Blickpunkt
Die News Mai 2022

Zahlreiche steuerlichen Feinheiten

Fallstricke bei familieninterner Nachfolge umgehen

Die familieninterne Unternehmensnachfolge sollte aus steuerlicher Sicht langfristig geplant werden. Durch frühzeitige Strukturierungsmaßnahmen und Gestaltungen lassen sich steuerliche Vorteile mit der Sicherung der Einkünfte des bisherigen Unternehmers passgenau kombinieren.

Dr. Julian Bauer
Lesezeit: ca. 4 Minuten
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Häufig besteht in inhabergeführten mittelständischen Unternehmen der Wunsch des Unternehmers, sein Unternehmen an die nächste Generation, insbesondere an die Kinder, weiterzugeben. Gleichzeitig soll die eigene Altersvorsorge sichergestellt sein. Unter Umständen sollen jedoch Teile des Unternehmensvermögens noch nicht vollständig an die Kinder übertragen werden. Neben den operativen und persönlichen Herausforderungen der familieninternen Unternehmensnachfolge sind dabei diverse steuerliche Fallstricke zu beachten. Oder anders ausgedrückt: Es bestehen interessante Gestaltungsspielräume.

Die Übertragung des Unternehmens

Der Regelfall in der Unternehmensnachfolge ist mittlerweile die Übertragung von Anteilen an Kapital- oder Personengesellschaften. Diese können ganz oder nur zum Teil an einen oder mehrere Nachfolger übertragen werden. Unternehmen in der Rechtsform eines Einzelunternehmens lassen sich ebenfalls an einen einzelnen Nachfolger oder nach einem Formwechsel in eine Gesellschaft an mehrere Nachfolger übertragen.

Um weiterhin von den Erträgen des Unternehmens zu profitieren, kann sich der Unternehmer einen Nießbrauch an den übertragenen Geschäftsanteilen vorbehalten. Ihm stehen damit weiterhin die Gewinne des Unternehmens zu, während der Nachfolger bereits die Vermögenssubstanz übertragen bekommt. In der Praxis hat sich hierfür der Quotennießbrauch etabliert. Die Erträge stehen so teilweise dem bisherigen Unternehmer und teilweise dem Nachfolger zu. Dadurch wird der Nachfolger motiviert, während gleichzeitig der bisherige Unternehmer am Erfolg des Unternehmens beteiligt wird. Über eine vom Kapitalanteil abweichende Regelung der Stimmrechte kann ebenfalls dem häufigen Wunsch entsprochen werden, die Kontrolle über das Unternehmen noch nicht vollständig abzugeben.

Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer

Vielfach erfolgt die Übertragung des Unternehmens mit Rücksicht auf das Verwandtschaftsverhältnis unentgeltlich. Eine Schenkung unterliegt – ebenso wie das Vererben des Familienunternehmens – grundsätzlich der Erbschaft- beziehungsweise Schenkungsteuer. Abhängig vom Wert des Unternehmens kann die Steuer auf die Übertragung des Unternehmens auf die Kinder bis zu 30 Prozent und bei Übertragung auf Neffen und Nichten sogar bis zu 43 Prozent des Unternehmenswerts betragen.

Jedoch kann die Übertragung von Unternehmensvermögen bis zu 100 Prozent steuerfrei gestellt werden. Entscheidend ist neben dem Wert des Unternehmensvermögens dessen Zusammensetzung: Insbesondere fremdvermietete Immobilien, Wertpapiere und umfangreiche Bankguthaben sowie Forderungen sind als sogenanntes Verwaltungsvermögen erbschaftsteuerrechtlich nicht begünstigt und somit steuerpflichtig. Hierbei lauern auch ungeahnte Fallstricke wie der sogenannte „Einstiegstest“: Übersteigt der Wert des Verwaltungsvermögens 90 Prozent des Werts des Unternehmensvermögens, wird das Unternehmensvermögen insgesamt nicht begünstigt. Beträgt also beispielsweise der Wert des Unternehmens auf Grundlage einer Unternehmensbewertung eine Million Euro und hat dieses Unternehmen Forderungen in Höhe von 950.000 Euro gegenüber Kunden, so ist die Schenkung dieses Unternehmens voll steuerpflichtig.

Durch frühzeitige Strukturierung des Unternehmensvermögens und auch durch gezielte Vermögensplanungen für den Übertragungszeitpunkt lässt sich häufig eine Optimierung der steuerlichen Behandlung des Vermögens und damit eine signifikante Steuerersparnis erreichen. Auch zur Minderung einer möglichen Steuerbelastung bietet sich der Nießbrauchsvorbehalt für den übertragenden Unternehmer an: Dieser mindert den Wert der Schenkung und somit zugleich die Höhe der Schenkungsteuer.

Ertragsteuern – Vorsicht bei Verlustvorträgen

Die Übertragung von Unternehmensvermögen ist unabhängig von der Rechtsform des Unternehmens häufig ohne Belastung mit Ertragsteuern (Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer) möglich. Sind Grundstücke oder andere Vermögensgegenstände, die vom Unternehmen genutzt werden, Privateigentum des Unternehmers, kann durch die Übertragung des Unternehmens ohne die Mitübertragung der vom Unternehmen genutzten Wirtschaftsgüter eine Ertragssteuerbelastung ausgelöst werden. Durch eine zweckgerichtete Strukturierung des Vermögens und der Übertragung lässt sich eine solche Steuerbelastung jedoch häufig vermeiden. Verfügt das zu übertragende Unternehmen noch über steuerliche Verlustvorträge, können diese im Rahmen der Übertragung des Unternehmens untergehen. Auch dies lässt sich durch planvolle Gestaltungen jedoch regelmäßig vermeiden.

Weitere Auswirkungen

Im steuerlichen Fokus der Übertragung des Familienunternehmens steht regelmäßig die Schenkungsteuer. Da die Übertragung aber auch Grunderwerbsteuer auslösen und sich auf den sozialversicherungsrechtlichen Status der Unternehmerfamilie auswirken kann, sind auch diese Aspekte im Rahmen der Übertragung nicht zu vernachlässigen. Entscheidend ist ein umfassendes und wohldurchdachtes Gesamtkonzept. Nicht selten besteht der Wunsch, das Unternehmen an die Kinder zu übertragen, die Betriebsimmobilien allerdings zurückzubehalten. Diese Immobilien können der eigenen Altersvorsorge dienen oder genutzt werden, um sie an Nachkommen zu übertragen, die nicht unternehmerisch aktiv sind. Aufgrund der oftmals nicht unerheblichen stillen Reserven in den Immobilien kann es sich anbieten, die Immobilien gesondert zu behandeln.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im Rahmen der familieninternen Unternehmensnachfolge viele steuerliche Feinheiten und mitunter auch Fallstricke zu beachten sind. Gleichzeitig bieten die steuerlichen Regelungen eine Vielzahl von Möglichkeiten, eine Steuerbelastung im Zusammenhang mit der Nachfolge zu vermeiden oder sogar ganz zu verhindern. Entscheidend ist es dabei, die Übertragung rechtzeitig zu planen, um die hierfür notwendigen Schritte rechtzeitig einzuleiten. In der Regel sind die steuerlichen Herausforderungen mit einem wohlüberlegten, zielgerichteten Gesamtkonzept gut lösbar, ohne die eigenen Wünsche und Vorstellungen aufgeben zu müssen. Denn schließlich steht die Übertragung des Vermögens auf die Nachkommen im Vordergrund.

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