Portraits
12. Oktober 2009

Unternehmerin mit Leidenschaft und Mut

Lernt man Elisabeth Schönwiese aus Pforzheim kennen, fragt man sich nicht mehr, weshalb sie Unternehmerin wurde. Zielstrebigkeit, Entschlossenheit und Mut stehen ihr ins Gesicht geschrieben.

Bevor sie 1985 ihre Unternehmen gründete, war sie Hausfrau und Mutter und konnte keine Ausbildung vorweisen. „Ich bewarb mich auf alles Mögliche, der eine oder andere Job wurde mir auch angeboten, aber die Bezahlung war in der Regel sehr schlecht“, erzählt die Unternehmerin von ihrer Jobsuche. „Schließlich fand ich eine Stelle als Objektleiterin bei einer Gebäudereinigung – mein Sprungbrett.“ Elisabeth Schönwieses Arbeitgeber entdeckte schnell, dass sie gut mit Menschen umgehen konnte und versuchte sie für eine Ganztagesstelle zu gewinnen. Ein Kunde schlug ihr vor, ihre eigene Firma zu gründen. „Ziemlich blauäugig gründete ich eine eigene Gebäudereinigung“, erzählt sie. „Erst nach und nach erkannte ich, wie anspruchsvoll dieses Handwerk ist.“

Elisabeth Schönwiese mit Sohn Peter.

Heute hat das Unternehmen 70 Mitarbeiter und Sohn Peter, seit Februar 2008 im Unternehmen, steht in den Startlöchern für die Nachfolge. Eine Entwicklung, die sich Elisabeth Schönwiese so nie hätte träumen lassen. „Ich wollte immer vermeiden, dass jemand aus der Familie mitarbeitet oder gar übernimmt. Ich hatte Bedenken, dass es innerhalb der Familie zu Konflikten kommen könnte. Aber ich habe irgendwann gemerkt, wie Peter sich in anderen Unternehmen entwickelte, sich viel fachliche Kompetenz angeeignet hatte und ich mit dem Gedanken spielte, er könnte mich entlasten.“ Schließlich sprach die Unternehmerin mit ihrem Sohn über eine mögliche Nachfolge. „Seine Antwort, er fühle sich geehrt, dass ich darüber nachdenke, das Unternehmen einmal in seine Hände zu legen, hat mich zutiefst gerührt und mich auch davon überzeugt, dass es das Richtige ist.“

Ständig lernen und fördern

Gebäudereinigung ist ein anspruchsvolles Handwerk.

Ein halbes Jahr nach der Gründung hatte die Gebäudereinigung Schönwiese bereits 35 Mitarbeiter und die Inhaberin war am Lernen. „Ich machte die Gesellen- und die Meisterprüfung und bildete mich weiter.“ Damit legte sie den Grundstein für den Erfolg der Firma, die heute auf mehrere Standbeine bauen kann: die klassische Gebäudereinigung, Gutachtertätigkeit, Beratungskompetenz in der öffentlichen europaweiten Ausschreibung, Mitarbeiterschulung und Beratung öffentlicher Auftraggeber und Verwaltungen. „Es hat sich gelohnt, dass ich mich ständig weiterbilde. Wir bekommen dadurch Aufträge, die wir ohne diese spezielle Expertise sicherlich nicht bekommen hätten“, unterstreicht Elisabeth Schönwiese. „Wir reinigen im Kloster Maulbronn unter anderem den berühmten Brunnen im Brunnenhaus des Kreuzgangs, wir reinigen Kirchenglocken, sanieren Fußböden mit den unterschiedlichsten Belägen und haben große Kompetenz beim Thema Glas und Naturstein.“

Doch all das reicht der umtriebigen 60-Jährigen nicht. Sie engagiert sich im Innungsverband des Gebäudereinigerhandwerks Baden-Württemberg, als Vorsitzende der Fachakademie, die Seminare zur Aus- und Weiterbildung, sowie Gesellen- und Meisterkurse anbietet, und als vereidigte Sachverständige der Handwerkskammer Karlsruhe.

Die Unternehmerin wird für ihr Engagement geehrt.

Besonders wichtig ist Elisabeth Schönwiese der Nachwuchs. Deshalb hält sie an Schulen Vorträge über ihr Handwerk, nimmt an Ausbildungsmessen und am „Girl’s Day“ teil. „Gebäudereinigung ist viel mehr als putzen“, erklärt sie. „Man muss nur einmal darüber nachdenken, wie viele unterschiedliche Materialen man in einem einzigen Gebäude vorfindet, wie unterschiedlich die Verschmutzungsarten sein können und wie viele verschiedene Reinigungsmittel und –materialien es gibt. Ich möchte den jungen Menschen nahe bringen, dass die Gebäudereinigung ein durchaus anspruchsvolles Handwerk ist, sofern man sich ernsthaft damit beschäftigt.“

Unter dem Label „Kultursprung“ veranstaltet die rührige Unternehmerin in der Villa Lore, die auch der Firmensitz ist, Lese- und Musikabende, Ausstellungen und Begegnungen zwischen ganz unterschiedlichen Menschen. „Hier werden neue Ideen präsentiert, diskutiert und manchmal auch wieder verworfen“, sagt Elisabeth Schönwiese.

Gemeinsam stark und optimistisch

Ganz besonders am Herzen liegt ihr das Engagement im Verband deutscher Unternehmerinnen (VDU), bei dem sie jahrelang im Vorstand saß, und für das Mentoring-Projekt TWIN der Käte-Ahlmann-Stiftung. Schon vier junge Unternehmerinnen hat die Pforzheimerin auf ihrem Weg je ein Jahr lang (und darüber hinaus) im Rahmen des Projekts begleitet. „Ich finde es sehr wichtig, dass junge Unternehmerinnen jemanden haben, der ihre Probleme versteht und auch ihre Freude über Erfolge teilen kann. Oft geht es nur darum, dass einem ab und zu jemand den Rücken stärkt und Mut macht, zum Beispiel bevor man ein wichtiges Kunden- oder Bankgespräch hat. Manchmal geht es um die angemessene Kleidung oder um Differenzen mit dem Geschäftspartner“, erzählt Elisabeth Schönwiese. „Am wichtigsten ist jedoch, dass man auf gleicher Augenhöhe kommuniziert und sich versteht.“

Es gibt fast nichts, was die
Schönwiese GmbH nicht reinigen könnte.

Auf die Frage, weshalb Unternehmerinnen überhaupt einen eigenen Verband brauchen, muss sie nicht lange nach einer Antwort suchen: „Frauen unter sich sind entspannt. Wir haben anspruchsvolle Veranstaltungen, können zusammen herzhaft lachen, diskutieren, wälzen Probleme, bauen Netzwerke auf, machen Betriebsbesichtigungen in interessanten Unternehmen, profitieren von den anderen – nicht nur beruflich, lernen Dinge kennen, an die wir sonst gar nicht herankommen würden. Der Verband macht uns stärker und vertritt unsere Interessen nach außen“, beschreibt sie die Vorzüge des Unternehmerinnen-Verbands. „Junge Unternehmerinnen fragen uns oft, was der VDU ihnen bringen würde. Ich antworte dann immer, dass man sich zuerst selbst einbringen müsse, um die Vorteile zu erkennen.“

Ob Frauen die besseren Führungskräfte sind, stellt sich für Elisabeth Schönwiese nicht. „Es stimmt schon, dass Frauen anders führen als Männer“, sagt sie. „Frauen brauchen keine starren Hierarchien, um sich durchzusetzen. Sie können mit Niederlagen besser umgehen. Oft gelangen sie über Umwege ans Ziel. Sie wägen stärker ab, bevor sie eine Entscheidung treffen und es sind häufig so genannte Bauchentscheidungen. Aber die besseren Unternehmer sind sie deshalb nicht. Wer sich nicht durchsetzen kann oder wem dazu die notwendige Qualifikation fehlt, der wird nie wirklich erfolgreich sein.“ Für sie auch ein Argument gegen Quotenfrauen in Führungspositionen.

Die Chefin und Sohn Peter testen das Arbeitsgerät selbst.

„Ich bin ich“

Die Grundlagen für ihren persönlichen Erfolg als Unternehmerin sieht die Pforzheimerin in ihrer positiven Einstellung zu Menschen und in ihrer Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, umzusetzen und konsequent dabei zu bleiben. „ Ich nütze andere Menschen nicht aus. Ich bin kein Zweifler. Ich eifere nicht anderen nach, sondern stehe zu meinen Entschlüssen. Ich bin ich und stehe dazu.“ Sie wolle auch nicht sein wie die Männer, sagt sie. So manches mal habe sie „vom Bonus einer Frau profitiert, die man unterschätzt“. Was macht nun eine Unternehmerin aus? Für Elisabeth Schönwiese ganz klar: „Sie darf niemals glauben, andere müssten ihr helfen. Sie muss auf die eigene Kraft vertrauen und sich bewusst sein, dass nur sie verantwortlich ist für alle Entscheidungen, die sie trifft, für die Konsequenzen daraus. und auch die für die Menschen, die für sie arbeiten.“

www.schoenwiese-gmbh.de

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