Bauen & Architektur

Sichern, steuern, kontrollieren
Unternehmensgruppe Gretsch­-Unitas im Porträt

Maria Lehmann

Bei Gretsch-Unitas dreht sich alles um die Außenhaut von Gebäuden, die es zu sichern, zu steuern und zu kontrollieren gilt. Das traditionsreiche Familienunternehmen entwickelt und fertigt Systeme für Fenster- und Türbeschläge, automatische Eingangssysteme und das Gebäudemanagement. Dabei wird großer Wert auf eigene Lösungen aus der eigenen Fertigung gelegt.

Das „Blox“ in Kopenhagen – hierfür hat das Familienunternehmen Gretsch-Unitas Parallelausstell-Beschläge für die zwei mal vier Meter großen und 750 kg schweren Fenster entwickelt.

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, alles was Türen, Fenster und Zugänge betrifft, möglichst komfortabel und sicher für unsere Kunden zu gestalten“, erklärt Michael von Resch, Geschäftsführer der Gretsch­-Unitas GmbH mit Sitz in Ditzingen bei Stuttgart. Bei der technologischen Beschäftigung mit der Thematik „Beschlag“ betrachtet der Inhaber die Aufgaben seines Unternehmens darin, gemeinsam mit den Kunden eine gute Lösung mit hohem Komfort und dennoch einer hohen Sicherheit zu finden. „Wir kommen ja aus der klassischen Produktwelt des Fensterbeschlags. Im Laufe der Jahre hat sich unser Familienunternehmen weiterentwickelt und bietet Lösungen für komplette Systeme für Fenster, Türen und Fassaden sowie die Zutrittskontrolle“, sagt von Resch. Ein bewährter Vertriebszweig von Gretsch-Unitas ist seit vielen Jahren das Objektgeschäft, das in den meisten Ländern ähnlich abläuft: Architekten, Generalunternehmer oder manchmal auch Verarbeiter erhalten über eine gewonnene Ausschreibung den Auftrag und suchen sich dann einen Lieferanten. Dabei geht es meist um hochwertige Beschläge, die internationale Normen und Standards erfüllen.

Sonderbeschläge für extreme Belastung

„Grundsätzlich geht es dabei zunächst über unsere Tochtergesellschaften in den entsprechenden Ländern. Sie arbeiten mit den lokalen Partnern zusammen, die die Gebäude vor Ort errichten“, erklärt der Geschäftsführer. „Unsere Aufträge umfassen sowohl Standard- als auch Sonderlösungen. Wenn zum Beispiel bestimmte Elemente in Fassaden eingebunden werden müssen, sind wir mit unserer Entwicklungsabteilung in Ditzingen in der Lage, die speziellen Produkte nach Kundenwunsch zu entwickeln und zu fertigen.“ Solche besonderen Anforderungen können schwerere, größere, höhere oder breitere Fenster sein, die ein Standardbeschlag nicht mehr trägt. In diesen Fällen schaut die Entwicklungsabteilung dann nach Alternativen. „Entsprechende Bauteile werden gesucht, zusammengebaut und, wenn die Lösung da ist, wird sie vorgestellt. Erst, wenn der Bauherr zufrieden ist und er den Prototyp abgenommen hat, wird gefertigt. Zu unseren Leistungen gehören dabei auch die komplette Zertifizierung und die Abwicklung des Projekts.“

Ein gelungenes Beispiel dafür ist das „Blox“ in Kopenhagen. Das Gebäude wurde über Kopenhagens meistbefahrene Einfallstraße gebaut. Daher war auch ein erhöhter Schallschutz eine der besonderen Anforderungen an die Verglasung und an das Fenster. Das Familienunternehmen entwickelte Parallelausstell-Beschläge für die zwei mal vier Meter großen und 750 kg schweren Fenster. Die Fenster werden motorisch über Kettenantriebe geöffnet, die Antriebe mit einer eigens entwickelten Sondersteuerung versorgt und über Totmannschalter bedient. Die Sondersteuerung ist so konzipiert, dass der Verarbeiter die Verdrahtung sämtlicher Komponenten problemlos eigenständig durchführen konnte. Die Funktionsprüfung erfolgte vor Ort beim Kunden, wobei die Spezialisten alle Prüfmittel zur Verfügung stellten, die Prüfung begleiteten und überwachten.

Wettbewerbsvorteile sichern Zukunft

Bei Gretsch-Unitas stehen die Sicherung, Steuerung und Kontrolle der Außenhaut von Gebäuden im Fokus. Dazu gehören nicht nur Fenster und Türen, sondern auch Zutrittskontrollsysteme, Fluchtwegsicherungen und Brandwege. „Um das Zusammenspiel der vielen verschiedenen, hier eingesetzten Komponenten sicher und komfortabel zu steuern, gibt es unsere Gebäudemanagementsoftware Gemos“, sagt von Resch. Es ist laut dem Unternehmen „das führende browserbasierte Gebäudemanagement- und Organisationssystem“ (PSIM – advanced physical security information system) von Ela-Soft, einem Unternehmen der GU-Gruppe. Als offenes System ist es in seiner Funktionalität frei von jedweder Technologie- und Herstellerbindung. Damit ist es möglich, eine Vielzahl an Medien, Kommunikation und Sicherheit herstellerneutral zu managen, darunter Brandmeldeanlagen, Überfall- und Einbruchmeldeanlagen, Videoüberwachungsanlagen, Zutrittskontrollanlagen, Lösch- und RWA-Anlagen. Gemos bietet Schnittstellen zu fast allen am Markt verfügbaren Sicherheitssystemen. So lassen sich diese sowie sämtliche Produkte der GU-Gruppe mit dem Gebäudemanagementsystem vernetzen.

Agieren in der Pandemie

Durch den Corona-bedingten Lockdown am Anfang des Jahres war vor allem das Auslandsgeschäft des Familienunternehmens betroffen. Das hat den Auftragseingang abgesenkt. Allerdings sei die Nachfrage im deutschen Markt stabil und habe sogar zugenommen. Dem Baugewerbe gehe es derzeit noch gut. „Unsere weltweiten Standorte können vor Ort eigenständig und flexibel auf die jeweiligen Ereignisse reagieren. Allerdings sehen wir auch, dass die neuen Wege, die wir jetzt gezwungenermaßen einschlagen mussten, dazu dienen, umzudenken, Routinen zu hinterfragen und alte Zöpfe abzuschneiden. Diese Pandemie ist eine Zeitenwende und man sollte darin auch Chancen erkennen. So werden wir Videokonferenzen sicherlich in einem gewissen Umfang beibehalten, auch wenn die Kontaktverbote gelockert werden“, unterstreicht von Resch und ergänzt: „Wir können uns vorstellen, dass wir unsere Seminare auch dann weiterhin online anbieten werden, wenn Präsenzseminare wieder stattfinden können. Auch in der Zeit, als unsere Kundenbetreuer die Kunden nicht besuchen durften, konnte der Kontakt telefonisch aufrechterhalten werden. Es wird so einige Bereiche geben, in denen man Abläufe und Prozesse überdenken wird.“

Kurz vorgestellt

Die GU-Gruppe ist einer der führenden Anbieter von Fenster- und Türtechnik, automatischen Eingangs- sowie Gebäudemanagementsystemen. Sie fertigt und vertreibt unter den Marken GU, BKS, Ferco und Ela-Soft Systemlösungen, Baubeschläge, Schlösser, Schließsysteme und Zutrittskontroll-Systeme. Das Familienunternehmen bietet „Vorsprung mit System“ mit ihrem aufeinander abgestimmten Komplettsortiment und liefert Lösungen für Einbruchhemmung an Türen und Fenstern, für barrierefreies Bauen, für Türen in Flucht- und Rettungswegen bis hin zu individuellen Fassadenlösungen für Objekte. Mit etwa 3.500 Mitarbeitern entwickelt die Gruppe nicht nur Einzelprodukte, sondern auch individuelle Gesamtlösungen für große Projekte. Forschung und Entwicklung befinden sich genauso im eigenen Haus wie die Fertigung und der Werkzeugbau. Die Leitung des 1907 von Viktor Gretsch gegründeten Familienunternehmens liegt heute in den Händen der dritten Generation, den Brüdern Julius und Michael von Resch. 

www.g-u.com