Treffpunkte

Von der Inspiration zur Transpiration
1. digitaler Familien-Unternehmertag von Weissman

Hendrik Fuchs

Das erfolgreiche Fortbestehen eines Familienunternehmens hängt maßgeblich davon ab, wie Unternehmerinnen und Unternehmer mit Krisen und Rückschlägen umgehen und in der Lage sind, sich selbst und ihr Geschäftsmodell immer wieder zu hinterfragen. Das wurde beim digitalen Familien-Unternehmertag des Weissman-Instituts zum Thema „Zukunftsfägigkeit von Familienunternehmen“ im Juni mehr als deutlich. 

Beim digitalen Familien-Unternehmertag sprachen mutige Unternehmerinnen und Unternehmer wie Susanne Puello und ihre Tochter Christina Diem-Puello über ihre Erfolgsgeschichten, aber auch ihre Misserfolge.

Prof. Arnold Weissman zeigte gleich zu Beginn des Events mit seiner Agenda 2025, über welche Kompetenzen die besten Familienunternehmen verfügen müssen, um in immer volatiler und komplexer werden Zeiten bestehen zu können. „Ein Weiter-So darf es nach der Corona-Pandemie jedenfalls nicht geben“, mahnte der Gründer von Weissman & Cie. und ergänzt: „Es geht vielmehr darum, zu wissen, was heute zu tun ist, um morgen erfolgreich zu sein.“ Daher käme einer belastbaren und dynamischen Strategie, die dahingehend für Orientierung sorge, was „ich morgen als Unternehmen erreichen möchte“, einer zentralen Bedeutung zu. Zudem brauche es laut Weissman eine wertebasierte und glaubhafte Führung, die sich in der Unternehmenskultur widerspiegelt. „Die innere Haltung, das Mindset ist das Entscheidende.“ Und neben einer Inspiration und einer Vision sei es die Kraft, die Dinge auch so umzusetzen, also von der Inspiration in die Transpiration zu kommen.

„Familie ist Zukunft“

Eine beeindruckende Familienunternehmen-Story rund ums Fahrrad erzählten Susanne Puello und ihre Tochter Christina Diem-Puello, die zeigte, dass die Familie zentraler Anker und Antrieb für die Bewältigung von Krisen und das Erreichen neuer Erfolge ist. „Familie ist Zukunft“, sagte Susanne Puello, die über 26 Jahre die elterliche Winora GmbH leitete, existenzbedrohende Tiefs erlebte und das Unternehmen mit der Erfindung des E-Mountainbikes in dieser Zeit einen Coup landete. Selbst auf dem autoverliebten US-amerikanischen Markt, den Tochter Christina nach 2011 betreute, schaffte das Familienunternehmen mit viel Durchhaltevermögen den Durchbruch. Doch die Familie tat sich zunehmend schwer damit, dass ihre Firma inzwischen Teil einer Holding war. „Viele Dinge konnten nicht angepackt werden, um unsere Vision vom nächsten Level der E-Mobilität zu realisieren“, unterstrich Puello. Daher verließ die ganze Familie 2017 die Winora GmbH und gründete die Pexco GmbH mit zwei Marken im Segment E-Bikes. „Manchmal muss man eigene Wege gehen, um große Ziele zu erreichen“, sagte Puello. Aufgrund der positiven Unternehmensentwicklung und des schnellen Wachstums wird Pexco Anfang 2020 Teil der österreichischen Pierer Industrie AG. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Maximilian Diem gründete Christina 2020 zudem aus der Pexco heraus die Deutsche Dienstrad und ermöglicht seither einen erschwinglichen und einfachen Zugang zur Mobilität für alle Arbeitnehmer in Deutschland. „Wir waren eine der wenigen, die mitten in der Corona-Pandemie eine Firma gründeten. Aber der Zeitpunkt war perfekt; es musste schnell gehen, denn das Thema Dienstrad ist omnipräsent. Zudem wussten wir einen starken Fahrrad-Fachhandel hinter uns“, so Diem-Puello. „Früher haben die Großen die Kleinen geschluckt, heute sind es die Schnellen, die die Langsamen fressen.“

Inspiration pur: Unternehmer Jeff Maisel zeigte, wie er seine Familienbrauerei immer wieder neu ausrichtet und so für die Zukunft rüstet.Weissman
Inspiration pur: Unternehmer Jeff Maisel zeigte, wie er seine Familienbrauerei immer wieder neu ausrichtet und so für die Zukunft rüstet.

Vision, Mut, aber auch Glück

Während Pexco und Deutsche Dienstrad in einem stark boomenden Markt unterwegs sind, ist Jeff Maisel, Chef der gleichnamigen bayerischen Familienbrauerei, mit einem immer weiter zurückgehenden Bierkonsum konfrontiert. Doch mit immer neuen kreativen Ideen, einer klaren Vision, Mut und auch Glück ist es ihm mit Bravour gelungen, das Familienunternehmen erfolgreich für die Zukunft aufzustellen. „Bereits 1996 war klar, dass wir uns verändern, Geschäftsfelder professionalisieren, unseren Kunden einen Mehrwert bieten und dabei nachhaltig sowie authentisch sein müssen“, so Maisel. Dazu gehöre auch, seine Braumeister Dinge auch einmal einfach ausprobieren zu lassen und offen zu sein für Trends. „Man muss eben viele Frösche küssen.“ So ist der Unternehmer Mitbegründer der innovativen Bierszene in Deutschland und mit „Maisel & Friends“ schon seit 2012 als einer der Vorreiter im immer stärker wachsenden Segment der modernen Spezialitäten rund um Craftbier. „In der Pandemie gab es da noch mal einen richtigen Push, wollten die Leute zu Hause mal etwas anderes probieren“, erzählt der umtriebige Unternehmer. Mit der Eröffnung der „Maisel’s Bier-Erlebnis-Welt“ und der Gastronomie „Liebesbier“ im denkmalgeschützten Stammhaus der Brauerei wurde 2016 der nächste Meilenstein gesetzt. „Man muss anfassbar und unsere Genusswelt erlebbar sein. Daher haben wir unser Bier-Eldorado in Bayreuth geschaffen, in dem auch die Biere anderer Hersteller probiert werden können. Da lernen wir sehr viel über die Geschmäcker der Kunden“, betont Maisel. Die nächsten Baumaßnahmen sind bereits in Planung, darunter ein neues Office mit Kantine sowie ein weiteres Lager. Das Stammgeschäft rund um das Weißbier wurde bei alldem  nicht aus den Augen verloren, die Marke neu positioniert und zusammen mit zwei anderen Familienbrauereien als bayerische Spezialität promotet – mit großem Erfolg. Auch die Digitalisierung wird genutzt, um die Menschen in die Welt der Genüsse zu begleiten – etwa in Form von gemeinsamen Onlineverkostungen mit einem Bier-Sommelier. „Wir werden unseren Weg weitergehen, uns immer wieder hinterfragen. Uns gibt es bereits 130 Jahren und es soll 130 Jahre weitergehen.“

„Krise ist Alltag“

Dirk Bauermann, unter anderen Ex-Basketball-Bundestrainer und Erfolgstrainer der Korbwerfer beim FC Bayern München, gab auf sehr unterhaltsame Weise seine Erfahrungen im Umgang mit Erfolgen, aber auch mit Krisen zum Besten, von denen er einige durchleben musste. „Krise ist im Leben eines Trainers Alltag und ständig präsent. Daher ist es wichtig, mit einer Krise umgehen zu lernen“, so der Trainer. Wie man das mache, sei eine Sache der Perspektive und Wahrnehmung, also ob das Glas halb voll oder halb leer sei. „Die Wahrnehmung schafft Realität und daher ist es essentiell, vor jeder Entscheidung die eigene Realität zu hinterfragen und die Fakten zu prüfen.“ Nur so erhalte man einen abgeklärten Blick auf die Dinge. Ebenfalls appellierte Bauermann an die Unternehmer, proaktiv in guten Zeiten zu handeln, eine kollektive Identität aufzubauen und eine gemeinsame Kultur zu entwickeln, zu der Loyalität und Respekt, aber auch ein anderer Umgang mit Fehlern gehören müssen. So sei man für Krisen bestens gerüstet. Am Ende betonte er auch das Positive einer Krise: „Sie ist notwendig für Leistungsentwicklung, denn in einer Krise lernt man mehr über sich als in Zeiten, in denen es gut läuft.“

Maximalen Kundennutzen stiften

Fressnapf ist heute mit seinen 17.000 Mitarbeitern und 1.800 Märkten in elf Ländern der größte Tierbedarfshändler Europas. Dennoch muss sich das Unternehmen immer wieder neu erfinden, um vor allem online weiter zu punkten. Fressnapf-Chef Torsten Toeller ist davon überzeugt, dass das, was er die vergangenen zehn Jahre erfolgreich gemacht hat, in den kommenden zehn Jahren nicht erfolgreich sein wird. Neben dem stationären Handel investiert er deshalb massiv ins Omnichannel-Angebot, möchte in den nächsten Jahren ein Ökosystem aufbauen, das dazu beiträgt, „das Leben von Mensch und Tier noch besser zu machen“ und einen maximalen Kundennutzen zu stiften. Geplant ist eine Plattform, auf der der Tierbesitzer alles findet, was er braucht, angefangen vom Tierbedarf, über ärztliche Beratung, Foren, Tierversicherungen oder Infos zu tierfreundlichen Hotels oder darüber, in welchen Restaurants Hunde erlaubt sind. Realisiert werden soll das Projekt zusammen mit Partnern. „Das alles geht aber nur, wenn wir es schaffen, diese Komplexität zu managen. Dafür braucht es eine relativ einfache Organisation, die sinnstiftend ist und auf Vertrauen setzt“, betonte Toeller. Hier sieht er vor allem das Thema Führung im Fokus. Er versteht sich heute vielmehr als Coach, Mutmacher und Gärtner, dessen Ziel es ist, Mitarbeiter emporzuheben.

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