Nachfolger im Gespräch
Die News April 2022

Teil eines großen Ganzen werden

Elsner Elektronik setzt auf nachhaltige Nachfolge

Mit Bastian und Lina Elsner ist beim Familienunternehmen Elsner Elektronik der Generationswechsel in vollem Gange. Die Redaktion sprach mit Bastian Elsner über den bisherigen Nachfolgeprozess und unter anderem darüber, warum er keinen Plan B in der Tasche hat.

Hendrik Fuchs
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Elsner Elektronik

Herr Elsner, bitte stellen Sie kurz Ihr Unternehmen vor.

Ursprünglich wurde die Elsner Elektronik 1990 von meinen Eltern als Einzelunternehmen gegründet, das dann 1997 in eine GmbH umgewandelt wurde. Wir sind ein klassisches Familienunternehmen, dessen Geschichte auf dem Dachboden des Elternhauses begonnen hat. Allerdings wurden die heimischen vier Wände schnell zu klein. Das erste Firmengebäude wurde in Gechingen gebaut. 2015 entstand unser Hauptsitz in Ostelsheim in der Nähe von Calw. Elsner Elektronik ist ein Elektronikhersteller, der sich auf alles rund um intelligente Gebäude spezialisiert hat. Das fängt an bei Sensoren, etwa für Präsenzmelder, Licht-, Klima- und Heizungssteuerung, und reicht bis zu technischen Produkten für die Raumluft-Qualität. Software für die intelligente Steuerung rundet unser Portfolio ab. An unserem Hauptsitz geschieht alles von Produktdesign und Entwicklung über Einkauf und Fertigung bis zu Marketing, Vertrieb und Service.

Warum haben Ihre Schwester und Sie sich für eine Nachfolge im elterlichen Betrieb entschieden?

Hätte man mich als Jugendlicher im Alter von 16 oder 17 Jahren gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, irgendwann einmal in das Unternehmen meiner Eltern einzusteigen, hätte ich energisch abgewunken. Ich habe damals meine Zukunft ganz klar außerhalb des Betriebs gesehen. Erst durch mein Bachelorstudium im Bereich Wirtschaftspsychologie und begleitende Praktika in Unternehmensberatungen hat sich das grundlegend verändert. Denn dort bekam ich einen sehr fundierten Einblick in betriebswirtschaftliche Prozesse. Und da habe ich das erste Mal verstanden, was meine Eltern in den vergangenen 31 Jahren eigentlich alles aufgebaut und geleistet haben; was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – sei es gegenüber der Belegschaft, den Kunden, Produkten oder Prozessen. Davor habe ich größten Respekt. Dieses Verantwortungsbewusstsein gab letztlich den Ausschlag für mich, dass ich ein Teil davon sein wollte. Auch die Wertschätzung dessen, was meine Eltern erreicht haben, war sicherlich auch ein Grund, warum ich mich für einen Einstieg entschieden habe. Nach dem Studium war ich für eine große Unternehmensberatung zwei Jahre tätig, habe aber dann gemerkt, dass das nicht das ist, war ich mir längerfristig vorstellen kann. Da war ich eben nur ein kleines Rädchen von vielen. Ich wollte aber mehr – vor allem mehr Freiräume zur Selbstentfaltung. Dennoch möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Es ist gut zu wissen, sich auch außerhalb des elterlichen Betriebs ausprobiert zu haben.

Das Familienunternehmen ist ein Elektronikhersteller, der sich auf intelligente Gebäudetechnik spezialisiert hat. Elsner Elektronik

Meine Schwester, die zuerst einen Bachelor in PR und Kommunikation und anschließend einen Master in Unternehmensführung gemacht hat, ist aus den gleichen Beweggründen heraus ins Familienunternehmen eingetreten. Sie stieg ein Dreivierteljahr früher in den Betrieb ein. Und natürlich hat es für mich eine gewisse Rolle bei meiner Entscheidung gespielt, dass auch sie mit an Bord ist.

Was ist Ihnen in Sachen Nachfolge besonders wichtig?

Mir war von Anfang an sehr wichtig, dass ich mich auf Augenhöhe mit den Mitarbeitenden beweisen kann und dafür hart arbeite. Ich wollte aufgrund meiner Zugehörigkeit zur Unternehmerfamilie auf keinen Fall ausschließlich als Sohn von Chef wahrgenommen werden, sondern zeigen, dass ich der Beste für diesen Posten bin. Dazu gehört natürlich auch der regelmäßige Austausch mit den Mitarbeitenden, der ohnehin seit jeher in unserer Unternehmenskultur fest verankert ist und entsprechend gepflegt wird.

Sie sind beide 2020 an Bord gegangen. Wie sah der bisherige Nachfolgeprozess aus? Was ist in den nächsten Jahren geplant?

Geplant ist, dass wir in den nächsten Jahren in einem ersten Schritt die Prokura erhalten und im folgenden Schritt in die Geschäftsleitung aufsteigen. Einen fixen Exit-Termin für meine Eltern gibt es nicht, allerdings ist die Übergabe innerhalb der nächsten fünf Jahre geplant. Meiner Schwester und mir ist es sehr wichtig, dass wir noch genügend Zeit haben, von unseren Eltern möglichst viel Know-how und Expertise mit auf den Weg zu bekommen.

Der Nachfolgeprozess an sich ist bei uns durch eine sehr rege und direkte Kommunikation geprägt. Im Prinzip kann ich bei Fragen und Problemen rund um die Uhr meinen Vater anrufen oder ihn aufsuchen. Die Tendenz geht dahin, dass ich eher diejenigen Bereiche nach und nach übernehmen werde, die mein Vater betreut. Das sind etwa der Vertrieb und die Produktentwicklung. Gerade im Vertriebsbereich arbeite ich inzwischen relativ selbstständig, bei der Produktentwicklung agieren wir Hand in Hand. Sobald es um die Kundenkommunikation oder -termine geht, fällt das in meinen alleinigen Verantwortungsbereich. Meine Schwester ist hingegen vor allem im Backoffice aktiv und hat bereits das Personalmanagement übernommen. Es gibt aber auch zahlreiche Überschneidungen bei den Aufgabengebieten. Daher werden viele Themen im Viererverbund besprochen.

Inwieweit und in welcher Funktion meine Eltern nach ihrem Ausscheiden aus dem Operativen dem Unternehmen erhalten bleiben, ist noch nicht geklärt. Denkbar ist etwa eine strategische Rolle meines Vaters in der Produktentwicklung.

Fotofabrik Stuttgart

Wie hat die Pandemie den eingeläuteten Generationswechsel beeinflusst?

Die Pandemie hat uns in sehr vielen Punkten extrem weitergebracht. Dank meines Alters und als Vertreter einer jüngeren Generation verfüge ich über ein digitales Selbstverständnis. Die Digitalisierung hatte sich bis zur Pandemie noch nicht im ausreichenden Maße in allem Prozessen widergespiegelt. Die Pandemie hat meinen Eltern aber gezeigt, dass Dinge wie Homeoffice und Remote-Arbeit mit digitalen Tools wunderbar funktionieren. Wir mussten nur unsere Prozesse entsprechend anpassen, um mit diesem Neu-Normal zurechtzukommen. Das alles waren übrigens Ideen, die ich sowieso irgendwann einmal in Angriff genommen hätte, deren Umsetzung jetzt pandemiebedingt ein Stück weit beschleunigt wurde. In den vergangenen zwei Jahren wurde unter meiner Federführung kräftig in digitale Tools und Hardware investiert. Da meine Eltern gegenüber Neuem immer aufgeschlossen sind und sie meiner Expertise auf diesem Gebiet vertrauen, hatte ich hier weitgehend freie Hand, musste natürlich aber immer gut begründen, inwieweit sich eine bestimmte Anschaffung für das Unternehmen lohnt.

Nicht jede Nachfolge ist von Erfolg gekrönt. Inwieweit haben Sie denn einen Plan B in der Tasche?

Eine spannende Frage. Ich habe tatsächlich keinen Plan B und ehrlich gesagt habe ich noch nie darüber nachgedacht, was ich mache, wenn die Nachfolge nicht klappen sollte. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Generationswechsel bei uns funktionieren wird. Das ist so ein Unternehmerding. Es braucht einfach eine große Portion Optimismus und Zuversicht. Natürlich kann immer etwas schiefgehen, aber ich weiß auch, dass ich eine gute Ausbildung in der Tasche habe und vier Sprache nahezu fließend spreche. Im Fall der Fälle werde ich immer einen Platz finden, an dem ich mich verwirklichen kann. Aber Stand heute sehe ich absolut keinen Grund, mir über einen Plan B Gedanken machen zu müssen. Mein Fokus liegt voll und ganz auf dem, was ich heute im elterlichen Unternehmen mache.

Was hat Ihnen den bisherigen Nachfolgeprozess erleichtert, was hatten Sie vielleicht anfangs auch unterschätzt?

Vor allem die Annahme und Unterstützung vonseiten der Belegschaft hat mir das Ganze sehr erleichtert. Viele der Mitarbeitenden sind bereits sehr lange im Betrieb und nicht wenige kenne ich von Kindesbeinen an. Unser Miteinander ist durch ein sehr hohes Maß an Vertrautheit gekennzeichnet. Man kann sehr offen miteinander sprechen, erhält auch ehrliches Feedback. Natürlich hat auch der regelmäßige und vertraute Austausch mit meinen Eltern vieles einfacher gemacht.

Was ich unterschätzt habe? Die Komplexität des gesamten Unternehmens. Es ist allein schon sehr herausfordernd, zu verstehen, wie einzelne Unternehmensbereiche funktionieren. Erst wenn man in allen Abteilungen involviert ist und auch lernt, was ein Familienunternehmen an sich so besonders macht, ist man in der Lage, sich ein Gesamtbild des elterlichen Betriebs zu machen. Das ist ein Prozess, der bei mir noch lange nicht abgeschlossen ist und an dem ich jeden Tag wachse. Deshalb ist ja auch die Kommunikation mit den Eltern und den erfahrenen Mitarbeitenden so essentiell.

Welche Tipps können Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben, die zwar nicht abgeneigt sind, das Unternehmen ihrer Eltern oder Verwandten zu übernehmen, aber die noch zögern?

Rückblickend würde ich sagen: einfach machen, ins kalte Wasser springen und ausprobieren, denn es ist nie eine endgültige Entscheidung. Wenn es nicht klappen sollte, gibt es immer die Möglichkeit, einen anderen Weg einzuschlagen. Man sollte es meiner Meinung nach auf jeden Fall probiert haben, wenn man nicht völlig abgeneigt ist. Die Freiheiten und Entwicklungsmöglichkeiten, die sich aus diesem Schritt ergeben können, sind enorm. Alleine in den vergangenen zwei Jahren konnte ich so viel lernen und für mich mitnehmen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ein Teil von etwas Großem sein darf. Daher mein Rat, es unbedingt auszuprobieren, auch wenn man seine Zweifel hat.

www.elsner-elektronik.de

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