Nachfolger im Gespräch

Vier Brüder – eine Vision
Tress hat das große Ganze im Blick

Hendrik Fuchs

Mit viel Herzblut haben die Brüder Daniel, Simon, Christian und Dominik Tress aus dem elterlichen Betrieb heraus ein florierendes Bio-Unternehmen auf der Schwäbischen Alb aufgebaut. Allerdings sehen sie sich nicht im klassischen Sinne als Unternehmer.

Die vier Tress-Brüder Daniel, Simon, Dominik und Christian (v.l.).

Dass die vier Brüder einmal alle im Unternehmen ihrer Eltern tätig sein werden, war alles andere als klar: „Anfangs gab es in Hayingen-Ehestetten nur den kleinen Gasthof Rose und ein Bio-Hotel mit elf Zimmern. Ein Unternehmen dieser Größe hätte lediglich einen Nachfolger verkraftet“, schmunzelt Dominik Tress, der jüngste der vier Brüder. Doch die Nähe zum Familienunternehmen sei immer schon da gewesen. Bereits als Kinder arbeiteten die Jungs kräftig mit, sei es auf dem Feld, beim Kartoffelschälen in der Küche des Gasthofs oder beim Bekleben der Wurstdosen nach dem Kirchgang. „Wir haben schon früh gelernt, wie wichtig die Natur für uns ist und was gute und gesunde Lebensmittel ausmacht.“

Der Gesellschaft dienen

Seit 2003 nutzt das Familienunternehmen das in der Nähe befindliche Schloss Ehrenfels zusätzlich für Hochzeitfeiern und andere Events, zwei Jahre später erwirbt man die Wimsener Wasserhöhle mit seinem historischen Gasthof Friedrichshöhe. Nach dem Tod des Vaters 2008 stand die Familie aber generell vor der Frage, wie und in welcher Form es mit dem Unternehmen weitergehen soll. „Wir sahen uns in der Verantwortung, das Lebenswerk unserer Familie fortzuführen und für kommende Generationen etwas aufzubauen. Wir identifizieren uns dabei aber nicht mit der klassischen Unternehmerrolle, sondern möchten der Sache an sich dienen und für die Gesellschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Das war für uns die Motivation, an Bord zu gehen“, betont Tress.

Jeder hat seine Rolle gefunden

Mit der Eröffnung einer Biomanufaktur, in der hochwertige frische Fertigprodukte in Bio- und Demeter-Qualität für den Bio-Fachhandel und den klassischen Lebensmitteleinzelhandel produziert werden, kommt 2009 ein weiteres Standbein des Familienunternehmens hinzu, für das sich Dominik Tress verantwortlich zeichnet. Bruder Daniel kümmert sich um alle Belange rund um die Wimsener Höhle nebst Restaurant sowie die Events auf Schloss Ehrenfels. Der aus dem Fernsehen bekannte Bio-Spitzenkoch Simon Tress übernahm 2006 die Küchenleitung der unternehmenseigenen Bio-Gastronomie. Bruder Christian hat als Steuerberater das Finanzielle im Blick. Das Bio-Restaurant liegt in den Händen von Mutter Inge Tress, Schwiegertochter Stefanie arbeitet in der Verwaltung. „Wir hatten das große Glück, dass jeder aus der Familie seine Rolle innerhalb des Unternehmens gefunden hat – das zu tun, was einem liegt“, betont der 33-Jährige. Man habe einfach „vieles laufen gelassen“ und daraus seine Schlüsse gezogen. „Am Ende hat sich dann alles zu einem harmonischen Gesamtbild zusammengefügt und wir haben schnell gemerkt, dass wir große Freude und Spaß daran haben, gemeinsam Projekte voranzutreiben.“

Seit 2009 produziert das Familienunternehmen Fertigsuppen in Bio- und Demeter-Qualität.Tress Brüder
Seit 2009 produziert das Familienunternehmen Fertigsuppen in Bio- und Demeter-Qualität.

Apropos harmonisch: Vier Brüder in einem Unternehmen – kann das gut gehen? „Es geht“, versichert Tress. Natürlich gebe es auch einmal kleinere Reibereien, aber die Familie verbinde eine gemeinsame Vision – und jeder wisse, dass man in dem, was man tut, nur gemeinsam erfolgreich sein könne. Das diszipliniere ungemein. Darüber hinaus habe man eine gewisse Achtsamkeit verinnerlicht, die in ihrem tiefen christlichen Glauben begründet liege.

Tradition ehren und weiterentwickeln

Stolz sind die Brüder auf die Konsequenz und Beharrlichkeit ihrer Vorfahren, wie sich diese den biologisch-dynamischen Richtlinien verschrieben, ihre innovativen Ideen vorangetrieben haben – und wie es gelungen ist, trotz des Standortnachteils auf der Schwäbischen Alb ein gut laufendes Unternehmen aufzubauen. „Da gehörte schon einiges dazu, jemanden so zu begeistern, dass er extra aus Stuttgart nach Hayingen ins ‚Nirgendwo‘ fährt, um in unserem Gasthof einzukehren. So gesehen war der Standortnachteil in gewisser Weise auch ein Innovationsbeschleuniger“, hebt Tress hervor. Die Tradition wollen die Brüder weiter pflegen: „Bio ist für uns nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern spiegelt auch unsere Denk- und Lebensweise wider“, so Tress. Und diese soll auch für die kommende Generation erhalten bleiben.

Das Bio-Restaurant „Rose“ ist das Herzstück des Familienunternehmens.Ralph Koch
Das Bio-Restaurant „Rose“ ist das Herzstück des Familienunternehmens.

Zukunft fest im Blick

In den vergangenen zehn Jahren ist das Unternehmen kräftig gewachsen. Lag der Umsatz noch 2009 noch bei 1,5 Millionen Euro, waren es 2019 bereits zehn Millionen Euro. Auf diesem Erfolg wollen sich die Schwaben aber nicht ausruhen. Vor allem in den Bereichen Markenorientierung und Kundenschnittstelle sehen die Brüder noch viel Potenzial. „Die Vernetzung mit unseren Kunden ist für uns derzeit ein großes Thema“, so Tress. Das Gleiche gilt für die Suppen-Produktion, die gerade ausgebaut wird. Ein weiteres Anliegen ist für die Unternehmer das Thema Transparenz in den Lieferketten. Dazu arbeitet man gerade an einem Tracking-Code für die Verpackungen, der Auskunft darüber geben soll, woher die in den Convenience-Produkten verarbeiteten Zutaten kommen.

Wie alles begann

Die Wurzeln des Familienunternehmens Tress reichen bis ins Jahr 1950 zurück. Damals setzte Johannes Tress senior, der Großvater der heutigen Eigentümer, und ein Pionier des biologisch-dynamischen Anbaus, alles daran, seine Idee von einer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur voranzutreiben. Alle auf dem Feld und im Stall erwirtschafteten Erzeugnisse bot er zusammen mit seiner Frau den Gästen in einem kleinen Gasthof an – der Rose, nach wie vor das Herzstück des Familienunternehmens. Über die Jahre hinweg wurde der Gasthof immer bekannter. Viele Gäste aus den Städten Stuttgart, Ulm und Tübingen fuhren auf die Schwäbische Alb, um im Bio-Gasthof einzukehren. Vor allem die Gemüsesuppe, die Großmutter Seffa Tress nach dem Rezept von Hildegard von Bingen zubereitete, hatte viele Fans. Mit der Zeit und über die Generationen hinweg wurde aus dem kleinen Betrieb nach und nach ein größeres Bio-Unternehmen, in dem aktuell drei Generationen arbeiten. Heute tritt das Familienunternehmen unter der Marke „TressBrüder“ auf.

www.tressbrueder.de

www.tress-gastronomie.de