Recht & Steuern

Steuertipp
Aktuelles Corona-Maßnahmenpaket kommt im Eiltempo

Joachim Schramm

Seit mehreren Monaten breitet sich Covid-19 auf der ganzen Welt aus. Mitte März brach die Konjunktur drastisch ein, ausgelöst durch den weltweiten Shutdown des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft. Insbesondere hierdurch entstanden erhebliche Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre wirtschaftliche Lage. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Politik schnell handeln muss.

Mit Sofortmaßnahmen, für notleidende Unternehmen, wurde versucht, den Schock einzudämmen und Arbeitsplätze zu erhalten. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, beschloss die Bundesregierung am 29. Juni 2020 ein umfangreiches steuerliches Konjunkturpaket. Im Nachfolgenden werden ausgewählte Maßnahmen dieses Pakets erläutert.

Umsatzsteuer

Ab dem 1. Juli 2020 gelten – befristet auf sechs Monate und bis zum 31. Dezember 2020 – neue Regelsätze bei der Mehrwertsteuer von 16 Prozent bzw. 5, anstelle der gewohnten 19 Prozent bzw. 7 Prozent . Ab dem 1. Januar 2021 werden die gewohnten Steuersätze voraussichtlich wieder Anwendung finden. 

Wichtig ist, dass insbesondere bei der Rechnungserstellung und den Eingangsrechnungen der richtige Umsatzsteuersatz angewendet wird. Denn ist der ausgewiesene Steuersatz zu hoch, wird dieser trotzdem beim Finanzamt zur Zahlung fällig; der Leistungsempfänger hingegen kann aufgrund der falschen Steuerausweisung keine Vorsteuer geltend machen. Vorsicht ist insbesondere auch bei Miet- und Leasingverträgen geboten, ebenso bei Anzahlungen und sonstigen Dauerleistungen. Diese Verträge müssen unbedingt angepasst werden. Dies ist daher auch in der laufenden Buchhaltung sowie im Zahlungsverkehr zu berücksichtigen.

Weitergabe der Umsatzsteuersenkung?

Bei langfristigen Verträgen, die bereits mindestens vier Monate vor der Steuersatzänderung geschlossen worden sind, hat der Kunde ein Recht auf einen Ausgleich, wenn bereits vorher Anzahlungen mit dem alten Steuersatz geleistet wurden. Dieses Ausgleichsrecht kann jedoch auch vertraglich ausgeschlossen werden.

Bei einfachen Ladenverkäufen nach dem 30.06.2020 oder Leistungen aufgrund von Verträgen, die nach dem 30.06.2020 geschlossen wurden, besteht keine Verpflichtung, die Ersparnis aus den niedrigeren Steuersätzen durch die Absenkung der Bruttopreise an Endkunden weiterzugeben.

Überbrückungshilfen

Ziel dieser Überbrückungshilfe ist es, kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Branchen, die unmittelbar durch die Krise betroffen sind, für Juni bis August 2020 weitergehende Liquiditätshilfen zu gewähren. Das Bundesfinanzministerium hat hinsichtlich der Antragsberechtigten und den förderfähigen Kosten ein ausführliches Schreiben veröffentlicht. 

Antragsberechtigte sind unter anderem Unternehmen, die eine Einstellung der Geschäftstätigkeit vollständig oder zu wesentlichen Teilen in Folge der Coronakrise hatten, oder auch Soloselbständige der freien Berufe. Förderfähige Kosten sind beispielsweise Mieten und Pachten für Gebäude, Zinsaufwendungen für Kredite oder Grundsteuern. Der Antrag kann ausschließlich über den Steuerberater erfolgen.

Kurzarbeit

Viele Unternehmen nahmen im Rahmen der Coronapandemie Kurzarbeit in Anspruch, um die Krise zu überstehen. Dies könnte am Ende des Jahres Folgen für die Arbeitnehmer mit sich bringen, die in Kurzarbeit waren. Aufgrund des Progressionsvorbehalts im Steuerrecht könnten hohe Einkommensteuer-Nachzahlungen drohen. Hier sollte vorsorglich im Privatvermögen des Arbeitnehmers ein Puffer für mögliche Nachzahlungen aufgebaut werden.

Die Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen. Bei jeglichen steuerlichen Herausforderungen stehen wir Ihnen mit unserem Team gerne bei Seite. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.