Planen & Führen

Tradition ehren, neue Impulse setzen
Wie die nächste Unternehmergeneration tickt

(HF)

In einer Studie hat das Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen zusammen mit der Stiftung Familienunternehmen die Einstellungen, Werte und Zukunftspläne der nächsten Unternehmergeneration untersucht.

Die Studie beleuchtet die Themenkomplexe „Zentrale Werthaltungen und unternehmerisches Verhalten“, „Familie und Familienunternehmen“, „Zusammenarbeit mit Start-ups“, „Ausbildung, persönliche Zukunftspläne und Nachfolge“ sowie „Selbstverwirklichung, Individualität und Eigenverantwortung“. Es wird unter anderem deutlich, dass die nachrückende Unternehmergeneration die Tradition ihrer Vorgänger ehren will, aber neue Impulse setzen möchte.

Großes unternehmerisches Selbstvertrauen

Der nächsten Generation, die an die Spitze der Familienunternehmen drängt, sind Werte wie Eigenverantwortung, Leistungsorientierung, aber auch ein intaktes soziales Umfeld besonders wichtig. Zudem räumt sie der Individualität und Selbstverwirklichung einen hohen Stellenwert ein. Die Befragung hat unter anderem gezeigt, dass die Teilnehmer bereits in jüngerem Alter ein ausgeprägtes unternehmerisches Selbstvertrauen entwickelt haben und sich durchaus in der Lage fühlen, eine Firma erfolgreich zu führen, sei es das Familienunternehmen der Eltern oder ein selbstgegründeter Betrieb. Abgesehen von der Anstellung im eigenen Familienunternehmen wird ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis eher nicht angestrebt. Die Nachfolger planen für ihre künftige Rolle in erster Linie Erfahrungen im eigenen Familienunternehmen zu sammeln. Dies wird dicht gefolgt von der Möglichkeit, sich außerhalb des eigenen Familienunternehmens in einer anderen Branche zu qualifizieren. Fast die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage zu, dass es ein ungeschriebenes gemeinsames Verständnis der Rolle und der Verantwortlichkeiten der Seniorgeneration im Unternehmen für die Zeit nach der Übergabe gibt. Nur knapp ein Fünftel gibt an, dass ein schriftlich festgelegter Plan bezüglich der Rolle und den Verantwortlichkeiten der Seniorgeneration im Unternehmen für die Zeit nach der Übergabe bereits erarbeitet wurde.

Einer der Initiatoren der Studie: Prof. Reinhard Prügl, Leiter des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen an der Universität Friedrichshafen. Auf der 15. Familienunternehmer-Konferenz am 16. Juli 2020 in Stuttgart wird er weitere Details der Studie präsentieren.FIF
Einer der Initiatoren der Studie: Prof. Reinhard Prügl, Leiter des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen an der Universität Friedrichshafen. Auf der 15. Familienunternehmer-Konferenz am 16. Juli 2020 in Stuttgart wird er weitere Details der Studie präsentieren.

Herausforderung Fachkräftemangel

In der Befragung zum Themenkomplex „Familie und Familienunternehmen“ wird deutlich, dass die nächste Generation viel Wert auf die Familie legt. So ist die Bewahrung der Einheit „Familie“ für drei Viertel der Befragten von großer Bedeutung. Außerdem wird die Tätigkeit der Eltern im Unternehmen genauer beleuchtet. Hierbei fällt auf, dass die Mehrheit der Unternehmen aus der Stichprobe zum Familienzweig des Vaters der Befragten gehört. Bei fast der Hälfte der Unternehmen übt oder übte der Vater die Rolle der Geschäftsführung aus.

Kooperationen mit Start-ups erstrebenswert

Für die Zukunft der Familienunternehmen sehen die Befragten sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Als Chancen werden unter anderem Digitalisierung, Wachstum, Innovation, Branding und Veränderungen durch die nächste Generation genannt. Zu den Herausforderungen zählt für die nachkommende Generation erstens der Arbeits- und Fachkräftemangel. Bedingt durch die meist eher ländliche Lage der Familienunternehmen und der oftmals klassischen Arbeitszeitmodelle macht sich der Unternehmensnachwuchs Gedanken um die Mitarbeiterrekrutierung sowie -bindung. Zweitens wird die Digitalisierung genannt. Weiterhin sehen die Teilnehmer die Zusammenarbeit mit Start-ups vor allem für die Entwicklung von digitalen Lösungen, neuen Geschäftsmodellen und Produkten als wichtig an. Hier stimmten rund drei Viertel der Befragten zu. Dabei werden realistischerweise auch Herausforderungen für die Kooperation gesehen, allen voran das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen von Familienunternehmen und Start-ups. 

Offener gegenüber Führen im Team

Eine Besonderheit der diesjährigen Ausgabe der Studie stellt die Trendanalyse dar. Dieser liegen die Daten aus allen fünf Erhebungen zu Deutschlands nächster Unternehmergeneration aus den Jahren 2010, 2012, 2015, 2017 und 2019 zugrunde. Die abgeleiteten Trends beziehen sich auf den jeweiligen Kern der einzelnen Befragungen rund um ausgewählte Themenkomplexe, da die Daten zu den Schwerpunktthemen nur für einzelne Jahre vorliegen und somit einer Trendanalyse nicht zugänglich sind. So zeigt sich beispielsweise, dass Deutschlands nächste Unternehmergeneration offener gegenüber einer aus mehreren Mitgliedern bestehenden Geschäftsführung geworden ist und ihrer Ansicht nach die Notwendigkeit einer formalen Rolle der Seniorgeneration nach der Übergabe sinkt. Weiterhin zeigt sich, dass die Werthaltungen des Unternehmernachwuchses hinsichtlich der Bereiche „Selbstverwirklichung“, „Individualität“ und „Eigenverantwortung“ über die Zeit an Bedeutung zunehmen. Hinsichtlich der Zukunftspläne lässt sich ein sehr starker Anstieg für die Option der Übernahme des Familienunternehmens erkennen. Außerdem zeigt sich, dass die nächste Generation über die betrachteten zehn Jahre hinweg mehr und mehr auf die Unterstützung ihrer Familie vertrauen kann.

Kurz vorgestellt

Das Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen (FIF) beschäftigt sich seit der Gründung im Jahr 2009 in Forschung, Lehre und Weiterbildung insbesondere mit den zentralen unternehmerischen und familiären Herausforderungen und Chancen von Familienunternehmen in Bezug auf deren Zukunftsfähigkeit. Dabei werden alle Themen wie beispielsweise Strategie, Innovation, Markenführung und Unternehmensnachfolge aus einer generationenübergreifenden und interdisziplinären Perspektive betrachtet. Unser Ansatz ist dabei bewusst forschungsstark und gleichzeitig anwendungsorientiert sowie unternehmerisch. Das FIF möchte einen Beitrag dazu leisten, die Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen aktiv zu gestalten und arbeitet dabei mit allen Generationen einer Unternehmerfamilie zusammen.

www.zu.de/fif

Die Studie „Deutschlands nächste Unternehmergeneration 2020“ kann hier kostenlos heruntergeladen werden: bit.ly/2vb14e3Hendrik Fuchs
Die Studie „Deutschlands nächste Unternehmergeneration 2020“ kann hier kostenlos heruntergeladen werden: bit.ly/2vb14e3