Portraits
2. Januar 2010

Einrichten mit Profis in Stuttgart

Claudia Wald und Mark Phillips sind gerne Unternehmer, harmonieren gut im Team und erschaffen mit Begeisterung ungewöhnliche Räume und Ausstattungen.

2003 haben sich Claudia Wald und Mark Phillips zusammengetan und ihr Unternehmen „mori:projects“ in Stuttgart gegründet. Mittlerweile gibt es auch noch „mori:products“. Das Kerngeschäft des jungen Unternehmens ist die Innenausstattung von Häusern und Räumen. Das kann auch Umbauten bis hin zur kompletten Entkernung eines Altbaus bedeuten. „Wir schaffen Raumerlebnisse“, sagen die Unternehmer. Das zweite, noch neue Standbein, ist der Verkauf eigener Kreationen, die bei den verschiedenen Aufträgen als Idee entstehen und dann in Produkte umgesetzt werden.

Volle Verantwortung übernehmen

Ausblicke sind Teil des Wohn-Gefühls.

Mori ist ein kleines Unternehmen. Außer Wald und Phillips gibt es noch ein bis zwei Mitarbeiter. „Wir arbeiten bei Bedarf mit Freien und Praktikanten“, sagt Wald. „Wir möchten keinen Apparat haben.“ Das Wichtigste ist für die beiden Inhaber die Eigenständigkeit. „Wir sind gerne Unternehmer“, so Mark Phillips. Als Unternehmer stehe man voll in der Verantwortung. Man sei direkter dran und erlebe die Arbeit intensiver, weil man derjenige sei, der entscheide. Für das Risiko, das mein eingehe, erhalte man aber auch den vollen Respekt.

„Wir kannten uns schon lange vorher“, erzählt Claudia Wald. „Wir haben beim selben Arbeitgeber gearbeitet. Dann haben wir uns selbstständig gemacht – jeder für sich.“ Irgendwann stellten sie fest, dass sie gemeinsam besser aufgestellt waren und taten sich zusammen. „Unser erstes gemeinsames Projekt für den Energieversorger EnBW lief sehr gut“, so Wald und Phillips. Der Architekt und die Innenarchitektin (???) ergänzen sich hervorragend. Während Phillips sich mit den architektonischen Gegebenheiten und den Vorschriften, die einzuhalten sind (Brandschutz, Fluchtpläne etc.), sehr gut auskennt, konzentriert sich Claudia Wald auf die textile Innenausstattung der Räume.

Kreative Fundgrube

Zimmer im Design-Hotel Sautter in Stuttgart.

Nach ihr wurde auch das Unternehmen benannt. Wald heißt im Japanischen „mori“. Natürlich und harmonisch wirken auch die Raumerlebnisse, die Mori und Phillips gemeinsam schaffen. Akzente setzen außergewöhnliche Ideen, Materialien, Kompositionen und Verwendungen. Da werden Vorhänge vor Wände gehängt, das Gestell einer Ikea-Lampe mit einem Ballonröckchen verkleidet, alte Stühle mit schicken Bezügen ausgestattet, Stoffreste als Bilder verwendet, Textilschals vor langweilige Regale gehängt und Gegenstände zweckentfremdet. Die Räume in der Böblinger Straße im Stuttgarter Süden sind sozusagen eine kreative Fundgrube für jeden der eine Wohnung einrichten möchte.

Von Mori gestaltet: Das Café Haag in Waiblingen bei Stuttgart.

Projekte von Mori findet man überall, in Einfamilienhäusern und schicken Stadtwohnungen ebenso wie in Anwaltskanzleien, Cafés, Restaurants, großen und kleinen Unternehmen. „Die meisten unserer Kunden haben spezifische Wünsche und Vorstellungen. Außerdem gibt es funktionale Abläufe und rechtliche Vorgaben, die wir erfüllen müssen“, erklären Wald und Phillips. „Wir kommen nicht mit einem vorgefertigten Bild oder einem Katalog. Unsere Kunden erwarten von uns eine hohe Anpassungsfähigkeit. Wir erschaffen keine Räume für uns, sondern lassen die Wünsche unserer Kunden Wirklichkeit werden.“ Unternehmen gehe es darum, ihre Marke im Gebäude und den Räumen auszudrücken. Dafür müsse man sich mit dem Ganzen auseinandersetzen, über die Grenzen hinausdenken, um letztlich etwas zu schaffen, das dem Unternehmen und seinen Ansprüchen gerecht werde. „Vier kubische schwarze Würfel in einen Raum zu stellen, reicht nicht aus“, ergänzt Wald. „Lebens- und Arbeitsräume sollen nach unserem Verständnis Emotionalität, Atmosphäre und Freude ausstrahlen.“

Jeden Tag eine neue Herausforderung

Informelle Sitzgruppen in der Stuttgarter Kanzlei Schaudt.

Um das Optimale zu erreichen, arbeiten der Architekt und die Innenarchitektin nicht nur mit Möbeln, Leuchten und Textilien von Designern aus aller Herren Länder, sondern greifen auch zu ungewöhnlichen Materialien, verändern oder ergänzen sie, kombinieren sie ungewöhnlich oder lassen nach eigenen Vorstellungen schreinern, nähen, klammern und heften. Das Ergebnis kann man zum Beispiel in den Räumen der Anwaltskanzlei Schaudt in bester Stuttgarter Halbhöhenlage sehen. Farben und Materialien schaffen in jedem Büro eine individuelle Atmosphäre nach den Wünschen der acht Partner. Unterschiedliche Bodenbeläge, informelle Besprechungszonen, Sitzgruppen – so genannte Nester – für eine Auszeit, eine ungewöhnliche Nutzung des Flurs mit Öffnung zur Aussicht über die Stadt und eine offene Bibliothek, schaffen eine gleichzeitig angenehme und repräsentative Stimmung.

Maximale Flexiblität war in den Repräsentationsräumen der EnBW in Berlin gefordert.

„Unser erstes gemeinsames Projekt, Repräsentationsräume für die EnBW in der Berliner Friedrichstraße mit flexiblen Tagungsräumen, war gleich eine große Herausforderung“, erzählen Wald und Phillips. „Eine einfache Lösung mit den Firmenfarben kam nicht in Frage. Gemeinsam mit dem Kunden entschieden wir uns für ein ‚stilvolles Understatement’.“ Die Forderung des Kunden nach maximaler Flexibilität erwies sich auch als technische Herausforderung. Das Ergebnis sind verschiebbare Wände, ein trennbarer Konferenztisch für vier bis 34 Personen, eine Decke mit integrierter Akustikdämpfung und Raumbelüftung, in der sich sogar die vor dem Haus fließende Spree spiegelt. Mit dem Resultat sind Wald und Phillips ebenso zufrieden wie der Kunde: „Wir haben höchstes gestalterisches Niveau erreicht. Die Räume sind in jedem Zustand perfekt. Die Möglichkeiten zum Umbau sind sozusagen unsichtbar.“

Ein neues Projekt entsteht gerade in der Adlerstraße im Stuttgarter Süden. Dort präsentiert und vermarktet Mori acht Loftwohnungen in einem denkmalgeschützten Altbau. Ob der gestalterischen Möglichkeiten, die sich dort bieten, geraten Wald und Phillips ins Schwärmen.

www.mori-projects.de