Blickpunkt

„Wir sind Teil der Mannschaft“
Im Trio erfolgreich Richtung Zukunft

Hendrik Fuchs

Vor über vier Jahren wurde beim Dachspezialisten Bauder der Generationswechsel abgeschlossen. Seitdem lenken Tim Bauder und seine beiden Brüder die Geschicke des Familienunternehmens. Die Redaktion sprach mit ihm unter anderem über die Entwicklung des Unternehmens und darüber, wie sich das Trio an der Spitze bewährt hat.

Drei Brüder an der Spitze: Jan, Tim und Mark Bauder.

Herr Bauder, wie hat sich das Familienunternehmen seit dem Generationswechsel entwickelt?

Das gesamte Unternehmen befindet sich in seiner wohl bis dato spannendsten Wachstumsphase. Trotz der zwei herausfordernden Pandemie-Jahre und dank des enormen Engagements unseres Teams konnten wir unseren Umsatz 2021 auf 867 Millionen Euro steigern. Auch unsere Kapazitäten haben wir seit 2018 kontinuierlich und konsequent erweitert – ein Prozess, der nach wie vor anhält und mit großen Investitionen vorangetrieben wird. Vergangenes Jahr haben wir mit über 100 Millionen Euro das größte Investitionsvolumen der Firmengeschichte beschlossen. In Herten konnten wir 2018 die Eröffnung unseres achten Werks feiern; derzeit bauen wir ein weiteres in Frankreich. Zudem haben wir mittlerweile 16 Tochtergesellschaften in Europa und konnten so unsere Position als Branchenführer weiter ausbauen und festigen. Auch unsere Mannschaft ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und tut dies auch weiterhin. Mittlerweile hat Bauder 1.250 Mitarbeitende – Tendenz steigend. Wir suchen dringend europaweit Fachkräfte, denn wir haben die nächsten Jahre viel vor und brauchen Mitarbeitende, die Lust haben, wirklich etwas zu bewegen.

Was hat sich hinsichtlich Ihres Geschäftsmodells und Ihres Portfolios verändert, in welchen Bereichen gibt es besonders spannende Entwicklungen?

Wir führen den erfolgreichen Weg der vorangegangenen Generation fort und konzentrieren uns weiter auf sichere, qualitativ hochwertige und vor allem langlebige Dachsysteme. Produktseitig arbeiten wir natürlich stets an Innovationen. So haben wir vor zwei Jahren mit unserem ökologischen Dachdämmstoff „BauderECO“ eine echte Weltneuheit auf den Markt gebracht, denn er besteht vorwiegend aus Biomasse, besitzt eine Deckschicht aus Muschelschalen und liefert damit absolute Hochleistungs-Dämmwerte.

Überhaupt hat Bauder das Thema Nachhaltigkeit noch stärker in seinen Fokus gerückt. Der Klimawandel ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Als Familienunternehmen, das per se schon generationsübergreifend denkt, liegt uns dieses Thema natürlich besonders am Herzen. Daher springen wir jetzt auf keinen Trend auf. Vielmehr forcieren wir das Thema Nachhaltigkeit, das seit Jahren fester Bestandteil unserer Unternehmensstrategie ist. Derzeit entfallen rund 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland auf den Gebäudesektor und wir wissen, dass unsere Produkte aktiv dazu beitragen können, diese effektiv zu senken. Das fängt bei der sicheren und langlebigen Abdichtung an, geht über die hochleistungsfähige Dämmung bis hin zum Nutzdach-Aufbau – also mit nachhaltiger Dachbegrünung und rentabler Photovoltaikanlage. Am besten in Kombination, das ist dann der richtige Klimaretter unter den Dächern. Wir wissen, welch großes Potenzial für die Klimawende in jedem Dach steckt. Unsere Dachsysteme machen hier einen echten Unterschied.

Das Familienunternehmen ist führender Hersteller von Dachsystemen in Europa.Bauder
Das Familienunternehmen ist führender Hersteller von Dachsystemen in Europa.

Wie begegnen Sie den aktuellen Herausforderungen wie Lieferengpässen und Fachkräftemangel?

Die aktuellen Herausforderungen betreffen uns alle in der Branche. Eine offene Kommunikation intern mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie mit unseren Kunden ist der Schlüssel, um diese Situation gemeinsam gut zu bewältigen. Wir sitzen schließlich alle in einem Boot. Unsere Mannschaft steht täglich im ganz engen Austausch mit Lieferanten und den Logistikunternehmen und gibt alles, um unseren Kunden ein möglichst hohes Maß an Liefersicherheit zu garantieren.

Auch der Fachkräftemangel betrifft uns alle branchenübergreifend. Und natürlich hat man als mittelständisches Familienunternehmen gegen große Konzerne manchmal einen leichten Sichtbarkeitsnachteil. Wir punkten mit unserer sehr guten Unternehmenskultur, für die wir geschätzt werden. Sie ist unser USP. Zu uns kommt man, um zu bleiben. Unsere Fluktuationsrate liegt bei gerade einmal vier Prozent. Daher investieren wir auch enorm in unsere Mannschaft. Wir bieten ein großes Weiterbildungsprogramm, fördern die Mitarbeitenden fachlich wie im Team und stärken unsere Kultur aktiv. Unser Leitbild, wie unsere Unternehmensphilosophie heißt, wurde zwei Jahre lang von der Mannschaft selbst aktualisiert und wird nun über weitere Monate intensiv mit Aktionen und Events aktiv besprochen. Natürlich kann man eine gute Unternehmenskultur nicht kaufen, aber wir können aktiv in sie investieren.

„Natürlich kann man eine gute Unternehmenskultur nicht kaufen, aber wir können aktiv in sie investieren.“

Drei Familienmitglieder an der Spitze des Unternehmens – welche Vorzüge, aber auch mitunter Nachteile bringt das mit sich? Wie gehen Sie bei Bauder damit um beziehungsweise wie hat sich das Trio an der Spitze bewährt?

Wir drei Brüder haben uns schon immer sehr gut verstanden und können auf ein solides Fundament an gemeinsamen Werten und Interessen zurückgreifen. Das hilft natürlich enorm in der Abstimmung. Zudem haben wir eine gute Aufteilung der Verantwortungsbereiche gefunden, die im Daily Business sehr gut funktioniert. Aber wenn uns die vergangenen beiden Pandemie-Jahre und die gegenwärtige Situation eines zeigen, dann doch, dass es eben nicht nur auf die Führung, sondern immer auf die ganze Mannschaft ankommt. Das war und ist eine reine Bewährungsprobe für alle, gerade nach einem Generationswechsel. Das Team hat hier wirklich Herausragendes geleistet und tut es immer noch. Natürlich kommt uns hier zugute, dass meine Brüder und ich viele Jahre vor der Staffelstabübernahme von unserem Vater und unserem Onkel in allen Unternehmensbereichen gearbeitet haben. Zudem wurde der Unternehmenswechsel von Anfang an sehr transparent an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommuniziert. Wir sind damit sehr offen umgegangen, um alle mitzunehmen. Diese offene Informationskultur haben wir nicht nur beibehalten, sondern durch eine Mitarbeiter-App für den unternehmensweiten Austausch sogar noch ausgebaut. Wir sind Teil der Mannschaft. Wir wissen, wir können uns auf das Team verlassen und das Team weiß es bei uns genauso.

Die neue Unternehmenszentrale in Stuttgart.Bernhard Kahrmann
Die neue Unternehmenszentrale in Stuttgart.

„Wenn uns die vergangenen beiden Pandemie-Jahre und die gegenwärtige Situation eines zeigen, dann doch, dass es eben nicht nur auf die Führung, sondern immer auf die ganze Mannschaft ankommt.“

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren? Welche Themen/Trends möchten Sie in Zukunft verstärkt aufgreifen?

Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft dem Nutzdach gehört, denn ungenutzte Dächer, die „nur“ schützen, sind verschenktes Potenzial im Kampf gegen den Klimawandel. Hier ist noch jede Menge Luft nach oben. Jede Dachbegrünung hilft mit, der zunehmenden Flächenversiegelung entgegenzuwirken. Bislang werden nur zehn bis 15 Prozent der neuen Flachdächer begrünt. Das ist zu wenig, denn jedes grüne Dach verbessert das Mikroklima, erobert ein Stück Fläche für die Natur zurück, hält Regenwasser zurück und entlastet so die Kanalisation bei Starkregen. Die Dachnutzung hängt aber gerade bei Bestandsgebäuden eng mit der Sanierung zusammen. Es ergibt einfach keinen Sinn, eine Dachbegrünung oder eine Photovoltaikanlage aufzubringen, wenn das Dach darunter nur noch ein paar Jahre hat. Das ist dann doch alles andere als nachhaltig. Dieser Punkt wird leider oft übersehen.

Wir setzen uns unter anderem in Verbänden auf deutscher und europäischer Ebene stark für die Entsiegelung von Städten durch Dachbegrünungen ein und arbeiten in der Branche an innovativen Lösungsansätzen zum Thema Recycling mit. Hier gibt es viel zu tun für den Bausektor. Und als Branchenführer wollen wir dabei natürlich unserer gesellschaftlichen Verantwortung auch in Zukunft gerecht werden.

www.bauder.de