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16. Dezember 2022

Finanzierungsmonitor: Mittelstand arrangiert Lieferketten neu

Deutschlands Mittelständler nehmen ihre Lieferanten noch genauer unter die Lupe. Da die aktuellen Lieferengpässe nach Ansicht von jedem zweiten Unternehmen noch mindestens ein bis zwei Jahre anhalten werden, sollen künftig die Aspekte Resilienz, lokale Produktion und Nachhaltigkeit stärker betont werden. Das sind die Ergebnisse der Studie „Finanzierungsmonitor 2022“ von Creditshelf und der TU Darmstadt. Mehr als 200 Finanzentscheider aus mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen wurden für die Erhebung befragt.

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Travel mania / shutterstock.com

„Die internationalen Warenströme haben sich auch fast drei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie noch nicht wieder normalisiert. Und die Verwerfungen werden uns voraussichtlich noch längere Zeit begleiten: Nach Meinung von 47 Prozent der Umfrageteilnehmer wird es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis die gestörten Lieferketten wieder stabil funktionieren. Und jeder siebte Befragte sieht in den Lieferengpässen sogar ein echtes Langzeitproblem“, sagt Creditshelf-Vorstand Dr. Daniel Bartsch. Angesichts der turbulenten Großwetterlage prognostiziert der Finanzierungsexperte mittelfristig ein unruhiges Fahrwasser für den Mittelstand in Deutschland: „Vor allem die Industrie kann sich nicht länger monothematisch auf Effizienzmaßnahmen fokussieren, sondern muss eine langfristig stabile und gleichzeitig konkurrenzfähige Produktion sicherstellen – dieser Spagat ist außerordentlich herausfordernd.“

ESG-Kriterien im Fokus

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs, den Nachwirkungen der Corona-Pandemie und einer immer schärferen ESG-Regulierung setzt der Mittelstand gleich ein ganzes Paket unterschiedlichster Maßnahmen um, damit die Lieferketten künftig wieder nahtlos ineinandergreifen. „Neun von zehn Unternehmen wollen den Anteil lokaler oder regionaler Zulieferer erhöhen. Und für acht von zehn gewinnt die Resilienz der Lieferkette gegenüber dem Kostenargument an Bedeutung. Diese Zahlen zeigen: Die Industrie ist in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, der jede Station der Wertschöpfungskette genauso betrifft wie die jeweiligen Finanzierungsmöglichkeiten“, sagt Barsch. Im Falle der Supply Chain nimmt diese Kettenreaktion bereits Fahrt auf. Schon jetzt achten 78 Prozent der Unternehmen bei der Auswahl ihrer Lieferanten darauf, dass diese die ESG-Kriterien einhalten. Und die Neuorientierung trägt bereits erste Früchte. 85 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass sie das neue Lieferkettengesetz fristgerecht erfüllen werden.

Kreditgeber fordern Nachhaltigkeit ein

Die ESG-Kriterien gewinnen auch bei der Vergabe von Krediten an Bedeutung. Von den Unternehmen, die ihre Betriebsmittel über klassische Bankkredite finanzieren, mussten 64 Prozent ihrer Bank gegenüber auch Nachhaltigkeitsindikatoren offenlegen. Im Vorjahr waren es noch 61 Prozent gewesen.

Hier gibt es die Studie als kostenlosen Download