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Zukunft braucht Herkunft
Wie junge Verantwortungsträger nach vorne blicken

Florens de Wyl

Der Eintritt in den Gesellschafterkreis oder in die Leitung des operativen Geschäfts ist der letzte große Umbruch innerhalb des Nachfolgeprozesses. Auf dem 24. Kongress für Familienunternehmen am 11. und 12. Februar 2022 wird es erstmalig ein Programm speziell für die Generation der Unternehmerfamilie geben, die den Rollenwechsel vom Nachfolgekandidaten zum Verantwortungsträger kürzlich vollzogen hat. Ein Interview mit Andreas Krengel, dem Schirmherrn des Kongresses, über den Schritt seiner Verantwortungsübernahme.

Was waren für Sie die wichtigsten Meilensteine innerhalb des Eintritts ins operative Geschäft?

Der Einstieg in das eigene Familienunternehmen ist meistens ein lang vorbereiteter Prozess. Wichtige Meilensteine waren für mich sicherlich zum einen der Zeitpunkt, an dem ich selbst davon überzeugt war, dass es jetzt der richtige Schritt ist und ich diese Verantwortung für das Familienunternehmen operativ tragen möchte. Zum anderen war das auch der Zeitpunkt, als unsere ganze Unternehmerfamilie auf einem unserer Unternehmerfamilientage mir für den Einstieg das volle Vertrauen aussprach. Dieses Vertrauen ist mir ungemein viel wert und gibt mir heute viel Motivation, diese Verantwortung zu tragen und unser Familienunternehmen und die Unternehmerfamilie weiterzuentwickeln. Abschließend waren nach entsprechenden Interviews natürlich auch noch der offizielle Aufsichtsratsbeschluss und meine Vertragsunterzeichnung weiterere Meilensteine.

Wie wurden Sie auf die Rolle als Vorstandsmitglied vorbereitet?

Als Mitglied der Unternehmerfamilie bin ich seit Kindheit mit dem Unternehmen vertraut. Eine Firma gut zu kennen, bietet sicher eine gute Grundlage für die Vorstandsarbeit. Inhaltlich tragen mein Studium, meine berufliche Laufbahn und meine operativen Erfahrungen in verschiedenen Führungspositionen bei Wepa dazu bei, dass ich mich auf die Vorstandsarbeit gut vorbereitet gefühlt habe. Hinzu kommen eine klare Aufgabenbeschreibung und ein gutes Team. Dennoch, es ist ein großer Schritt, auf den man sich einlassen muss und mit dem ich auch jeden Tag Neues dazu lerne. Mich treiben die Verantwortung, meine Ziele und die große Chance und Aufgabe, mit einem tollen Team das Familienunternehmen weiterzuentwickeln, jeden Tag aufs Neue.

Worin sehen Sie Ihre persönliche Bestimmung innerhalb des Familienunternehmens?

Meine persönliche Bestimmung ist es, mit viel Leidenschaft unser Familienunternehmen und die Unternehmerfamilie kontinuierlich weiterzuentwickeln und hierfür die Verantwortung zu übernehmen. Beides – die Unternehmerfamilie und das Familienunternehmen – mitzudenken und zukunftsorientiert auszurichten, macht mir viel Freude. Es ist ein großes Asset, eine starke Unternehmerfamilie hinter dem Familienunternehmen zu wissen. Dies gibt uns im Unternehmen und mir in meiner Rolle als Chief Strategy Officer und Mitglied des Vorstands bei Wepa viel Rückenwind – insbesondere, um unser „Perform & Transform – Wepa 2023″- Strategieprogramm und den damit verbundenen Transformationsprozess erfolgreich umzusetzen.

Die Wepa-Gruppe mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Arnsberg ist auf die Herstellung und den Vertrieb nachhaltiger Hygienepapiere spezialisiert.Wepa SE
Die Wepa-Gruppe mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Arnsberg ist auf die Herstellung und den Vertrieb nachhaltiger Hygienepapiere spezialisiert.

Tradition und Innovation können Gegensätze sein. Denken Sie, Familienunternehmen in Deutschland trauen sich zu wenig in Anbetracht der Erfolge in der Vergangenheit?

Nein, das glaube ich nicht. Ich sehe Tradition und Innovation auch nicht als Gegensätze – beides ist aus meiner Sicht für Familienunternehmen wichtig und eine besondere Stärke. Unternehmerisch zu denken und zu handeln und dies über Generationen hinweg, macht Familienunternehmen aus und ist Treiber für Innovation. Was Wepa betrifft, würde ich sogar sagen, dass wir aus Tradition innovativ sind. Mir fallen zudem viele Familienunternehmen ein, bei denen das genauso ist. Aus den gemachten Erfahrungen und aufgebauten Kompetenzen heraus mache ich mir keine Sorgen, dass sich Familienunternehmen in Deutschland zu wenig zutrauen würden. Nichtsdestotrotz können Transformation und Neuerung herausfordernd sein, zumal diese aus meiner Sicht vielschichtiger und dynamischer geworden sind. Hier helfen Kooperationen und Kollaborationen in offenen Ökosystemen und der Austausch untereinander, zum Beispiel auf dem Kongress für Familienunternehmen.

Welche Botschaft geben Sie der Senior-Generation der Familienunternehmen mit, um die notwendigen Transformationsprozesse für die kommende Generation bestmöglich vorzubereiten? 

Erst einmal kann meine Generation von den Unternehmerinnen und Unternehmern der Vorgeneration viel lernen und in den überwiegenden Fällen auf einer erfolgreichen Grundbasis aufsetzen. Diese gilt es zu wahren, aber eben auch weiterzuentwickeln. Über die Generationen hinweg ein gemeinsames Bild von der notwendigen Transformation des eigenen Familienunternehmens zu zeichnen, ist hierbei sicherlich ein hilfreicher Prozess. Es ist für Familienunternehmen eine große Chance, dass man auf die anstehenden Transformationsprozesse aus der Perspektive von mindestens zwei Generationen schauen kann. Das ermöglicht bereits eine frühere Vorbereitung und ein frühes Umsetzen. Mit Blick auf die künftigen Herausforderungen und Chancen gilt es, Veränderungen gegenüber offen zu sein und der Notwendigkeit zur Transformation im Unternehmen das verdiente Gewicht zu geben, um sich so erfolgreich für die Zukunft aufzustellen.

Welches Thema wird Ihrer Meinung nach für kommende Generationen in Familienunternehmen besonders an Bedeutung gewinnen?

In einer Zeit, die auch häufig als VUCA-Welt bezeichnet wird, also von Volatilität, Ungewissheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit geprägt ist, werden wir uns darauf einstellen müssen, dass immer wieder neue Veränderungen mit hoher Dynamik auftreten werden. Was man aber sagen kann: Das Thema Nachhaltigkeit wird sicherlich an immenser Bedeutung gewinnen. Wir sehen bereits heute, dass viele Unternehmen sich nachhaltiger aufstellen. Dies wird sich aus meiner Sicht in den kommenden Jahren noch verstärken und das neue Normal werden, an dem kein erfolgreiches Unternehmen vorbeikommt.

Abgesehen von Ihrer Funktion als Schirmherr des Kongresses, was sind für Sie Gründe, den Kongress auch als Teilnehmer zu besuchen?

Der Kongress für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke ist für mich jedes Jahr eine Bereicherung – ein Ort zum vertrauensvollen Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmen, zur persönlichen Reflexion der eigenen Positionierung und zur Inspiration. Daher könnte der Titel des 24. Kongresses, „Bestimmung finden“, nicht passender sein.

www.familienunternehmer-kongress.de