Blickpunkt

Wissen, was läuft
Nächster Generation Option Nachfolge aufzeigen

Hendrik Fuchs

Das in zweiter Generation geführte Familienunternehmen Göckelesmaier ist eine Institution auf dem Cannstatter Wasen. Geschäftsführer Karl J. Maier war und ist es ein Herzensanliegen, seinen drei Kindern frühzeitig den elterlichen Betrieb und das Drumherum näherzubringen, ohne dabei die Sprösslinge in eine bestimmte Richtung drängen zu wollen.

„Ich habe einen Family Officer, der für mich seit vielen Jahren arbeitet und mit dem ich zusammen versuche, unser Familienbusiness nicht nur im Operativen, sondern auch im privaten und vermögensverwaltenden Bereich zu steuern“, erzählt Maier und ergänzt: „Und irgendwann haben wir uns beide gedacht, dass jetzt der ideale Zeitpunkt wäre, meinem 20-jährigen Sohn und meinen 17-jährigen Töchtern zu sagen, was alles im Betrieb und außerhalb des Unternehmens so da ist. Denn meine Töchter sind gerade dabei, das Abitur zu machen und mein Sohn hat gerade erst mit seinem Studium begonnen.“ Die Kinder wüssten natürlich ungefähr, was der Vater im Betrieb mache, aber eben nicht, welche anderen Investments es noch nebenbei gebe und was es bedeute, ein Familienunternehmen zu führen. Zudem stand nicht nur die Frage im Raum, wie man die Inhalte entsprechend strukturiert aufbereitet, sondern ob es für seine Kinder vielleicht ein Thema ist, ihre Ausbildung in eine gewisse Richtung zu lenken, die sie dazu befähigt, später einmal in den Betrieb einzusteigen. „Das geht natürlich nur, wenn sie einerseits wissen, wovon hier eigentlich die Rede ist und anderseits erkennen, dass es auch im Familienverbund viel zu tun gibt“, betont der Familienunternehmer, der einen möglichen Einstieg der Kinder als eine Option unter vielen verstanden wissen möchte: „Wenn sie ihren Weg außerhalb des Unternehmens machen und in eine ganz andere Richtungen streben, ist das für mich natürlich auch vollkommen in Ordnung.“

Karl und Daniela Maier. Karl J. Maier führt das Familienunternehmen Göckelesmaier in zweiter Generation.Göckelesmaier
Karl und Daniela Maier. Karl J. Maier führt das Familienunternehmen Göckelesmaier in zweiter Generation.

In Workshops nähergebracht

Um das Ganze zu professionalisieren, holte man sich zusätzlich noch einen auf die Nachfolgeplanung spezialisierten Berater ins Haus, stellte alle wesentlichen Informationen in drei Bausteinen zum elterlichen Betrieb, aber auch zu den Besonderheiten und Vorzügen von Familienunternehmen in einer Präsentation und in einer Mappe zusammen. „An drei Sonntagen fanden die Workshops mit den Kindern in lockerer Atmosphäre von jeweils 11 bis 17 Uhr statt. Zwischen den einzelnen Terminen war genügend Luft, damit die Kinder Zeit hatten, sich mit der Materie in Ruhe auseinandersetzen zu können“, erzählt Maier. „Wichtig war mir unter anderem, dass meine Kinder erkennen, dass es viel Ausdauer und Zeit braucht, ein Vermögen aufzubauen und dass es vernünftig gemanagt werden muss.“ Maier ist es darüber hinaus ein Herzensanliegen, eine Möglichkeit zu finden, dass seine drei Kinder als spätere Erben „den Kuchen zusammenlassen“. Er ist sich aber dessen bewusst, dass so etwas wahrscheinlich nicht ohne Reibereien ablaufen wird. „Eine Aussage darüber, wer nachher von den dreien den Hut aufhat, wenn es darum geht, das alles zu managen, ist zu jetzigen Zeitpunkt natürlich noch etwas zu früh.“

Das Festzelt von Göckelesmaier auf dem Cannstatter Volksfest.Göckelesmaier
Das Festzelt von Göckelesmaier auf dem Cannstatter Volksfest.

Für die Zukunft schwebt Maier vor, dass man sich mit den Kindern einmal im Jahr zusammensetzt, um sie in Sachen Familienunternehmen auf den aktuellen Stand zu bringen und aufkommende Fragen zu beantworten. Für das Thema Familienverfassung als ganzheitlicher Ansatz zeigt sich der Unternehmer offen, sieht aber noch nicht den passenden Zeitpunkt gekommen. „Im Moment würde das so aussehen, dass die Verfassung zu 99 Prozent aus meiner Feder stammt, da die Kinder noch zu wenig wissen und die Tragweite eines solchen Dokuments noch nicht richtig einschätzen können. Für dieses Thema haben wir aber jetzt den Grundstein gelegt.“

www.goeckelesmaier.de