Blickpunkt

Zehn Kinder als Gesellschafter
Kompetenz-Booster über Auslandsniederlassungen

Hendrik Fuchs

Die Zimmer Group ist ein gefragter Spezialist in den Bereichen Metall- und Kunststoffverarbeitung, Automatisierung sowie Dämpfungssysteme für Möbel und Maschinenbau. In letzter Zeit hat das Familienunternehmen viel Arbeit in die Kompetenzentwicklung der nachrückenden Gesellschafter-Generation investiert.

Zwei Generationen: Martin Zimmer, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter, Jonas Zimmer, Geschäftsführer Zimmer GmbH Kunststofftechnik, und Günther Zimmer, ebenfalls Gründer und geschäftsführender Gesellschafter (v.l).

Vor 40 Jahren in Rheinau von den Brüdern Günther und Martin Zimmer gegründet, steht das Familienunternehmen Zimmer mit seinen über 1.200 Mitarbeitern mitten im Generationswechsel. Jonas Zimmer, der älteste Sohn des Firmengründers Günther Zimmer, wurde bereits im Juli 2019 zum Geschäftsführer der Tochterfirma Zimmer GmbH Kunststofftechnik bestellt. Weitere sechs der insgesamt zehn Kinder arbeiten im Unternehmen schon mit – etwa im Vertrieb, Controlling, Personalwesen und in der Konstruktion.

Blick in die hochautomatisierte Spritzgussfertigung der Zimmer GmbH Kunststofftechnik.Zimmer Group
Blick in die hochautomatisierte Spritzgussfertigung der Zimmer GmbH Kunststofftechnik.
Zerspanende Fertigung der Zimmer GmbH.Zimmer Group
Zerspanende Fertigung der Zimmer GmbH.

Zukunft des Unternehmens sichern

„Ich bin zwar der Geschäftsführer der Tochtergesellschaft, deren Gesellschafter bin ich allerdings nicht“, sagt Jonas Zimmer. Denn Anteilseigner der drei inländischen Tochterunternehmen, zu denen auch die Sparte Kunststofftechnik gehört, sind nach wie vor die beiden Gründer. Anders sieht es bei den Auslandsniederlassungen des Familienunternehmens aus. Hier sind inzwischen alle Kinder gleichberechtigte Gesellschafter. „Dieser Weg über unsere ausländischen Dependancen erschien uns aus finanziellen und rechtlichen Gründen der sinnvollste“, unterstreicht der 30-Jährige. Hauptziel sei es aber, dass alle zehn Nachkommen später einmal gleichberechtigte Gesellschafter der gesamten Gruppe werden.

In einer Familien-Charta wurde unter anderem festgelegt, dass alle Kinder erst ab ihrem 21. Geburtstag ihre Anteile zu gleichen Teilen erhalten. Bis zu dieser Altersgrenze werden die Anteile von dem jeweiligen Vater verwaltet. Neben den Rechten und Pflichten der Gesellschafter ist in der Verfassung darüber hinaus geregelt, wie zu verfahren ist, wenn eines der Kinder aus dem Unternehmen aussteigen, seine Anteile veräußern möchte. „Das ist besonders wichtig, denn wir müssen frühzeitig alles dafür tun, dass die Zukunft des Unternehmens nicht gefährdet ist“, betont der Geschäftsführer.

In Rollen hineinfinden

Dazu gehört bei Zimmer auch, alle Gesellschafter der nachrückenden Generation fit für kommende Aufgaben zu machen und eine Gesellschafterversammlung sowie einen Beirat zu implementieren. „Zwischen meinem Vater und meinem Onkel fand die Gesellschafterversammlung mehr oder weniger am Schreibtisch statt. Das haben wir bereits geändert und die erste Gesellschafterversammlung abgehalten, bei der alle volljährigen Gesellschafter anwesend waren“, so der 30-Jährige.

Um sich auf ihre künftige Rolle vorzubereiten, wurden alle Kinder im vergangenen Jahr beim Gesellschafterkreis-Programm der Opath GmbH angemeldet – unabhängig davon, ob sie in Zukunft eine operative Funktion anstreben oder nicht. Jonas Zimmer, momentan noch in der Praxisphase des Programms für Nachfolger, möchte die dort bisher gemachten Erfahrungen nicht missen. Spannend fand er etwa die fiktiven Negativ-Szenarien, mit denen der Gesellschafterkreis konfrontiert wurde: „Da haben wir vieles gelernt, was uns in der jetzigen Corona-Krise weiterhilft.“ Zudem habe sich bei den Szenarien gezeigt, wie die Gesellschafter, die Familienstämme miteinander agieren und wie wichtig es sei, als Gesellschafter von Zeit zu Zeit aus dem System Familie auszubrechen, um Entscheidungen auch einmal ganz nüchtern nach Zahlen treffen zu können.

Ein eigenes Produkt der Zimmer GmbH Kunststofftechnik: hygienischer Türöffner „Hand-Held“.Zimmer Group
Ein eigenes Produkt der Zimmer GmbH Kunststofftechnik: hygienischer Türöffner „Hand-Held“.

Die Kunst des Zwischenmenschlichen

Der Aufbau von Kompetenzen im Bereich der Kommunikation und zwischenmenschlichen Interaktion war dem jungen Unternehmer besonders wichtig. „Als junger Geschäftsführer sehe ich mich heute mit der schwierigen Situation konfrontiert, dass es im Unternehmen teils sehr festgefahrene Strukturen gibt und ich darüber mit Mitarbeitern sprechen muss, die vom Alter her meine Eltern sein könnten, teilweise bereits seit Jahrzehnten im Unternehmen tätig sind. Während des Gesellschafterkreis-Programms habe ich gelernt, wie ich solche Personalgespräche führen muss, damit meine Anliegen beim Gegenüber auf Verständnis stoßen.“ Eine Fähigkeit, die ihm sicherlich bei der Zusammenarbeit innerhalb des Gesellschafterkreises ebenfalls von Nutzen sein wird.

www.zimmer-group.com

Zur Person

Jonas Zimmer ist seit Juli 2019 Geschäftsführer der Zimmer GmbH Kunststofftechnik, einem Tochterunternehmen der Zimmer Group. Das Unternehmen ist ein klassischer Zuliefererbetrieb, hat aber kürzlich mit einem hygienischen Türöffner aus Kunststoff ein eigenes Produkt auf dem Markt erfolgreich platzieren können (www.zimmer-group.com/de/hand-held). Bevor der Wirtschaftsingenieur in die Geschäftsführung berufen wurde, hatte er bereits über zehn Jahre im Unternehmen und zuletzt als Assistent der Geschäftsführung der Zimmer Group im Technologie-Bereich Verfahrenstechnik gearbeitet. Darüber hinaus war er maßgeblich am Aufbau eines Weinguts beteiligt, das sein Vater im Jahr 2012 gegründet hatte.