Blickpunkt

Willkommen in der virtuellen Welt
Wie ein Virus digitales Marketing beschleunigt

Markus Rahner 

In vielen Branchen wirkt eine Krise immer auch als Beschleuniger. Der Lockdown und seine Folgen wie abgesagte Messen und Pressetermine fordern Alternativen für eine direkte Kommunikation. Die Herausforderung besteht darin, mit eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten Leads zu generieren, Kundenkontakte zu pflegen und zu stärken. Eine Lösung liegt in digitalen Formaten.

Wie komme ich in Corona-Zeiten in den Dialog mit Journalisten der Wirtschaftspresse, der Fachpresse, mit Redakteuren von politischen und gesellschaftlich relevanten Magazinen? Wie bringe ich in Social-Media-Zeiten Redakteure und Blogger dazu, über mein Unternehmen, seine Strategie, Produktneuheiten, Technologieentwicklungen oder wirtschaftlichen Erfolge zu berichten? Keine leichte Aufgabe, denn unabhängig von den aktuellen Einschränkungen werden die meisten Redaktionen, ob Printmedien, Online-Redaktionen oder News-Plattformen, täglich mit Unternehmensinfos geflutet. Aus diesem Nachrichtendschungel gilt es herauszuragen.

Der Dialog im Wandel

Online-Pressekonferenzen verändern den Dialog mit Journalisten. Das klingt erst einmal banal, denn Pressekonferenzen als intensives Mittel der Kommunikation gibt es seit über hundert Jahren. Gestiegen sind der Aufwand und vor allem der Anspruch an zielführende Pressekonferenzen. Das gilt vor allem für mittelständische Unternehmen. Während DAX-Konzerne regelmäßig routiniert ihre Bilanz-Pressekonferenzen abhalten und Medienvertreter alleine aufgrund ihrer Unternehmensgröße und -bekanntheit erreichen, liegen kleinere Unternehmen oft unter dem Radar der Journalisten. Was die Durchdringung zudem erschwert: Die Verlage haben ihre Redaktionen weit ausgedünnt. Redakteure haben weder Zeit noch Budget, alle Meldungen zu bearbeiten, geschweige denn, zu Medien-Events zu reisen. Das setzt Firmen, ihre Marketingleiter und Pressesprecher unter Druck. Unter diesem Einfluss der Veränderungen hat sich das Genre gewandelt und ist als Online-Pressekonferenz in den Fokus des modernen Content-Marketing gerückt. Die Corona-Krise hat dies noch befeuert und so etwas wie ein digitales Post-Pressekonferenz-Zeitalter entfacht. Virtuelle Pressekonferenzen sind ein digitales Format, das sich in Zukunft nicht nur in Krisenzeiten bewährt, sondern vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Zwänge in den etablierten Verlagen zu einem wichtigen Mittel der Medien-Kommunikation wird.

Virtuelle Messen leben vor allem von Interaktionsmöglichkeiten und professioneller Technik.Ruess Group
Virtuelle Messen leben vor allem von Interaktionsmöglichkeiten und professioneller Technik.

Mit On-Demand Services punkten

Die Web-Pressekonferenz spart Kosten, Reisezeiten und personelle Ressourcen. Ein weiterer Vorteil: Mit On-Demand Services können sich die Redakteure die Pressekonferenz dann anschauen, wenn sie Zeit haben. Das schafft eine größere Offenheit gegenüber Medienvents mittelständischer Unternehmen, die sonst aufgrund ihrer Größe selten im Fokus stehen. Marketingverantwortliche können Konkurrenzveranstaltungen ausweichen, die sonst beispielsweise auf Messen immer stattfinden. Auszüge des Video-Mitschnitts sind anschließend für Posts in den Sozialen Medien oder für anderen Bewegbild-Einsatz nutzbar. Der budgetäre Mehraufwand ist gering, verglichen mit dem Nutzen eines solchen Mehrfachnutzens. Über Live-Stream übertragen, muss die Online-Pressekonferenz übrigens keinesfalls anonym und unpersönlich sein, sondern eine interaktive Veranstaltung.

Virtuelle Messeauftritte im Kommen

Zu den aktuell wichtigen digitalen Formaten in Marketing und Vertrieb gehört die virtuelle Messe. Denn ohne Live-Veranstaltungen als klassische Anknüpfungspunkte für Vertriebsaktivitäten, stehen viele Unternehmen vor neuen Herausforderungen zur Leadgenerierung. Während der strategische Fokus auf Customer Centricity und Customer Experience bleibt, verlagern sich die Kontaktpunkte. Um bei digitalen Event-Formaten eine vergleichbar emotionale Kontaktqualität und Informationsdichte wie bei einem Live-Event zu schaffen, bedarf es einer vorausschauenden Planung und nachhaltigen Vernetzung zwischen Marketing- und Vertriebstools. Deshalb sind virtuelle Messen ein digitales Format, das sich in diesem Zusammenhang gerade erfolgreich etabliert. Darunter versteht man ein Bündel digitaler Dialogformen, die über eine Online-Plattform in einem limitierten Zeitfenster bereitgestellt werden: Vom Webinar, über den Chat, vom Erklärfilm bis zum 3D-Produkterlebnis. Virtuelle Messen bieten weitere Vorteile als schnelle, zeitlich und örtlich unabhängige und damit flexible und vergleichsweise kostengünstige Alternative, um mit modernen Mitteln eine größtmögliche Hebelwirkung für Vertriebsaktivitäten zu erzielen. Live-Stream und -Expertentalk sowie 3D-Animationen oder VR-basierte virtuelle Messerundgänge erlauben Veranstaltern und Teilnehmern einen hohen Grad an Interaktionsmöglichkeiten und kommen einem realen Messeerlebnis so nah wie möglich.

Kein aus der Not geborener Ersatz

Auf den ersten Blick klingen alle Punkte zusammengefasst nach einem hohen Zeit- und Kostenaufwand. Gemessen an den Vertriebschancen im Rahmen einer realen Messe, ist der einzelne Lead bei einem virtuellen Messeauftritt aber deutlich günstiger zu haben. Erfahrungsgemäß nutzen Unternehmen häufig kostengünstige und standardisierte Plattformen zur Planung und Vorbereitung einer virtuellen Messe. Das Markenerlebnis, das viele erstklassige Messeauftritte im echten Leben kennzeichnet, und der sehr persönliche Kontakt gehen bei einer stark standardisierten Umsetzung allerdings komplett verloren. Dabei sollte und muss eine virtuelle Messe nicht wie ein aus der Not geborener Ersatz wirken, sondern kann ihre ganz eigene Stärke entwickeln.

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