Nachfolger im Gespräch

Über Projekte hineingewachsen
Nachfolge im Hause Hecht

Hendrik Fuchs

Die 1969 in Tübingen gegründete Hecht Einrichtungen GmbH wird heute in 3. Generation geführt. Die Redaktion sprach mit Frank Hecht, der gemeinsam mit seinem Bruder an der Spitze des Familienunternehmens steht, über den Nachfolgeprozess.

Zwei Generationen, die die Nachfolge gemeistert haben: Jochen, Ewald, Antje und Frank Hecht (v. l.)

Inwieweit war für Ihren Bruder Jochen und Sie immer schon klar, dass Sie einmal in die Fußstapfen Ihrer Eltern treten werden?

Irgendwie lief bei mir alles darauf hinaus. Das Unternehmen war natürlich in der Familie omnipräsent. Schon als kleiner Junge durfte ich an der Seite unseres Großvaters, ehemaliger Bauhaus-Student, seine Zeichenkünste bewundern und ihm selbst nacheifern. Ab meinem 16. Lebensjahr war ich darüber hinaus immer wieder mit meinem Vater auf Messen und Geschäftsreisen, zum Beispiel in Kopenhagen. Nach dem Abitur beziehungsweise nach meinem Wehrdienst war es für mich erst einmal wichtig, eine Lehre außerhalb unseres Unternehmens zu machen. Ich hatte recht schnell eine Ausbildungsstelle im Bereich Groß- und Außenhandel in einem befreundeten Einrichtungshaus in Waldshut an der Hand. Nach der Ausbildung wollte ich aber nicht gleich bei meinen Eltern im Betrieb anfangen, weil ich mich für diesen Schritt noch nicht bereit fühlte. So absolvierte ich in München zuerst ein Innenarchitektur-Studium, bis ich dann 1995 ins Unternehmen einstieg. Mein Bruder hatte ursprünglich ganz andere Pläne: Anfang der 1990er-Jahre studierte er Produktdesign in Mailand und arbeitete ein paar Jahre in Italien als Designer. 1997 hat es ihn aber dann doch wieder in die Heimat und ins elterliche Unternehmen gezogen.

Wie lief der Nachfolgeprozess konkret ab?

Einen genau festgelegten Nachfolgeprozess gab es bei uns nicht. Ich bin über meine Aufgaben und Projekte nach und nach in die Verantwortung hineingewachsen. Als ich 1995 im Unternehmen angefangen habe, gab es in der ersten Zeit eine klare Rollenverteilung. Die Eltern hatten das Sagen und ich als Junior sollte mich erst einmal einfinden und beweisen. Ich kannte zwar das Unternehmen, hatte aber in Sachen Geschäftsleitung keinerlei Erfahrung. Es war eine sehr spannende Zeit, denn da ging es los mit dem Internet. Es stand die Frage im Raum, ob wir einen eigenen Internetauftritt brauchen oder nicht. Dieses Thema setzte ich auf meine Agenda, kümmerte mich – nach einem Tipp eines befreundeten Marketingprofis – gleich um die Sicherung unseres Domain-Namens „hecht.de“. Kurz darauf ging dann auch unsere erste Website online. Da waren wir für ein mittelständisches Unternehmen damals relativ weitsichtig. Ein weiteres Projekt, das mir damals sehr am Herzen lag, war ein zusätzliches Geschäft, eine Zweigstelle – in Kirchentellinsfurt, rund eine Viertelstunde Fahrzeit von unserem Tübinger Stammsitz entfernt. Dort hatten wir in einer alten Fabrikhalle ein Lager, dessen vorderer Teil sich ideal für einen Laden mit großer Ausstellungsfläche eignete – tolle Räumlichkeiten, an der B 27 verkehrstechnisch optimal gelegen und mit vielen Parkmöglichkeiten. 1997 war es dann so weit, die Hecht-Designfabrik ging an den Start – zusammen mit meinem Bruder. Das war der Zeitpunkt, ab dem ich mehr oder weniger selbstständig arbeiten, mich noch freier entfalten, aber auch eine etwas andere Kultur vor Ort entwickeln konnte.

In den vergangenen fünf bis zehn Jahren ist das gesamte Unternehmen dann schließlich auf meinen Bruder und mich übergegangen. Er ist heute für den Stammsitz in Tübingen verantwortlich, während ich in Kirchentellinsfurt die Zügel in der Hand halte. Jeder hat darüber hinaus seine Stärken, die standortübergreifend ausgespielt werden. Bei meinem Bruder ist das die Lichtplanung und bei mir der Bereich Marketing. Grundsätzliche Entscheidungen werden aber natürlich gemeinsam getroffen, wir stehen uns jederzeit gegenseitig beratend zur Seite. Und auch bei strategischen Überlegungen suchen wir den Konsens.

Und ihre Eltern?

Meine Mutter ist nach wie vor im Unternehmen in Tübingen aktiv, kümmert sich aber ausschließlich um den Bereich Accessoires, hier vor allem um den Einkauf. Mein Vater steht uns weiterhin als Berater im Hintergrund zur Verfügung. Er war noch vor anderthalb Jahren regelmäßig im Unternehmen, aber seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nur noch selten vor Ort.

Was hat Ihnen rückblickend die Nachfolge erleichtert?

Das war vor allem ein großer Vertrauensvorschuss von Seiten unserer Eltern. In Vielem haben sie uns weitgehend freie Hand gelassen und uns tatkräftig in unserem Tun unterstützt – etwa als es darum ging, die Designfabrik zu finanzieren und zu realisieren. Auch als die Digitalisierung richtig an Fahrt aufgenommen hat, haben sie uns machen lassen. Gleichzeitig wurde uns beigebracht, wie man vernünftig wirtschaftet: Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, das Geld zweimal umzudrehen, bevor man es ausgibt. Das war eine Topschulung, die ich nicht missen möchte.

Wie hat sich das Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren verändert, was wollen Sie auf jeden Fall auch in Zukunft von den Vorgänger-Generationen beibehalten?

Was wir beibehalten wollen, sind Dinge wie Verlässlichkeit, guter Service, hochwertige und langlebige Produkte und die Pflege eines Partnernetzwerks, das bereits seit vielen Jahrzehnten besteht. Was sich geändert hat, ist zum Beispiel der Führungsstil. Gab es bei uns früher klare Hierarchien, geben wir beide heute mehr Verantwortung an unsere Mitarbeiter ab, lassen ihnen mehr Freiräume. Eine klassische Chef-Mitarbeiter-Struktur gibt es bei uns heute eigentlich nicht mehr. Das hat anfangs natürlich für viele Diskussionen mit unseren Eltern gesorgt. Aber letztlich haben sie eingesehen, dass ein alter Führungsstil einfach nicht mehr up-to-date ist. Auch in Sachen Werbung machen wir heute einiges anders. Während unser Vater vor allem auf Anzeigen in Printmedien setzte, werben wir heute verstärkt online, sind unter anderem auf Facebook und Instagram aktiv. Erwähnenswert ist auch unsere Occhiogallery, ein großes Licht-Studio, das vor anderthalb Jahren in unseren Räumlichkeiten in Kirchentellinsfurt eröffnet wurde.

Welche Tipps haben Sie an junge Menschen, die ebenfalls mit einer Nachfolge im elterlichen Betrieb liebäugeln?

Ich kann nur jedem empfehlen, mit dem notwendigen Respekt und Fingerspitzengefühl an die Sache heranzugehen – und nicht gleich alles auf den Kopf stellen zu wollen. Ansonsten ist Streit mit der Vorgängergeneration vorprogrammiert. Daher ist eine Strategie der kleinen Schritte zielführender. Dazu eignen sich kleinere Projekte innerhalb des Unternehmens, die den Eltern zeigen, dass ihr Sprössling das Zeug zu mehr hat. Und es braucht auch Mut und Durchhaltevermögen, Dinge umzusetzen und durchzuziehen.

www.hecht.de