratisch führen, sondern partizipativ und mittels Begegnungen auf Augenhöhe. Die Schaffung eines Wir-Gefühls, das Meistern der Krise als starkes Team sollten die Ziele sein.

Geben ist seeliger

So paradox es auch klingen mag: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, in dem Unternehmerinnen und Unternehmer darüber nachdenken sollten, wie sie anderen Unternehmen und Menschen helfen können. Helfen Sie mit dem, was Sie trotz der Krise und des Mangels im Überfluss haben – was andere wiederum benötigen. Helfen Sie, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Helfen Sie bedingungslos, etwa mit ungenutzten Maschinen, freie Lagerkapazitäten oder Mitarbeitern, die momentan nicht voll ausgelastet sind. Sie werden sehen, es ergeben sich wunderbare Begegnungen, Projekte und Möglichkeiten, auf die Sie nie von alleine gekommen wären. Und jetzt: Ärmel hochkrempeln, wir schaffen das!

www.johannesellenberg.de