Innovation & Technik
Die News Dezember 2022

Von innovativen Verfahren bis zum Personal-Management

Familienunternehmen lebt Nachhaltigkeit ganzheitlich

Das Familienunternehmen Rampf, ein Hersteller von Reaktionsharzen, Maschinensystemen und Leichtbaulösungen mit Stammsitz im schwäbischen Grafenberg, verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Im Interview erläutern die Geschäftsführer Michael und Matthias Rampf, was ihnen in diesem Kontext besonders wichtig ist.

Hendrik Fuchs
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Rampf Group

Das Familienunternehmen Rampf wächst mit seinen Mitarbeitenden.

Welchen Stellenwert hat für Sie das Thema Nachhaltigkeit?

Michael Rampf: Vor allem der Schutz der Umwelt spielte bei uns von Beginn an eine zentrale Rolle. Das sieht man etwa an der Erfindung der ersten Modellbauplatte aus Polyurethan, mit der wir einen wichtigen Meilenstein gesetzt haben. Ziel der Entwicklung war unter anderem, Zierhölzer wie Mahagoni durch den Kunststoff zu ersetzen, um eine weitere Rodung der Wälder zu vermeiden. Es folgte ein konsequenter Einsatz sämtlicher technischer und ökonomischer Möglichkeiten, die Umwelt und natürliche Ressourcen zu schonen. Gerade als ein in zweiter Generation geführtes Familienunternehmen ist es für uns eine Selbstverpflichtung, nachhaltig zu handeln.

Die Kreislauffähigkeit von Produkten und Recycling werden immer wichtiger. Was unternehmen Sie in diesem Bereich?

Matthias Rampf: Unser Tochterunternehmen Rampf Eco Solutions ist ein Pionier der Wiederverwertung von Polyurethanreststoffen. Seit über drei Jahrzehnten gewinnen unsere Expertinnen und Experten mittels ausgeklügelter chemischer Formeln aus gebrauchten Matratzen, Sitzmöbeln, Autositzen, Dämmmaterialien sowie Produktionsverschnitt wertvolle Rohstoffe – sogenannte Recyclingpolyole. Diese werden in der Herstellung neuer Polyurethan-basierter Produkte wiederverwertet. Mit ebendieser Chemie lassen sich auch Abfälle aus der Blockmaterialproduktion unserer Tochterfirma Rampf Tooling Solutions wiederverwerten; inzwischen haben nahezu alle in Grafenberg hergestellten Polyurethanplatten einen Recyclingpolyol-Anteil zwischen zehn und 30 Prozent. Unsere Expertise in Sachen chemischen Recyclings wird weltweit nachgefragt, jüngstes Beispiel ist ein Projekt, das sich der Wiederaufbereitung von Polyurethan-Dämmstoffen aus Alt-Kühlschränken im industriellen Maßstab widmet. Hier arbeiten wir mit BASF, Krauss Maffei und Remondis zusammen.

Führen das mittelständische Familienunternehmen Rampf in zweiter Generation: Michael und Matthias Rampf (v.l.) Rampf Group

Michael Rampf: Für Kunden mit entsprechend großen Abfallmengen entwickelt Rampf Eco Solutions auch Multifunktionsanlagen, mit denen sie vor Ort eigene, maßgeschneiderte Recyclingpolyole herstellen können, die anschließend direkt in die Produktion zurückgeführt werden. Dabei vereinen wir langjährige Erfahrungen in der Entwicklung chemischer Lösungen mit der Expertise von Partnerunternehmen aus dem industriellen Anlagenbau zu einem einzigartigen Angebot.

Matthias Rampf: Während sich das chemische Recycling bislang Abfällen widmet, die zuvor sortiert wurden, hat Rampf ein visionäres Projekt gestartet, mit dem auch nicht-sortenreine Reststoffe aufbereitet werden. Bislang werden solche Abfälle größtenteils verbrannt – doch das ist nicht unser Anspruch als eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmensgruppe. Dieser innovative Ansatz wurde bereits zum Patent angemeldet, und das dazugehörige Projekt hat öffentliche Fördergelder erhalten.

Welche Schritte haben Sie bisher hin zu einer klimaschonenden Produktion gemeistert?

Matthias Rampf: Im Maschinenbau setzen wir seit langer Zeit lautstarke Nachhaltigkeitsakzente. Maschinengestelle aus Mineralguss und Ultrahochleistungsbeton (UHPC) unseres Tochterunternehmens Rampf Machine Systems werden kalt, also bei Raumtemperatur, vergossen. Im Vergleich zur Erschmelzung von Grauguss und Stahl wird dabei 4,5-mal weniger Primärenergie verbraucht – und somit entsprechend weniger CO2 emittiert. Statt auf Steinkohlenflugasche setzen wir bei der Produktion von Mineralguss zudem auf Kalksteinmehl als Füllstoff. Dadurch entfällt der bei Förderung und Verbrennung von Steinkohle entstehende CO2-Ausstoß. Darüber hinaus haben wir eine neuartige Abformtechnologie entwickelt, bei der eine derart hohe Präzision bei der Herstellung von Maschinengestellen erreicht wird, dass keine externen Bearbeiter nötig sind. Das heißt: keine Transportkosten, kein Einsatz von energie- und kostenintensiven Bearbeitungsmaschinen – und somit im Vergleich zur Fräsbearbeitung rund 50 Prozent weniger CO2-Emissionen.

Pionier in Sachen Kreislaufwirtschaft: Das Gruppenunternehmen Rampf Eco Solutions entwickelt aus Polyurethanreststoffen wertvolle Rohstoffe, die für die Herstellung neuer Produkte eingesetzt werden. Rampf Group

Apropos CO2-Emission: Wie steht es bei Rampf um eine nachhaltige Strategie im Bereich Stromnutzung und -erzeugung?

Michael Rampf: Wir beschaffen Energie nachhaltig und nutzen sie intelligent. An unseren deutschen Standorten in Bessenbach, Grafenberg, Pirmasens und Wangen beziehen wir seit 2022 ausschließlich Ökostrom aus erneuerbaren Energien. Gemäß unserem Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 analysieren wir den Energieverbrauch permanent und setzen Energieeinsparpotenziale konsequent in allen Prozessketten um. Zudem werden energieeffiziente und umweltschonende Produkte und Dienstleistungen bevorzugt, wenn diese in wirtschaftlich zumutbarem Maße unsere Umweltleistung verbessern.

Stillstand ist Rückschritt. An welchen Lösungen und Produkten arbeiten Sie im Bereich Nachhaltigkeit?

Matthias Rampf: Forschung und Entwicklung werden bei Rampf großgeschrieben. In unserem Innovationszentrum in Grafenberg wird tagtäglich an der Entwicklung neuer Produkte gearbeitet, werden bestehende Produkte optimiert und neue Materialkombinationen getestet. Bei der Entwicklung neuer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen werden energie- und umweltrelevante Aspekte miteinbezogen, natürlich auch, weil Rohstoffe knapp oder aufgrund der steigenden Nachfrage zu teuer werden. Daher versuchen wir, stets über den berühmten Tellerrand zu blicken. Unter anderem arbeiten wir seit Jahren erfolgreich an der Substituierung von fossilen Rohstoffen durch nachwachsende Rohstoffe wie beispielsweise Pflanzenöle.

Inwieweit spiegelt sich Ihre Nachhaltigkeitsstrategie auch in Ihrem Personal-Management wider?

Matthias Rampf: Rampf wächst mit seinen Mitarbeitenden, wir investieren in unsere Belegschaft und möchten, dass sie langfristig in unserem Unternehmen arbeiten. Das „hire and fire“-Prinzip wird bei uns nicht angewandt. Wir setzen auf motivierte, wissbegierige Mitarbeitende, die den steigenden Anforderungen mit Mut und Zuversicht entgegenblicken. Dafür bieten wir ihnen viel Freiraum für die Entwicklung neuer Ideen, top ausgestattete Arbeitsplätze, vielfältige Weiterbildungsangebote, zahlreiche Zusatzleistungen wie ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement sowie eine offen gezeigte Wertschätzung.

Michael Rampf: Besonders stolz sind wir auf unsere unternehmenseigene Rampf Academy. Für uns ist es wichtig, das Interesse an beruflicher Weiterbildung zu fördern. Seit 2017 bietet die Academy ein breit gefächertes Angebot an Schulungen zu diversen fachlichen und personellen Themen. Durch den engen Austausch mit den Fachbereichen im Unternehmen wird das Schulungsangebot stets auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst. Fehlen bestimmte Themen, gehen wir auf Anfragen ein und passen das Schulungsangebot laufend an. Aber auch externe Schulungen, individuelle Coachings und Weiterentwicklungsprogramme wie berufsbegleitende Studiengänge oder die Weiterbildung zum Fach- oder Betriebswirt werden unterstützt. Die Weiterbildungsangebote dürfen übrigens während der Arbeitszeit besucht werden. Einmalige Schulungen dauern meist zwischen einem halben bis zu zwei Tagen. Entwicklungsprogramme für Führungs- und Nachwuchskräfte, die aus mehreren Modulen bestehen, gehen zum Teil über Monate oder Jahre. Ob Fortbildungen intern oder extern stattfinden: Die Kosten tragen wir.

www.rampf-group.com

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