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16. Januar 2023

Länderindex: Steuerlast für Familienunternehmen in Deutschland besonders hoch

Deutschland kann mit den Wirtschaftsstandorten in Nordamerika, Westeuropa und Skandinavien kaum noch mithalten. Während andere Staaten in Infrastruktur investieren oder ihr Steuersystem reformieren, kommt die Bundesrepublik nicht voran. Das ist eines der Ergebnisse des neuen Länderindex der Stiftung Familienunternehmen. Lichtblicke seien geringe Verschuldung des Staates und der privaten Haushalte

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„Die gegenwärtige Krise sollte als Chance zur Umkehr begriffen werden, vor allem zum Abbau lähmender Regulierungslasten“, schreiben die Studienautoren. Die steuerlichen Bedingungen müssten sich dringend verbessern. Mit Blick auf den Fachkräftemangel sei eine echte Wende in der Bildungspolitik nötig. Die Genehmigung und Durchführung öffentlicher Investitionsvorhaben sollten ihrer Ansicht nach sich in der Breite beschleunigen.

Bei Steuern auf dem vorletzten Platz

Im Zeitverlauf lässt sich ablesen, dass sich Deutschland im Vergleich mit den 20 anderen untersuchten Industriestaaten bei Steuern, Regulierung und Infrastruktur seit der ersten Erhebung im Jahr 2006 negativ entwickelt hat. Deutschland ist im Zeitverlauf um sechs Rangplätze abgerutscht. Auch das Verhältnis Arbeitskosten und Produktivität zeigt einen ungünstigen Trend im Vergleich zu den Wettbewerbern. „Bei der Steuerlast für Familienunternehmen rangiert Deutschland weiterhin auf dem vorletzten Platz; bedingt vor allem durch die Untätigkeit der deutschen Steuerpolitik“, wie Ökonom Friedrich Heinemannschreibt. Diese Nachteile hätte man durch die positive Tendenz beim Indikator Finanzierung nicht ausgleichen können. Außerdem müsse sie für die Zukunft nicht so gelten. Aktuell sei hier der Sinn für Prioritäten und zielgenaue Hilfen auf der Strecke geblieben, so Heinemann. Der Bundeshaushalt mit seinen Nebenhaushalten sei nicht mehr transparent genug. Luft für Zukunftsaufgaben sei nur zu bekommen, wenn endlich Reformen im Bereich Rente und Gesundheit stattfänden.

Stiftung Familienunternehmen

Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen: „Der Industriestandort Deutschland hat dramatisch an Qualität verloren. Gerade die hohen Energiepreise, an denen wir wenig ändern können, müssten doch Anreiz bieten, die übrigen Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern. Im internationalen Vergleich auf den hintersten Plätzen – das ist nicht das Feld, in das wir gehören.“ In der aktuellen Rangliste befindet sich Deutschland auf Platz 18, vier Plätze schlechter als beim vorhergehenden Länderindex aus dem Jahr 2020. Allerdings liegen die Länder auf den Plätzen 14 bis 19 mit ihren Punktwerten sehr nah beieinander. Nur Ungarn, Spanien und Italien schneiden noch schlechter ab.

Spitzenreiter USA kämpft mit Inflation

Angeführt wird die Rangliste von den USA, Kanada, Schweden und der Schweiz. Die USA zeigen laut der Erhebung herausragende Ergebnisse bei den Standortfaktoren Energie und Regulierung. „Doch wer die USA als unschlagbar attraktiven Standort auch für deutsche Unternehmen betrachtet, darf die dort überdurchschnittliche Inflation nicht vergessen“, sagt Heinemann. Der Preis- und Lohndruck sei hoch in den USA. Verbunden mit der Dollar-Aufwertung mindere das die Attraktivität des Standorts.

Hier geht es zum aktuellen Länderindex

www.familienunternehmen.de