Portraits
4. September 2009

Trinkobst von Jungunternehmern trägt Früchte

Sehr erfolgreiche Gründer: Nicolas Lecloux,
Inga Koster und Marco Knauf von „True Fruits“.

„Am Anfang mussten wir bei Supermarktleitern harte Überzeugungsarbeit leisten“, erinnert sich Inga Koster. Sie ist Geschäftsführerin bei der Bonner Firma True Fruits („Wahre Früchte“). Vor drei Jahren betraten die Jungunternehmer Neuland. Damals waren Smoothies – pürierte Früchte zum Trinken – in Deutschland kaum bekannt. Das hat sich inzwischen geändert: Die Produkte des Unternehmens stehen inzwischen in vielen Supermärkten, Szenekneipen und Tankstellen. Für ihre Idee bekamen die Existenzgründer in diesem Jahr den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Start-Up.

Rezeptur kein Geheimnis

Die drei Jungmanager Marco Knauf (Vorsitzender der Geschäftsführung), Inga Koster und Nicolas Lecloux wurden ausgezeichnet, weil sie die Smoothie-Pioniere in Deutschland sind. „Bevor wir unser Produkt auf den Markt gebracht haben, konnte keiner hier etwas mit Obst aus der Flasche anfangen“, sagt Koster. Dabei ist die Rezeptur einfach und kein Geheimnis wie bei Coca Cola: „Pürierte Früchte, ohne Geschmacksverstärker, Bindemittel oder Zucker“, erklärt die 31-jährige. In einer pinkfarbenen Drinksorte – genannt „Diva“ – stecken 30 gemahlene Himbeeren, pürierte Banane, eine halbe Orange und ein Apfel.

Mit 2,29 bis 2,49 Euro pro 250ml-Flasche sind die „True-Fruit“-Smoothies um einiges teurer als jene, die bei Discountern jetzt auch im Regal stehen. Aufkommende Konkurrenz hat aber die Expansion nicht verhindert: 2007 lag der Umsatz bei 2,6 Millionen Euro, 2008 stieg er auf knapp fünf Millionen Euro. „Wer sich einmal die Mühe gemacht hat, zu Hause Obst zu pürieren und selbst einen Smoothie herzustellen, bezahlt gern unsere Preise“, meint Koster.

Für das Design der Flaschen
gab es Ende August den red dot award.

Trendige Glasflasche mit Keramikdruck

Bevor das Schlürfobst den Weg in die Läden fand, jagten die Erfinder so manches Kilo Obst durch den Küchenmixer. Und das kam so: Die BWL-Studentin Koster und ihr Freund Knauf verbrachten 2004 ein Semester in Schottland. Nach Partys, Bier und frittiertem Frühstück gab ihnen Fruchtpüree in Fläschchen aus dem Uni-Shop den nötigen Vitaminkick. Zurück an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg wollten sie das Getränk nicht missen. Gemeinsam mit Studienfreund Lecloux tüftelten sie an Rezepten, eine Designstudentin der Kunstakademie Hennef entwarf eine trendige Glasflasche. Von zwei Bonner Investoren gab es Startkapital. „Die Flasche wird in einer Glashütte bei Achern hergestellt und in Bayern mit einem Keramikdruck versehen“, erklärt Koster. Auf diese Weise solle möglichst viel vom Produkt sichtbar sein. Die Gründer haben sich für das puristische Verpackungsdesign entschieden, weil Glas dicht und geschmacksneutral ist. Ein Familienunternehmen bei Stuttgart fungiert als Abfüller.

Mit Qualität von Konkurrenz absetzen

Etwa 40 Liter Fruchtsaft trinkt jeder Deutsche im Jahr nach Angaben des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie. Damit ist Deutschland Spitzenreiter in Europa. Im Jahr 2008 verzeichnete die Branche einen Gesamtumsatz von 4,1 Milliarden Euro. Das bedeutet auch viel Potenzial für Innovationen wie Smoothies. Denn mit einem Umsatz von rund 25 Millionen Euro aller Hersteller sind Smoothies noch ein Nischenprodukt.

True Fruits ist die Nummer zwei auf dem deutschen Markt unter den Marken-Smoothies – mehr verkauft nur der amerikanische Obst- und Gemüseproduzent Chiquita. „Beim Start produzierten wir 10.000 Flaschen im Monat, jetzt sind es rund eine halbe Million“, ist Koster stolz. Neben Chiquita sind auch Schwartau und Mövenpick ins Geschäft eingestiegen, auch Discounter verkaufen inzwischen Smoothies. Bei True Fruits setzen die Manager auf Qualität: „Abgesehen von den heimischen Beeren kommen alle Früchte, die für die Smoothies verarbeitet werden, aus Brasilien“, erläutert Koster. „Die Früchte reifen dort am Strauch, nicht in Übersee-Containern, und werden schockgefrostet nach Deutschland verschifft.“

In der Firmenzentrale in einer alten Tapetenfabrik in Bonn-Beuel, kümmern sich 14 Mitarbeiter um neue Rezepte und Absatzmärkte. Der Erfolg der jungen Firma lässt an Bionade denken: Das bayerische Familienunternehmen verkaufte anfangs seine Limo in Bioläden, dann in Großstadt-Kneipen, schließlich bei McDonald’s und will nun den amerikanischen Markt erobern. „Soweit sind wir nicht, aber wir sind auch noch lange nicht satt“, sagt Koster.
(Vera Cornette, dpa)