Portraits
8. September 2009

Unternehmer mit Leib und Seele

Wer Gerhard Schubert, Gründer und Chef der Gerhard Schubert GmbH Verpackungsmaschinen in Crailsheim kennen lernt, weiß nach wenigen Minuten, dass der 71-Jährige ein Unternehmer durch und durch ist und es immer sein wird.

Er ist Überzeugungstäter und er will derjenige sein, der das Sagen hat. Das gibt er freimütig zu: „Ich wollte schon mit fünf Jahren Chef werden. Damals besuchte ich mit meinem Vater einen Steinbruch und bewunderte den Mann, der so viele Leute für sich arbeiten lassen konnte. Für dieses Ziel habe ich alles getan. Und noch heute ist die Firma meine größte Herausforderung und mein stärkster Antrieb.“ Auf dem Altenteil sitzt Schubert also nicht, obwohl seine Söhne Gerald und Ralf schon seit Jahren Teil der Führungsmannschaft sind, doch der Unternehmer kann sich nicht einfach zurückziehen. „Ich bin zwar sicher, dass die Firma weiter bestehen wird ohne mich, aber anders als bei mir. Ich kann nicht einfach weggehen“, gibt er zu. „Das kann man von einem Vollblutunternehmer nicht erwarten. Ich hänge zu sehr an der Firma.“

Problemlöser aus Leidenschaft

Die erste erfolgreiche Schubert-Maschine kam 1966 auf den Markt, ein Kartonaufrichter. Der Konstrukteur Gerhard Schubert war damals 28 Jahre alt und hatte einige Jahre zuvor mit dem Österreicher Karl Josef Erhardt aus Heidenheim eine Firma gegründet. Sein ursprüngliches Konzept eines Verkaufsautomaten für Kaufhäuser war für die damalige Zeit etwas zu utopisch gewesen.

Begonnen hatte Schubert seine kurze Karriere als Angestellter nach seiner Ausbildung zum Mechaniker bei einer Firma, für die er eine Etikettiermaschine für Underberg konstruierte. Als er mit 22 Jahren eine Familie gründete, fragte er beim damaligen Chef nach mehr Geld, das er nicht bekam. Er wechselte die Firma und begann neben seiner angestellten Arbeit, abends freiberuflich zu arbeiten. „Ich brauchte Geld, um mich selbstständig zu machen. Wenn einer auf der Suche ist, ergeben sich viele Möglichkeiten“, sagt Schubert. „Ich löse gerne Probleme, deshalb suche ich sie. Wenn man ein Problem löst, stellt sich ein Glücksgefühl ein.“

Seine erste Maschine verkaufte Schubert für 9.600 DM und damit viel zu billig. „Wir haben später herausbekommen, dass die Konkurrenz für eine vergleichbare Maschine 30.000 DM verlangte“, schmunzelt er. Diese erste Maschine arbeitete 25 Jahre lang, bevor sie der Unternehmer für 7.500 DM zurückkaufte und schließlich an das Verpackungsmuseum in Heidelberg gab.

Mit Automatisierung an die Spitze

Auch Würste werden automatisch verpackt.

Die Zeiten für das junge Unternehmen waren gut. Menschliche Arbeit wurde Mitte der 60er-Jahre teurer. Maschinen kamen da gerade recht, um die Kosten zu senken. Im ersten Jahr verkauften Schubert und sein Kompagnon vier Maschinen. In nur wenigen Jahren waren es 50 bis 80 Maschinen pro Jahr. „Anfangs wurden die Kartons noch von Hand befüllt“, erinnert sich Schubert, „doch innerhalb von zehn Jahren wurde aufgerichtet, befüllt und verschlossen mit Maschinen. Immer flexiblere Maschinen waren gefragt.“

In den 70er-Jahren fiel dem Unternehmer eine britische Studie über die Zukunft der Verpackungstechnik in die Hände, in der die drei gängigen Verfahren zum Verpacken verglichen und auf ihre Zukunftsfähigkeit bewertet wurden. Fazit der Studie war, dass sich das Toploading, also das Befüllen von oben, nicht durchsetzen werde. Der Grund für diese Vorhersage wurde Schubert erst Jahre später klar: „Die Toploading-Maschinen waren sehr spezialisiert, doch man wollte Standardmaschinen haben und keine Sondermaschinen, die nur für ein Produkt geeignet waren.“

Schubert setzte mit dem ihm eigenen Bauchgefühl auf Toploading. Seine Aufgabe für die nächsten 20 Jahre war klar: „Wir brauchten eine Maschine, die alle Anforderungen erfüllen konnte.“ Mit den heute produzierten TLM-Verpackungsmaschinen, digitalen Maschinen, deren Funktionen in die Software gepackt sind, hat er die Aufgabe (zunächst einmal) erfüllt. „Die Natur hat uns den Anstoß dafür gegeben“, sagt der Tüftler. „Der Mensch ist das Flexibelste, was die Natur je hervorgebracht hat. Er hat sich Werkzeuge geschaffen, um seine Unzulänglichkeiten auszugleichen. In unseren Maschinen machen wir im Grunde dasselbe. Wir vereinen hochintelligente Steuerungen mit einfacher Mechanik.“

Unter den Schubert-Kunden finden sich große Namen.

Heute beschäftigt das Unternehmen etwa 630 Mitarbeiter, die einen Umsatz von rund 110 Millionen Euro erzielen. Bei Verpackungsmaschinen für stückige Produkte zählt Schubert zu den Weltmarktführern. Kaum ein großer Name, der nicht in Schuberts Kundenkartei steht.

Fragt man Schubert, was denn jetzt komme, sagt er, die Automatisierung werde weitergehen. In etwa zwei Jahren sei man beim automatischen Werkzeugwechsel weiter. Vermutlich werde man bald Maschinen haben, die sich selbst warten und reparieren würden, aber genau könne man das nicht sagen. Der große Wurf brauche Zeit. „Wenn heute eine unserer Maschinen sieben Minuten still steht, kostet das etwa 2.800 Euro, steht sie eine halbe Stunde still, ist klar, wo der Kunde in Zukunft einkaufen wird. Dort, wo ihm am schnellsten geholfen wird bzw. wo die Standzeiten am kürzesten sind.“

Frei zu tun, was man möchte

Gerhard Schubert im Gespräch mit Andrea Przyklenk

Unabhängigkeit spielt für Schubert eine große Rolle. So, wie er niemals in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis sein wollte, so wenig möchte er sich „überhaupt von irgendjemand sagen lassen, was ich zu tun habe“. Und schon gar nicht von den Banken. Stolz ist er darauf, dass er seit 20 Jahren keine Bank mehr gebraucht hat: „Ich kann denen Geld geben, wenn sie welches brauchen.“ Auch seine Investitionen finanziert er selbst, dabei ist Schubert keineswegs ein sparsamer Schwabe. „Ich bin nicht geldgierig, aber ohne Geld läuft nichts. Ich gebe Geld gerne aus, denn damit etwas passiert, muss der Rubel rollen“, sagt er und schmunzelt. Als seine Firma ein Jahr alt war, hat er zum Beispiel mit der Fliegerei begonnen. mit Segelfliegen. „Ich schwelgte sogar eine zeitlang in dem Gedanken, Weltmeister zu werden“, gesteht der Unternehmer. „Ich war sogar mit der Nationalmannschaft im Trainingslager in Südfrankreich. Letztlich hatte ich aber zu wenig Zeit. Und die Firma hatte für mich immer Vorrang.“ Doch seiner Leidenschaft frönte er all die Jahre weiter. Auch heute noch ist sein liebstes Hobby – „gleich nach der Firma“ – das Fliegen. Im Laufe der Zeit hat er auch den Flugschein für Motorflugzeuge gemacht, drückte dafür mit Niki Lauda die Schulbank und kaufte sich jedes Mal, wenn sich der Umsatz seines Unternehmens verdoppelte, ein größeres Flugzeug. 1993 konnte er sich dann den ersten Jet kaufen. Um die 15.000 Flugstunden sind mittlerweile zusammen gekommen. Und natürlich fliegen die Söhne auch. Einer von ihnen ist immer mit im Cockpit, wenn der Vater fliegt.

Ansonsten steckt Schubert alles in die Firma. „Ich kaufe keine Aktien von anderen. Warum auch?“ Sechs Prozent vom Umsatz gehen in Forschung und Entwicklung, 1,7 Prozent in das Marketing. Vor der Krise ist Schubert nicht wirklich bange, obwohl er davon ausgeht, dass sie sein Unternehmen erst mit einem Jahr Verspätung trifft. „Die Krise zwingt uns dazu, uns anzustrengen und alles noch besser zu machen“, sagt der Senior. „Man sollte sich nicht ausruhen, solange man noch neue Dinge machen kann.“ Auf die Frage, was denn nun das Geheimnis seines Erfolgs als Unternehmer sei, muss Schubert nicht lange nachdenken. Sicherlich habe er ein Händchen für Technik und ausgezeichnete Mitarbeiter, aber genau so wichtig sei ein siebter Sinn, der ihn stets das Richtige habe tun lassen und: „Wer langfristig Erfolg haben will, muss ehrlich sein.“

– ap

www.gerhard-schubert.de