Blickpunkt

Social Media besser organisieren
Der Stuttgarter Unternehmercoach Johannes Ellenberg gibt Tipps für gestandene Unternehmer.

Johannes Ellenberg

Social Media ist ein Kommunikationskanal, der von Familienunternehmerns immer noch stark unterschätzt wird. Dabei ist gute Social-Media-Kommunikation leichter als man denkt. Dennoch sind „Keine Zeit“, „das macht meine Presseabteilung“, „dort bekomme ich keinen einzigen Auftrag“ oder „Kinderkram“ die gängigen Ausreden. Was sind die Motive für freiwillige Social-Media-Abstinenz? Schließlich zeigen Influencer, Stars und der amerikanische Präsident, dass man auf diesem Kanal sehr wohl Geld verdienen und andere beeinflussen kann.

Der wichtigste Aufhänger für die gesamte bei Social-Media-Kommunikation ist der Netzwerkgedanke. Sich mit anderen austauschen, netzwerken, kommunizieren, neugierig machen. Auf einem Kanal wie Facebook oder Youtube ist es sicherlich in Ordnung, die Kommunikation an die Pressestelle zu delegieren, aber auf Business-Netzwerken wie Linkedin ist es durchaus sinnvoll, dass der Unternehmer, Geschäftsführer, CEO selbst präsent ist, ob über ein Businessprofil, persönlich oder beides. In Netzwerken geht es um Menschen, um Persönlichkeit, um Meinungen, um Erfahrungs- und Wissensaustausch. Und wer könnte ein Unternehmen und dessen Mission besser repräsentieren als der Gründer, Inhaber oder Geschäftsführer?

Klein anfangen, zuhören, lernen

Es ist verführerisch: Das Profil auf der Social-Media-Plattform ist eingerichtet und jetzt soll es losgehen. Leider lassen sich viele Unternehmen dazu verführen, auf den Netzwerken platte Werbebotschaften zu posten. Der vielbeschworene Nutzwert einer Information steht hier unter einem anderen Licht. Deshalb ist es sinnvoll zuzhören, viel zu lesen, vielleicht einmal etwas zu liken. Dadurch erhält man ein Gefühl dafür, welche Themen für die anderen interessant sind, was für eine Art Posts häufig gelesen und kommentiert werden. Natürlich kann man auch selbst Kommentare zu dem, was andere schreiben, verfassen. Kommentare reichen von einem „herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Innovation“ bis zu einer Meinungsäußerung. Auf diese Weise werden erste Kontakte geknüpft. Eine weitere Möglichkeit ist es, Beiträge von anderen oder auch Artikel von Online-Medien oder Blogs zu teilen. Man muss lediglich ein paar Worte dazu schreiben, damit klar ist, worum es in dem Beitrag geht und passende Hashtags setzen. Die ersten Schritte heißen also: Profil erstellen – liken – kommentieren – vernetzen – teilen.

Negativlinge lässig parieren

Fast jeder, der zum ersten Mal etwas postet, fragt sich, ob sein Beitrag überhaupt jemanden interessiert, ob er „gut genug ist“ oder ob ein Shitstorm und böse Kommentare über ihn hereinbrechen. Auf Business-Netzwerken ist das recht unwahrscheinlich. Die meisten Netzwerk-Mitglieder gehen zivilisiert miteinander um. Und vor anderen Meinungen muss man sich nicht fürchten, im Gegenteil: Andere Meinungen rücken die Dinge in eine andere Perspektive und können sehr nützlich sein. Durch andere Sichtweisen gelingt es, über den eigenen Horizont hinauszuschauen. Mit anderen in eine Diskussion zu treten, ist ein Vorteil. Wenn also ein Post kontrovers diskutiert wird, ist das ein gutes Zeichen.

Souverän bleiben

Sobald man Mitglied einer Social-Media-Plattform wird, gibt es viele Berater und Experten, die sich anbieten, den Algorithmus hinter der Plattform zu erklären. Verzweifelt versucht der Neuling, den Erläuterungen zu folgen, damit seine Posts größtmögliche Aufmerksamkeit erhalten. Ja, es gibt ein paar Dinge, die man beachten kann – das ist im Internet oder auf den Plattformen selbst nachzulesen. Ob es hilft, ist zweifelhaft. Ich bin überzeugt, dass es am besten ist, über ein Thema zu schreiben, das den Autor selbst bewegt, zu dem er etwas zu sagen hat. Das kann ein fachliches Thema sein, ein gesellschaftliches oder ein unternehmerisches oder einfach eine Begegnung mit einem interessanten Menschen. Der Leser muss merken: Hier schreibt einer, dem dieses Thema am Herzen liegt. Ansonst gilt für mich der Grundsatz „weniger ist oft mehr“. Gerade Unternehmer sind oft versucht, ihr gesamtes Leistungsportfolio in einem Beitrag darstellen zu wollen, doch das langweilt die Leser schnell. Stattdessen sollte man darauf achten, dass jeder Beitrag eine Geschichte und eine Botschaft hat.

Ein Plan hilft ungemein

Bevor ein Unternehmer ein Profil auf einer Social-Media-Plattform für sich oder/und sein Unternehmen erstellt, sollte er unbedingt wissen, was er damit erreichen möchte, denn davon ist auch die Wahl der Plattform abhängig. WIll mann die Positionierung des Unternehmens herausstellen, Produkte/Leistungen bekannt machen und letztlich neue Kunden gewinnen? Oder möchte der Unternehmer sich als Person präsentieren, Kontakte zu anderen Unternehmern knüpfen, sein Netzwerk erweitern, junge Talente und Querdenker kennenlernen? Bei diesen Überlegungen sollte nicht vergessen werden, dass sich Unternehmens- und Unternehmerprofil gegenseitig ergänzen können, indem sie ihre Beiträge gegenseitig teilen, liken und kommentieren.

Social Media ist Marathon

Letzlich spielt Geduld eine große Rolle. Niemand wird von heute auf morgen zum Meinungsführer mit hunderttausenden an Folllowern. Aber zu einem geschätzten Netzwerkpartner, dessen Beiträge man gerne liest, kann jeder werden. Und das ist als vertrauensbildendes Element für Familienunternehmer auf allen Ebenen ein ganz zentraler Baustein guter Kommunikation.

Aktionsplan für LinkedIn-EInsteiger

  1. Melden Sie sich bei Linkedin an (ca. 10 min)
  2. Pflegen Sie ihr Profil mit aussagekräftigen Informationen und einem professionellen Porträt (ca. 2 Stunden)
  3. Vernetzen Sie sich mit bereits persönlich bekannten Personen (ca. 1 Stunde)
  4. Investieren Sie jeden Tag in Lesen, Kommentieren und Liken von Beitragen aus ihrem Newsfeed (15 min täglich)
  5. Sobald sie ein Gefühl für die Plattform bekommen, schreiben sie ihren ersten eigenen Beitrag (Investition: 10 min)
  6. Arbeiten Sie sich langsam an das Ziel von einem relevanten Beitrag für Ihr Netzwerk pro Tag heran.