Portraits
24. November 2009

„Holz ist meine Leidenschaft“

Für Bernhard Rathke, Geschäftsführer des Holzwerks Keck, ist der Umgang mit dem Naturstoff Holz jeden Tag aufs Neue etwas Einzigartiges, denn kein Baum ist wie der andere. Das Holzwerk Keck liegt idyllisch am Rande von Ehningen im Würm-Tal zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb.

Wenn Rathke über Holz spricht, leuchten seine Augen. Holz liegt ihm im Blut, denn auch der Vater kam aus einem Sägewerk. Am liebsten ist er „draußen“, dort wo das Holz verarbeitet wird: „Ich muss wissen, was passiert. Draußen bin ich in meinem Element.“ Sein Urgroßvater mütterlicherseits, Bernhard Keck, ersteigerte das in Konkurs gegangene Unternehmen bereits 1903. Rathke und sein Bruder Steffen führen das Unternehmen seit Anfang der 90er-Jahre in der vierten Generation.

Lebendiges Material

Frische Stämme auf dem Weg zum Entrinden.

Der Unternehmer ist stolz darauf, dass das Holz, das im Werk verarbeitet wird, aus heimischen Wäldern aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern kommt. „Holz ist ein wunderbares Material“, sagt er begeistert. „Und man kann es komplett verwerten. Die Reste werden zu Hackschnitzeln und Pellets verarbeitet. Sägemehl findet sich zum Beispiel in Raufasertapeten und Katzenstreu. Wir gewinnen mit den Resten, die anfallen, einen Großteil der Wärmeenergie, die wir zum Trocknen des Holzes benötigen. Die Rinde liefern wir in eine Verbrennungsanlage, wo daraus Biomassestrom gewonnen wird.“ Holz sei außerdem etwas sehr Lebendiges und vielseitig einsetzbar – für Möbel, Treppen, im Hausbau, in der Industrie, für Verpackungen etc. Kein Stamm sei wie der andere. Es gebe immer wieder Überraschungen. Deshalb sei es auch so wichtig, jeden Stamm genau anzuschauen, bevor man ihn verarbeite.

Bodenständig, qualitätsbewusst, innovativ

Bei Keck ist man stolz auf die selbst entwickelte Maschine.

Im Holzwerk Keck werden hauptsächlich Laubhölzer wie Eiche und Buche verarbeitet. Wenn im Sägewerk Eiche gesägt wird, liegt ein leichter Essiggeruch in der Luft. Eiche ist laut Rathke ein sehr wertvolles Produkt. Zwar schaut man die mitunter über 200 Jahre alten Bäume schon beim Einkauf an, aber bevor die angelieferten Stämme sortiert und verarbeitet werden, begutachtet man sie noch „am Boden“. Dazu bedarf es eines guten Auges und viel Erfahrung, die im Holzgeschäft sowieso eine große Rolle spielt. Im Holzwerk Keck kommt modernste Technik dazu. Die Steuerungen für die Maschinen werden ständig weiterentwickelt. Mit Lasertechnik und PC sorgt man längst für eine optimale Nutzung des kostbaren Naturstoffs. Dafür wurde von Rathke und seinen Mitarbeitern sogar ein mittlerweile patentiertes Verfahren entwickelt. Auch bei der Unternehmenssteuerung bedient man sich eines modernen Businessplan-Systems. „Bei einem Holzwerk denken zwar die meisten Leute an eine sehr handwerklich-bodenständig geprägte Arbeit“, sagt Bernhard Rathke, „aber wir steuern unsere Prozesse ebenso qualitätsbewusst und mit modernen Instrumenten wie andere Industriebetriebe. Wir sind nach ISO 9001 zertifiziert und äußerst flexibel bei den Lieferzeiten.“

Der frisch gesägte Stamm auf dem Weg zum Aufstapeln.

Das Holzwerk verkauft so genannte Blockware. Dafür werden die zuvor entrindeten Stämme der Länge nach gesägt und dann luftgetrocknet. Eichenholz lagert bis vier Jahre im Freien und zusätzlich drei Monate in der Trockenkammer. Bei Buche sind es sechs bis zwölf Monate. Wenn man bedenkt, dass etwa 30.000 Festmeter Laubholz pro Jahr geschnitten werden, wird klar, welche Lagerhaltung hinter einem Laubholzsägewerk steckt. Zudem ist Holz laut Rathke „Moden unterworfen“. Einmal ist Eiche gefragt, zwei Jahre später Buche. Wer sich dann mit Eiche eingedeckt hat, bleibt entweder auf seinen Vorräten sitzen oder muss zu niedrigeren Preisen verkaufen. „Man kann eigentlich nicht voraussagen, was in zwei bis vier Jahren gewünscht wird“, gibt Rathke zu. „Die Entscheidung, was wir einkaufen, beruht meistens auf Instinkt und Erfahrung.“ Etwa 50 Prozent der Hölzer gehen in den Export, besonders nach Polen, aber auch in andere EU-Länder, nach Indien, Japan und China.

Individuelle Verpackungen

Kisten fertig zum Verpacken.

Für einige Kunden werden besondere Zuschnitte gemacht. Generell jedoch verarbeitet man das Holz im Werk nicht weiter. Eine Ausnahme bilden Kisten, Schwergutpaletten, Transportschlitten und Komplettverpackungen. „Auf diesem Gebiet sind wir Spezialisten“, sagt Rathke stolz. „Wir können durch die Kombination mit dem Sägewerk nicht nur extrem schnell liefern, sondern auch sehr große Verpackungen herstellen, zum Beispiel für komplett montierte Bearbeitungszentren. Außerdem entsprechen unsere Kisten den internationalen Exportvorschriften für Holzverpackungen, dem IPPC-Standard. Er verlangt, dass Holz hitze- oder gasbehandelt wird, um die eventuell enthaltenen Schädlinge abzutöten. Schließlich soll nicht ein aus Deutschland nach China im Holz eingeführter Käfer zu einer Bedrohung für die einheimische Flora und Fauna werden.“ Holzkisten gelten besonders bei Überseetransporten als die hochwertigere Verpackung. Im Sondermaschinenbau muss die Holzkiste maßgeschneidert werden. Manchmal wird die Maschine sogar direkt auf dem Boden der Kiste aufgebaut. Dabei ist Kiste nicht gleich Kiste: „Es macht einen Unterschied, ob eine Maschine ein Jahr in der Wüste Saudi-Arabiens zwischengelagert oder gleich vor Ort aufgebaut wird“, erklärt Rathke. „Sogar die Lage des Schwerpunkts des Transportguts muss berücksichtigt werden.“

Ausbildung über Bedarf

Bernhard Rathke in seinem Element – Holz.

Besonders am Herzen liegen dem Unternehmer seine 35 Mitarbeiter, von denen manche schon seit 25 Jahren und mehr für Keck arbeiten. „Unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter sind unser größtes Kapital“, sagt er. „Wir brauchen sowohl die mit Erfahrung als auch die Jungen, die den Joystick an der Maschine so selbstverständlich bewegen wie andere den Gabelstapler.“ Mit am Wichtigsten sind Rathke, der selbst Holzbearbeitungsmechaniker lernte und später den Meister machte, die Auszubildenden. In seiner knapp bemessenen Freizeit engagiert sich der Unternehmer deshalb im Meisterprüfungsausschuss der IHK. Im eigenen Betrieb wird sogar über Bedarf ausgebildet. „Das Berufsbild ist breit gefächert, so dass sie nach der Ausbildung gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben“, ist der Unternehmer überzeugt. Wenn die Auszubildenden gute Leistungen bringen, ermöglicht ihnen der Betrieb Aufbaulehrgänge wie Schweiß-Kurse, Gabelstapler-Fahrausbildung oder Programmierkurse. Auch bei einem der eigenen drei Söhne scheint es Rathke gelungen zu sein, die Liebe zum Holz zu wecken: „Ob er tatsächlich einmal in meine Fußstapfen tritt, wird die Zukunft zeigen. Die richtige Ausbildung dafür hat er schon in der Tasche.“

www.keck-holz.de