Portraits
17. September 2009

100 Jahre Ferry Porsche

Ferry Porsche im Jahr 1994 an seinem
85. Geburtstag im Porsche Typ 356 „Nr. 1“.

„All die anderen haben nicht für sich überlebt, alle dienen sie heute den Großen der Branche als Aushängeschild, als Vehikel – das war niemals das, was Ferry Porsche wollte.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in seiner Trauerrede im April 1998 laut Medienberichten vom Gründer der Sportwagenmarke Porsche, Ferdinand Anton Ernst (Ferry) Porsche. Mittlerweile ist klar, dass genau dieses Schicksal nun auch die kleine Sportwagenschmiede ereilt: Das Familienunternehmen verliert seine Unabhängigkeit, wird als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert und soll in der Luxusklasse zum Zugpferd von Europas größtem Autobauer werden.

Start in neue Ära

„Die Entwicklung, die sich jetzt ergeben hat, ist nicht die einfachste“, gab Ferry Porsches Sohn Wolfgang, Aufsichtsratschef der Sportwagenschmiede, am Rande der Automobilausstellung IAA offen zu. Mit der geplanten Verschmelzung im Jahr 2011 starten die beiden Hersteller in eine neue Ära ihrer langen gemeinsamen Geschichte. In der Porsche/Piëch-Familiensaga spielte der eher schüchtern und zurückhaltend auftretende Ferry Porsche jahrzehntelang eine Schlüsselrolle. Am 19. September wäre der Vater von Wolfgang Porsche und Onkel von VW-Patriarch Ferdinand Piëch 100 Jahre alt geworden.

Auch dunkles Kapitel

Dass schnelle Autos Ferry Porsches Leben prägen sollten, war schon vom ersten Tag an klar. Als er 1909 in Wiener Neustadt (Österreich) geboren wurde, fuhr sein Vater Ferdinand (1875-1951) gerade ein Autorennen. Als Zehnjähriger durfte Ferry dann zum ersten Mal selbst hinters Steuer – auf dem Schoß seines Vaters. Einige Jahre später machte er sich seinen Namen in der Autobranche: Er half seinem Vater Ferdinand bei der Konstruktion des ersten Volkswagen, dem Käfer.

Neben dem Erfolg gab es in den Anfangsjahren aber auch ein dunkles Kapitel in der Unternehmensgeschichte der Porsches. Im Zweiten Weltkrieg engagierten sich beide für die Rüstungsproduktion Adolf Hitlers, den sie auch persönlich kannten. Ferdinand Porsche war über Jahre hinweg der bevorzugte Ingenieur Hitlers. Außerdem wurden unter seiner Verantwortung in Wolfsburg und Stuttgart-Zuffenhausen Zwangsarbeiter beschäftigt. Nach Kriegsende wurden Ferdinand und Ferry Porsche vom französischen Geheimdienst verhaftet.

Ferry Porsche und Sohn Ferdinand
Alexander am Porsche 911.

„Ur-Porsche“ aus Volkswagen-Teilen

Ferry Porsche kam 1946 frei. Während sein Vater noch in Haft saß, übernahm Ferry die Verantwortung in der Firma. Wenig später baute er den ersten Flitzer mit dem Familiennamen Porsche. Der „Ur- Porsche“ 356 war aus Volkswagenteilen zusammengeschraubt. Möglich geworden war dies durch eine Vereinbarung mit VW. Darin wurde 1948 auch festgelegt, dass das VW-Werk Porsche die benötigten Teile für die geplante eigene Autoproduktion liefern musste.

Der endgültige Durchbruch für die Marke Porsche kam 1963: Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentierten die Stuttgarter den Klassiker 911. „Mein Vater war ein guter Unternehmer und ist trotz des Erfolges immer auf dem Boden geblieben“, sagt Wolfgang Porsche. „Kontinuität und hohe soziale Verantwortung“ seien wesentlichen Eigenschaften gewesen. Ferry Porsche lenkte mehr als zwei Jahrzehnte lang die Geschicke des Familienunternehmens, bis er 1972 seinen Hut nahm. In der Unternehmensführung tauchen die Namen Piëch oder Porsche seitdem nicht mehr auf. Die Familie hatte beschlossen, dass künftig kein Familienmitglied mehr im operativen Geschäft bei Porsche mitmischen darf. Gemunkelt wird, dass Streitigkeiten im Management des Sportwagenbauers der Grund waren. Zwar haben die Familien ihre Streitereien seit jeher nicht gerade öffentlich ausgetragen. Gerüchte und Spekulationen aber beherrschen regelmäßig die Schlagzeilen – zuletzt auch im schmutzigen Übernahmekampf von VW und Porsche, der auch zum Kampf zwischen den Familien geworden war.

Im Porsche-Aufsichtsrat tummeln sich die Porsches und Piëchs aber bis heute. Auch Ferry Porsche wechselte nach seinem Aus als Firmenboss dorthin und blieb bis 1990 Chef des Gremiums. Am 27. März 1998 starb er im Alter von 88 Jahren. Sein Leben lang war er davon überzeugt, dass schnelle Autos nicht aus der Mode kommen: „Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Sportwagen sein.“ (von Stefanie Koller, dpa)